Lkw-Produktion

Wird das MAN-Werk Steyr an Siegfried Wolf und die GAZ-Gruppe verkauft?

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© MAN

Seit Wochen gibt es Gerüchte über Verhandlungen des Managers und Investors Siegfried Wolf mit dem zur Volkswagentochter Traton gehörenden MAN-Konzern. Es geht um das Werk Steyr in Oberösterreich, dessen man in München offenbar überdrüssig geworden ist. Im Raum steht ein Verkauf oder eine Schließung bis zum Jahr 2023.

Interesse an dem Werk hat bislang auch der tschechische Lkw-Hersteller Tatra bekundet, wie dessen Repräsentant für öffentliche Institutionen in Österreich, Anton Bucek, im Exklusiv-Interview mit TRAKTUELL bestätigt. Zu konkreten Verhandlungen mit dem derzeitigen Eigentümer MAN dürfte es jedoch nach Kenntnis der Redaktion nicht gekommen sein. Auch eine kürzlich in Erscheinung getretene Interessentengruppe rund um den Linzer Unternehmer Karl Egger (KeKelit), bei der auch Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer seine Finger im Spiel haben soll und die von der Anwaltskanzlei Lansky-Ganzger beraten wird, konnte bislang keine konkreten Verhandlungen mit dem MAN-Management aufnehmen.

Wolf könnte das Rennen machen

Soweit bekannt, gab es konkrete Verhandlungen des MAN-Managements über den Verkauf des Werks, in die auch der Betriebsrat involviert gewesen sein soll, nur mit Siegfried Wolf. Der 63-jährige Ex-Magna-Chef ist Aufsichtsrat bei Porsche und dem russischen Nutzfahrzeughersteller GAZ und plant offenbar, die Produktion am Standort Steyr fortzuführen. So sollen unter anderem Fahrerhäuser für die russische GAZ-Gruppe hergestellt werden und auch eigene Nutzfahrzeuge könnten – unter der Marke Steyr – für den Weltmarkt vom Band laufen. Das berichtet der ORF Oberösterreich.

Der Aufsichtsrat von MAN berät nun in München, ob das Werk verkauft werden soll. Bei einem Scheitern der Verhandlungen droht weiterhin die Schließung im Jahr 2023.

Kündigungen und Einkommensverlust

Um Falle einer Übernahme durch Siegfried Wolf und dessen Partner dürften mehr als tausend Beschäftigte am Standort Steyr abgebaut werden. Die verbleibenden Mitarbeiter müssten auf Teile ihres Gehalts verzichten. Der Betriebsrat des Werks soll über diesen Umstand nicht erfreut sein und kritisierte das Tempo der Verhandlungen. So sprach Arbeiterbetriebsrat Erich Schwarz gegenüber dem ORF von „fast erpresserischen Methoden“ und einer „Friss-oder-Stirb“-Mentalität des Managements. Auch die Verbindung von Wolf zu Russland wird im Zusammenhang mit möglichen Sanktionen seitens der USA kritisch gesehen. Auch seitens der EU stehen Sanktionen gegen Russland wegen des Umgangs von Präsident Vladimir Putin mit der Opposition im Raum.

MAN hatte im Herbst die Verträge zur Standort- und Beschäftigungssicherung in Steyr einseitig aufgekündigt, was in Österreich zur Einsetzung der Staatlichen Wirtschaftskommission führte. Der Konzernbetriebsrat hatte zunächst vor dem Arbeitsgericht München dagegen geklagt, stimmte dann aber einer Einigung zu, ohne dass eine konkrete Gegenleistung für die 2.366 Mitarbeiter in Steyr erkennbar gewesen wäre. Für 24. März ist laut den Oberösterreichischen Nachrichten eine Betriebsversammlung angesetzt, bei der die Belegschaft über die konkreten Pläne des Managements und des potenziellen Käufers informiert werden.