Zoll

Brexit: Frankreich testet neue Methoden am Fährhafen Calais

Frankreich setzt im Fall eines britischen EU-Austritts ohne Abkommen auf eine "intelligente Grenze", um die befürchteten Riesenstaus zu vermeiden.

Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat Frankreich einen harten Brexit getestet. Am Dienstag überprüfte der Zoll neue Methoden im Fährhafen von Calais, über den ein Großteil der Passagiere und Lastwagen nach Großbritannien gelangt. "25 Jahre ohne Grenze werden über Nacht obsolet", sagte der Chef des zuständigen Zolldienstes, Eric Meunier.

Frankreich setzt im Fall eines britischen EU-Austritts ohne Abkommen auf eine "intelligente Grenze", um die befürchteten Riesenstaus zu vermeiden. Spediteure sollen etwa ihre Frachtpapiere bereits vor der Anfahrt auf Calais online ausfüllen. Die vom Zoll genehmigten Papiere müssen dann theoretisch nur noch gescannt werden.

Der Testlauf mit rund 20 Lastwagen verlief zur Zufriedenheit der Behörden. Allerdings hatte der Zoll den betroffenen Spediteuren die fertigen Papiere zuvor ausgehändigt. Von Calais aus setzen täglich bis zu 6.000 Lastwagen nach Großbritannien über.

Spediteure sind skeptisch: Sie rechnen bei einem "harten Brexit" ohne Abkommen zwischen Großbritannien und der EU mit häufigen Staus - etwa wenn die Grenzbeamten Lastwagen auf versteckte Flüchtlinge kontrollieren oder es Probleme mit der automatischen Erkennung der Papiere gibt, wie Unternehmer sagten.

Bei einem Test am Eurotunnel vor einer Woche hatte sich auch der Betreiber der Zugstrecke unter dem Ärmelkanal zuversichtlich gezeigt, dass die "digitale Grenze" funktioniert. Für Zug- und Buspassagiere sind Geräte zur automatisierten Gesichtserkennung vorgesehen. Die neuen Automaten akzeptieren nur biometrische Pässe.

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(APA/red)