Wasserstoff

Warum Teslas Verhalten Nikola Motors befeuert

Das Start-up aus Salt Lake City baut auf die Brennstoffzelle als Antriebsform und entwickelt sogar gemeinsam mit Bosch, selbst wenn Elon Musk mit Kritik nicht spart.

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In letzter Zeit vergeht eigentlich kein Tag, an dem Nikola Motor in den englischsprachigen Fachmedien nicht aufscheint. Schlecht scheint es für das Start-up aus Salt Lake City nicht zu laufen, obwohl die Produktion der wasserstoffbetriebenen Sattelzugmaschinen überhaupt erst im nächsten Jahr in Schritten beginnt. Konkurrent Tesla ist daran nicht ganz unschuldig. Nach der Entgegennahme zahlreicher Vorbestellungen für den Semi Truck, blieb es vorerst still um das Erscheinungsdatum. In den Vordergrund wurde stattdessen das Model 3 gerückt.

Das verschaffte Tesla etwas mehr Luft, denn weder mit den Absatzzahlen, noch mit den Themen Auslieferung und Logistik, läuft es aktuell wirklich gut. Zumindest hatte Elon Musk nun das Jahr bekannt gegeben, in dem die Produktion des Semi Truck starten soll. 2020 soll es soweit sein, der genaue Produktionsort der Sattelzugmaschine liegt aber weiterhin im Dunklen. Eben dieses Verhalten des Konkurrenten bietet Nikola Motors nun die Chance mit seinen Brennstoffzellen-Trucks vorzupreschen. Die Kunden wird das sehr junge Unternehmen (Gründung 2014) wohl aber nicht früher als Tesla beglücken können.

Produktion läuft sachte an

Denn zum Rundumschlag gegen Tesla kann die Nikola Motor Company nur ausholen, wenn die Produktionskapazitäten deutlich erhöht werden – was seitens des Unternehmens auch geplant ist. Das Start-up unterschrieb Ende März einen Vertrag über ein rund 157 Hektar großes Grundstück zu einem Preis von 23 Millionen Dollar im US-Bundesstaat Arizona. 2020 werden erste Fahrzeuge für Testflotten gebaut, die kommerzielle Produktion soll jedoch erst 2023 starten, sagte Firmengründer Trevor Milton zu Trucks.com. Zur Erinnerung: Tesla will mit der Produktion seines Semi Truck bereits 2020 beginnen. Bei voller Kapazität sollen im Jahr bis zu 50.000 Sattelzugmaschinen am Werksgelände von Nikola Motor hergestellt werden, die eigentlichen Pläne sehen rund 35.000 Einheiten vor. Ob die Kapazitäten tatsächlich voll ausgelastet werden, wird sich erst weisen.

Der Fokus von Nikola Motors liegt auf der Brennstoffzelle, womit das Unternehmen einen komplett anderen Ansatz als Tesla fährt. Denn bei den Kaliforniern wird die Energie aus Lithium-Ionen-Akkus gesaugt und nicht aus einem Wasserstofftank. Tesla-CEO Elon Musk betitelte die „Fuel Cell“ sogar scherzhaft als „Fool Cell“. So tief scheint bei ihm die Abneigung zu sitzen. Wenig nette Worte fanden sich auch gegen das Unternehmen von Trevor Milton: „Ihr seid die Fool Cell Company.“ Ein für Milton unverständliches Verhalten, wie er in einem Gespräch gegenüber „Trucks.com“ erklärt. „Der Akku sollte froh sein, dass es Brennstoffzellen gibt und Brennstoffzellen sollten darüber froh sein, dass es Akkus gibt“, sagte Milton. „Der Herausforderer ist das Öl“.

Umfassendes Ladenetz geplant

Die Sattelzugmaschinen von Nikola Motor müssen folglich Wasserstoff als Kraftstoff tanken, um die Brennstoffzelle zu befeuern. Trevor Milton sagte aber in einem Interview, dass sein Unternehmen auch rein batterieelektrische Fahrzeuge bauen wird, wenn diese für keine längeren Distanzen vorgesehen sind. Reine Batterie-Modelle soll es vom Nikola Two in den USA und dem Nikola Tre in Europa geben. Ein Hauptargument, mit dem Nikola Motors immer wieder aufkreuzt, ist das der Reichweite. Die wasserstoffbetriebenen Sattelzugmaschinen sind nach dem Tankvorgang sofort verfügbar und kommen zudem weiter als die Pendants mit dem Stromstecker.

In einem Problem sind Stromer wie Brennstoffzelle dann aber doch wieder gleich: beim Fehlen von Ladestationen. Hier will die Nikola Motor Company gemeinsam mit dem norwegischen Unternehmen Nel ASA auftreten. Hierzu plant das Unternehmen ein höchst ambitioniertes Vorhaben. In den USA und den USA soll es 2028 mehr als 700 Wasserstoff-Ladestationen geben, um ein nahezu lückenloses Versorgungsnetz bieten zu können.

Zum Vergleich: Aktuell lässt sich die Anzahl verfügbarer Wasserstoff-Ladestationen in Österreich an einer Hand abzählen. In Sachen Wasserstoff-Ladesäulen sieht Trevor Milton aber ein lukratives Geschäft. „Wir werden das größte Wasserstoff-Ladesäulen-Netz der Welt haben“, ist Milton überzeugt. Und es wird sich dabei um keine kleinen Stationen handeln. „Sie werden 8.000 Kilogramm pro Tag bereitstellen, genug für 160 Lkws und manche werden sogar bis 24.000 Kilogramm raufgehen.“

Deutscher Zulieferer mit an Bord

Der deutsche Automobilzulieferer Bosch wurde bereits auf das Start-up aufmerksam und die Zusammenarbeit scheint nach mehr als 220 000 Stunden an gemeinsamer Entwicklungsarbeit Früchte zu tragen. Bosch und Nikola haben gemeinsam einen Brennstoffzellenantrieb für den Schwerlaster Nikola Two Alpha entwickelt, der nun auch der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Auch das Fahrzeug-Chassis, in das er integriert ist, war Teil der gemeinsamen Entwicklungszusammenarbeit. Dazu gehört auch die weltweit erste elektrifizierte Achse für schwere Nutzfahrzeuge mit Doppelantrieb, die Motor, Antriebselektronik und Getriebe in einem Gehäuse vereint.

Ebenso wie das Pendant von Tesla, werden auch die Brennstoffzellen-Fahrzeuge von Nikola Motors vor allem eines sein: rollende Computer. Dazu stellt Bosch ein zentrales Steuergerät, die Vehicle Control Unit (VCU) bereit. Sie ermöglicht beispielsweise Over-the-Air-Updates oder Echtzeit- Monitoring. Durch die Dauerüberwachung sollen Ausfallzeiten reduziert werden. Analoge Spiegel gibt es auch bei Daimlers neuem Actros nicht mehr, stattdessen kommt ein Mirror Cam System zum Einsatz, welches nun auch für den Two Alpha kommen wird. Neben Sicherheitsaspekte sollen es vor allem aerodynamische Gründe sein, warum auf dieses neue System gesetzt wird.

Zum Öffnen der Fahrerkabine wird auch kein konventioneller Schlüssel mehr notwendig sein. Künftig sollen die Speditionen die Schlüssel digital verwalten. Das Szenario sieht vor, dass der Zugang per Smartphone-App freigegeben wird. Der Lkw ist mit Sensoren ausgestattet, die ein Smartphone mit der installierten App erkennen. Ist die App einmal installiert, kann dort ein einmaliger Sicherheitsschlüssel erstellt werden, der in das digitale Schloss des Fahrzeugs passt. Nähert sich der Fahrer dem Fahrzeug, wird der Sicherheitsschlüssel identifiziert und entriegelt bei passendem digitalen Schlüssel die Tür. Sobald sich der Fahrer wieder vom Truck entfernt, wird das Fahrzeug automatisch sicher verschlossen.

https://youtu.be/Dai6QxZ8Y1s

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