Camping

Die Coronakrise beflügelt das Reisemobil

Camping liegt im Trend. Der Grund: Covid-19 lässt die Menschen auf Abstand gehen. Auf den Urlaub möchte man dennoch nicht verzichten. Ein Reisemobil ermöglicht beides zu vereinen. TRAKTUELL hat in einem Interview mit Tomas Mehlmauer, dem Präsidenten des Österreichischen Camping Clubs, gesprochen. 

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Sommerzeit ist Reisezeit. Endlich darf wieder das Reisemobil ausgiebig genutzt werden und mit der Familie geht es rasch ins Grüne. Wir haben uns mit einem Experten über Camping und das passende Fahrzeug unterhalten.

TRAKTUELL: Herr Mehlmauer, warum liegt das Reisemobil beziehungsweise Camping aktuell so im Trend?

Mehlmauer: Camping hat sich bereits vor Corona einer steigenden Beliebtheit erfreut. Der Boom in der Reisemobilbranche lässt sich nicht nur anhand von Nächtigungszahlen und Zahlen aus dem Fahrzeughandel der letzten Jahre festmachen. Grundsätzlich verbinden viele CamperInnen ein großes Freiheitsgefühl mit dieser Urlaubsform. Sie schätzen die Natur, die Seen, Berge oder auch sportliche Tätigkeiten. In den letzten Jahren haben Betreiber viel Geld in die Infrastruktur investiert und das damit verbundene Angebot stark ausgeweitet. Ein Campingfahrzeug braucht es gar nicht mehr. Viele Campingplätze bieten auch verschiedene Mietunterkünfte wie Bungalows, komfortable Glampingzelte oder sogar Baumhäuser an.

TRAKTUELL: Welche Reiseziele werden gerade jetzt verstärkt angesteuert?

Mehlmauer: Dieses Jahr liegt aufgrund der besonderen Situation der Österreich-Urlaub im Trend. Camper, welche im Ausland ihren Urlaub verbringen, richten sich bei ihrer Entscheidung nach der aktuellen Lage im Land. Kroatien ist für einige Camper derzeit sehr interessant - generell mit dem Reisemobil zur Adria.

TRAKTUELL: Durch das Coronavirus boomt der Reisemobilmarkt. Hat sich davor ein positiver Trend abgezeichnet oder hat das Virus den Anbietern und Herstellern in die Hände gespielt? 

Mehlmauer: Dieser Sommer ist aufgrund der bekannten Umstände besonders. Warum das Camping von vielen Neueinsteigern als Alternative zu anderen Urlaubsformen gesehen wird, hängt aus meiner Sicht mit dem Sicherheitsgefühl zusammen. Im Campingurlaub kann ich mit einem Campingmobil unabhängig sein. Ich habe die Möglichkeit im Fahrzeug zu essen, zu schlafen und mich zu waschen. Wenn ich das möchte, reduziere ich den näheren Kontakt mit anderen Urlaubern auf ein Minimum. Auf meiner Parzelle auf dem Campingplatz habe ich dennoch Grünfläche und oft ein weitläufiges Gelände.

TRAKTUELL: Die Zeiten, wo ein Wohnwagen noch ein ockerfarbener Anhänger mit braungetönten Scheiben war, sind lange vorbei. Was liegt auf dem Reisemobilmarkt im Trend?

Mehlmauer: Auch die Campingindustrie geht mit dem Trend, genau wie die Automobilindustrie. Die Designs der Fahrzeuge und der Wohnlandschaft im Innenraum sind sehr vielseitig und modern geworden. Das richtige Wunschfahrzeug auswählen, ist einfacher geworden. Je nach Preisklasse kann man sich sein Campingfahrzeug mehr oder weniger individuell zusammenstellen. Neben der Inneneinrichtung spielen heutzutage bei Neufahrzeugen zu Beispiel auch Lichtkonzepte eine Rolle. Entscheidend für die Fahrzeugwahl ist jedenfalls der Einsatz. Sucht man sich einen Campingplatz und verbringt dort viel Zeit, bieten sich gut ausgestattete, größere Wohnwagen an. Ist man viel unterwegs und reist von Ort zu Ort im Urlaub, sind meist kompaktere Reisemobile sinnvoll, statt ein großes Wohnmobil zu kaufen. 

TRAKTUELL: Verwandte haben sich ein Reisemobil für den heurigen Urlaub gemietet. Überwiegt eigentlich die Reisemobilvermietung oder der Reisemobilkauf in Österreich?

Mehlmauer: Dieses Jahr war die Nachfrage auch bei der Miete besonders groß - und kann nicht mal zur Gänze bedient werden. Wer sich entscheidet ein Wohnmobil zu mieten, sollte darauf achten, dass richtige Zugfahrzeug zur Verfügung zu haben. Die Daten sind aus dem Zulassungsschein des Pkw zu entnehmen. In den Sommermonaten sind die Mietfahrzeuge sehr begehrt. Es ist notwendig sich rechtzeitig darum zu kümmern, dass man auch sein Wunschfahrzeug erhält. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es in der Regel in der Hauptsaison eine Mindestmietdauer von ein bis zwei Wochen.

TRAKTUELL: VW hat erste Aufnahmen einer Campingversion des Caddy veröffentlicht. Handelt es sich um eine Nische oder glauben Sie, dass sich mehr Menschen ein kleines Reisemobil statt einem großen anschaffen werden?

Mehlmauer: Es ist ein Trend betreffend kleineren und kompakten Campingfahrzeugen zu beobachten. Verschiedene Hersteller wie VW, Mercedes oder Citroën bieten von Kastenwagen oder Kleinbussen/Vans eigene Versionen an. Manche Camper nutzen das Fahrzeug auch als Zweitauto für Alltagswege und Campingausflügen.

TRAKTUELL: Oft wird von Laien die Frage gestellt, wie es mit der Lenkberechtigung aussieht. Darf ich mit meinem Führerschein ein Campingfahrzeug überhaupt lenken?

Mehlmauer: Die meisten Camping-Fahrzeuge in Österreich sind bis zu einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen zugelassen. Diese kann man mit der gängigsten Führerscheinklasse (B) lenken. Wichtig ist aber in jedem Fall auf die Beladung zu achten, da die Zuladung in den meisten Fällen nicht riesig ist. Wer sich unsicher ist, der kann eine Wiegemöglichkeit nutzen. Die gibt es zum Beispiel bei vielen ÖAMTC-Stützpunkten.

TRAKTUELL: Wo darf ich eigentlich mit meinem Fahrzeug stehen bleiben und übernachten? Klar, auf einen der vielen Campingplätze. Aber kann ich einfach überall stehen bleiben, um die große Freiheit zu genießen. Was ist zu beachten?

Mehlmauer: Der Österreichische Camping Club empfiehlt das Übernachten auf Campingplätzen oder offiziellen Stellplätzen. Grundsätzlich ist zwischen öffentlichem und privatem Grund zu unterscheiden. Auf öffentlichen Grund ist es in den meisten Fällen verboten zu campen. Auf Privatgrund das Übernachten mit Zustimmung des Eigentümers durchaus erlaubt.  

TRAKTUELL: Herzlichen Dank für das Gespräch.