TRANSPORTLOGISTIK

Auf diese Weise lassen sich Leerkilometer und Leerfahrten reduzieren

Bei Lkw-Leerfahrten handelt es sich um ein Phänomen, das sich wohl nie gänzlich vermeiden lässt. Zugleich gibt es aber verschiedene Lösungsansätze, um dagegen vorzugehen. Lesen Sie hier von einigen der Wichtigsten.

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Smarte Netzwerke in ausreichender Größe bringen Spediteuren und Transporteuren gleichermaßen Vorteile. 

Leerfahrten und dadurch verursachte Leerkilometer sind die Folge anwachsender Güterströme und zugleich Achillesferse für Speditions- und Transportunternehmen. Rund 70 Prozent der landbasierten und auf Straßen bewegten Güter werden in Europa per Lkw bewegt, mit einem jährlichen Umsatz von 300 Milliarden Euro, wie die EU-Kommission 2014 bekannt gab.

Allerdings macht sich jeder fünfte Lkw aufgrund wechselnder und ungleich verteilter Nachfragen ohne Ladung auf den Weg. Das Hauptproblem: Waren werden in aller Regel zu Lager- oder Umschlagspunkten geliefert, an denen es aber keine Möglichkeit gibt, den Lkw mit einer Rückbefrachtung zu versehen. Infolgedessen wird der Empfänger der Hinfracht nur selten auch zum Absender der Rückfracht, der Lkw muss erst eine bestimmte Strecke leer fahren, um erneut Fracht laden zu können. Das kostet Zeit und Sprit. Durch den steigenden Kundendruck zu zeitgerechteren Lieferungen wird sich das Problem künftig noch weiter verschärfen. Liefertreue steht Faktoren wie Pünktlichkeit, Umweltschutz und Leerkostenvermeidung gegenüber.

Netzwerken, netzwerken und nochmals netzwerken     

Smarte Netzwerke zu entwickeln ist der springende Punkt, sie können dabei helfen, die eigene Ausgangslage deutlich zu verbessern. Je größer ein Transportunternehmen ist und je mehr Lkws, Frachtführer und Verlader am eigenen Netzwerk beteiligt sind, desto besser stehen die Chancen, Leerfahrten zu vermeiden oder zumindest Fahrten ohne Fracht zu reduzieren. Nicht selten haben gerade kleine und mittlere Unternehmen aber das große Nachsehen, wenn es um die Nutzung von Netzwerkeffekten geht. Möglichkeiten gibt es aber auch hier, die Stärken zu bündeln: das Kooperationsnetzwerk „Elvis“ ist ein Beispiel. Es verknüpft mittelständische Frachtführer und Ladungsspediteure miteinander und sorgt für einen effizienteren Warentransport.  

Quellen und Senken enger zusammenführen

Logistische Quellen sind Orte, an denen mehr Transporte starten als enden. Senken sind dagegen Orte, an denen mehr Transporte münden als beginnen. Stehen jeweils nur wenige Quellen und Senken miteinander in Verbindung, fehlt es schlicht an Möglichkeiten, das Ungleichgewicht zwischen Quellen und Senken auszugleichen. Leerfahrten und Leerkilometer sind die Folge. Liegen Quellen und Senken enger beieinander, gibt es entsprechend auch mehr Lade- und Entlademöglichkeiten. Der Leerfahrtenanteil ließe sich durch diesen Netzwerkeffekt reduzieren. Leider verfügen gerade Klein- und Mittelunternehmen nicht über jene Netzwerke an Senken und Quellen, wie sie von größeren Unternehmen in entsprechendem Umfang genutzt werden.

Verwendung von digitalen Frachtenbörsen

Internetbasierte Frachtenbörsen gibt es mittlerweile zuhauf und sind ein Mittel, um einen Lkw kurzfristig mit einer Hin- oder Rückladung zu befrachten und dadurch Leerkilometer zu reduzieren.

Fraunhofer Forschungsprojekt „IPPO“ beendet

Mit dem Thema effektiver und nachhaltiger Transportketten hat sich auch das Fraunhofer Forschungsinstitut beschäftigt. Dabei ging es auch um die Reduzierung zurückgelegter Last- und Leerkilometer durch eine nachhaltige Optimierung der Kapazitätsauslastung und Verlängerung des Planungshorizonts. „Wir konnten feststellen, dass die resultierenden Kosten und Emissionen stark von der Verfügbarkeit und Qualität der Planzahlen künftiger Planungsvolumina abhängen“, erklärt Projektleiter Georg Brunnthaller. „Indem diese verbessert und so adäquate Transportressourcen bereitgestellt werden können, sind zusätzliche fünf bis zehn Prozent an Effizienz möglich.“

Einerseits gilt es, Auftraggeber stärker in die Pflicht zu nehmen, ihre Logistikdienstleister verstärkt in Supply-Chain-Planungsprozesse zu integrieren. Anderseits müsse laut dem Wissenschaftler die Entwicklung geeigneter Prognoseverfahren intensiviert werden. Durch die damit geschaffende Transparenz können weitere Entwicklungsschritte hin zu voll integrierten nachhaltigeren Produktions- und Logistiknetzwerken („social networked logistics“) gesetzt werden. 

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