Veranstaltung

GSV-Forum hat die kommunale Mobilität im Blick

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Ende Oktober 2021 wurde in Kooperation mit der IÖB-Servicestelle (IÖB = Innovationsfördernde öffentliche Beschaffung, eine Initiative des BMDW und des BMK in Kooperation mit der BBG) die "kommunale Mobilität neu gedacht". Wichtigste Erkenntnis der Fachveranstaltung: Attraktive und leicht zugängliche Angebote ändern Verhaltensmuster.

Gerade die Mobilität auf kommunaler Ebene ist ein wichtiger Hebel zur CO2-Reduktion. Darum stehen Städte und Gemeinden bei der Erreichung der Klimaschutzziele und insbesondere bei der erforderlichen Neuorganisation von Mobilität im Mittelpunkt. Nicht zuletzt, weil große Verhaltensänderungen in Richtung nachhaltige Mobilität nicht von selbst erfolgen. Doch es kommt Bewegung in das Thema: Innovative Unternehmen und Gemeinden zeigen, wie die Zukunft der Mobilität aussieht.

IÖB-Initiative unterstützt öffentliche Hand

Henriette Spyra, neue Leiterin der Sektion Innovation und Technologie im BMK, betonte im Rahmen ihrer Begrüßungsworte, wie wichtig es sei, "kommunale Mobilität neu zu denken", um zu klimafreundlicher, nachhaltiger und leistbarer Mobilität zu gelangen. Die gemeinsam von BMK und BMDW getragene Initiative zur innovationsfördernden öffentlichen Beschaffung (IÖB) und deren Werkzeuge seien dazu unerlässlich – schließlich sei die Marktmacht der öffentlichen Hand mit einem Beschaffungsvolumen von jährlich über 45 Milliarden Euro nicht zu unterschätzen.

Förderungen wie zum Beispiel die IÖB-Toolbox und die F&E-Innovationspartnerschaften würden gleichzeitig die öffentliche Hand bei der Umsetzung innovativer Maßnahmen unterstützen. Insgesamt müsse es uns aus der Sicht von Spyra noch besser gelingen, strategisch zu beschaffen – Impulse dazu soll auch der IÖB Strategierahmen 2030 aussenden, der gerade erarbeitet wird.

Best-Practice Beispiel "Smart Street"

Alexander Meissner, Präsident der Initiative "Smart & Safe & Green Mobility", stellte die smarte Straße des Unternehmens Fonatsch in Melk vor. "Wir sehen die smarte Straße als unerlässlichen Teil der Smart City. Eine Kommune kann unabhängig von ihrer Größe und Urbanität eine Smart City werden." Wesentliche Bestandteile der Smart Street sind: Bedarfsgerechte Beleuchtung, Sicherheitsfeatures (Videoüberwachung, Notbeleuchtung, Radarmessungen, energieautarker Betrieb), "Laternenladen" für E-Fahrzeuge und E-Scooter, Kommunikationseinrichtungen wie WLAN, Verkehrssteuerung- und -zählung, Antennenpunkte für 5G, Hochdruckvernebelungen und viele mehr.

Die Smart Street wurde nach einer Pilotanlage in Melk an weiteren Standorten wie Pöchlarn, Ollersdorf und Stegersbach installiert. Warum Melk sich für eine smarte Straße entschieden hat, schildert Bürgermeister Patrick Strobl: "Wir wollen uns unseren Bewohnern und Besuchern als innovative und digitalisierte moderne Gemeinde präsentieren. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass die Verkehrsinfrastruktur in fünf bis zehn Jahren anders als heute zur Verfügung gestellt werden muss."

Konkret hat Melk bereits einen Pilotstraßenabschnitt in der sogenannten Rollfährenstraße realisiert, die zwischen dem Schifffahrtshafen und dem Stadtzentrum liegt. Dort werden Laternen bereits bedarfsgerecht gesteuert, Ladestationen für diverse Anwendungen zur Verfügung gestellt, WLAN angeboten und Infopanels eingesetzt. Im nächsten Schritt soll der Abschnitt zwischen Rathausplatz und dem Schulzentrum bzw. dem Einkaufszentrum Löwenpark smart werden.

Im Fokus steht dort die bedarfsgerechte Beleuchtung, die Verringerung der Fahrgeschwindigkeit, die Erhöhung der Sicherheit bei Straßenüberquerungen für Fußgänger unter anderem durch eine Signalanlage, die Videoüberwachung und Ladestationen für E-Bikes und elektronische Geräte. Zum Thema Erfolgsfaktor Smart Street wurde auch ein Buch veröffentlicht, welches jede Kommune in Österreich kostenlos erhalten wird, wie Meissner berichtet. Bestellungen sind auf der Homepage https://www.ssgm.eu/index.php/de/buch möglich.

Welchen Weg gehen andere Gemeinden?

"In Kaltenleutgeben startet mit 1. Dezember 2021 eine Mikro-ÖV-Lösung, um besser zum öffentlichen Verkehr entlang der Hauptstraße zu gelangen. Das ist eine große Errungenschaft für uns, damit unsere Bevölkerung mobiler sein kann, erst recht ohne eigenes Auto“, berichtete die zum Zeitpunkt der Veranstaltung jüngste Bürgermeisterin Österreichs, Bernadette Geieregger, von der Gemeinde Kaltenleutgeben, südlich der Wiener Stadtgrenze im Bezirk Mödling gelegen.

Weiters werde intensiv das Thema der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in und nach Kaltenleutgeben über die Schiene behandelt. Derzeit laufen dahingehende Machbarkeitsuntersuchungen unter Beteiligung aller notwendigen Dienststellen Wiens und Niederösterreichs sowie unter Einbindung der betroffenen Gemeinden. Drittes Betätigungsfeld ist Mobilitätsvermeidung durch Initiativen wie Co-Working Spaces und Prüfung von Car- und Bikesharing Konzepten. Zusammenfassend hält Geieregger fest, dass sich Kaltenleutgeben mit einem zehn Minuten Bus-Takt zur Hauptverkehrszeit in einer vergleichsweise guten Situation im Vergleich zu anderen Kommunen befindet, wo der Bus möglicherweise nur dreimal am Tag fährt.

Unternehmenspitches waren angesagt

Anschließend folgten zehn Unternehmenspitches zu Themen wie einem in Entwicklung befindlichen elektrischen modularen Elektro-Vielzweckfahrzeug (EMPA-TRAC), kommunales E-Car Sharing aus einer Hand (AlphaCity), berührungsloses Parken (APCOA FLOW), nahtlose Planung, Buchung und Bezahlung von Mobilität mit Mobilitätsbudget mittels App (Fluidtime), Dekarbonisierung der Busflotte und Einsatz innovativer Verkehrszähltools (move2zero), eine intelligente und vernetzte Verkehrs-Fußplatte (IOT Baseplate), ökologische Verkehrszeichen aus Holz (Ecoguide), einfach nachrüstbare bedarfsabhängige Beleuchtung (lixtec), Messung von Mobilitätsverhalten (Mobimeter) und innovative Einrichtungen für das Fahrrad wie modulare Fahrradständer (VELOVIO). Weitere

Podiumsdiskussion: "Wie kommen wir voran?"

In der Podiumsdiskussion wurde von Experten und Expertinnen diskutiert, wie wir zur nächsten Stufe kommunaler Mobilität gelangen können. Eine Schlüsselrolle wird Forschungs- und Innovationsförderung zukommen, wie Sarah BittnerKrautsack, interimistische Leiterin der Abteilung Mobilitäts- und Verkehrstechnologien im BMK, betont. Mit der im Jahr 2020 vorgestellten FTI Strategie Mobilität, die in einem breiten StakeholderProzess entwickelt wurde, werde selbstverständlich auch die kommunale Mobilität adressiert. Konkret in den zwei Missionsfeldern "Städte – urbane Mobilität klimaneutral gestalten" und "Regionen – ländliche Regionen mobilisieren und nachhaltig verbinden".

Bittner-Krautsack dazu: "Das BMK möchte hier als Forschungs-, technologischer und innovationspolitischer Impulsgeber auftreten und Unterstützung anbieten, das Mobilitätssystem klimaneutral umzugestalten." Die Bandbreite von bereits im FTI-Programm "Mobilität der Zukunft" unterstützter Projekte ist groß: Von gesamtheitlich betrieblichem Mobilitäts- und Gesundheitsmanagement bis zur urbanen Logistik. "Die besten F&EProjekte sind die, bei denen die Umsetzungspartner wie Länder und Gemeinden bereits Projektpartner sind, weil da das Kommittent der Umsetzungspartner von Beginn an gegeben ist", sagte Bittner-Krautsack.

Besonders hinzuweisen ist auf die urbanen Mobilitätslabore, wo Projekte andocken können und vieles ausprobiert werden kann. Zuletzt dürfen wir auch nicht auf die aktive Mobilität und deren Attraktivierung als einen wichtigen Baustein zur Erreichung eines klimaneutralen Mobilitätssystems vergessen.“ Auch Verkehrsunternehmen wie der österreichische Postbus, die Wiener Linien und die Wiener Lokalbahnen machen sich intensive Gedanken über bedarfsgerechte Verkehre zur Erreichung des nächsten höherrangigen öffentlichen Verkehrsknotens wie beispielsweise einem Bahnhof, wie alle drei Unternehmensvertreter betonen.

Postbus will mehr Kunden überzeugen

Die Österreichische Postbus AG, am Podium vertreten durch Vorstand Alfred Loidl, hat einen on demand Verkehr mit dem Titel „Postbus Shuttle“ konzipiert. Über eine App können die Kunden den Service buchen, im Hintergrund bündelt eine Software die Fahrten. Loidl: "Wir wollen den Zugang möglichst einfach gestalten – daher setzen wir auf unterschiedliche Auskunftssysteme. Je einfacher der Zugang, desto öfter wird dieses Service auch genutzt werden."

Entlang bestehender ÖV-Linien ist dieser Service nicht buchbar, hier wird stattdessen auf diese ÖV-Verbindungen verwiesen. Bei traditionellen fahrplangebundenen Postbus Verkehren müsse es aus Sicht von Loidl mindestens einen Stundentakt geben, damit wirklich von einem Angebot gesprochen werden kann. Derartige Änderungen können allerdings nur die Länder, also die Verbünde, vornehmen. Verkehrsunternehmen wie der Postbus haben auf den Fahrplan keinen Einfluss. Alles in allem müsse aus Sicht von Loidl also kräftig in Angebote investiert werden. Was dem Klima mehr nutze – Investitionen in alternative Antriebe oder die umfassende Ausweitung des Angebots, sei fraglich.

Mitarbeitermobilität als großer Hebel

Wien macht sich über ergänzende Angebote auf der ersten und letzten Meile sowie über grenzüberschreitende Verkehre intensive Gedanken, wie Bianca Khalil, Leiterin Produkt und Steuerung, Wiener Linien, vortrug. Gerade die Verkehre von Niederösterreich nach Wien könne man nur gemeinsam lösen. Ab 2022 starten einige ergänzende Angebote wie WienMobil Rad (stationäres, wienweites Radsharing, Nachfolge der Citybikes), WienMobil Auto (stationäres eCar Sharing) und WienMobil Hüpfer (on demand Verkehr mit eKleinbussen).

Der WienMobil Hüpfer wird über App buchbar sein, Fahrten bündeln, als Zubringer zum ÖV dienen, aber diesen nicht ersetzen. Khalil: "Den Hüpfer können wir nur testen, weil es diese urbanen Mobilitätslabore gibt. Wir sind gespannt, wie er angenommen wird" Einen wesentlichen Hebel, Fahrten umweltfreundlicher zurückzulegen, sieht Khalil in der Reform der Mitarbeitermobilität in großen Unternehmen: "Als Partner stehen wir dazu gerne zur Verfügung."