ÖAMTC-Test

Abbiegeassistenten auf dem Prüfstand

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„In den vergangenen fünf Jahren wurden jährlich rund 150 ungeschützte Verkehrsteilnehmer bei Kollisionen mit Lkw verletzt – davon verunglückten 13 tödlich. Einige dieser Unfälle waren Abbiegeunfälle, bei denen sich ein ungeschützter Verkehrsteilnehmer im Toten Winkel des Lkw befand“, erklärt ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé. Bei den rund 73.000 zugelassenen Lastkraftwagen (Lkw der Klasse N2 und N3) sollen Abbiegeassistenten für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen.

Der ÖAMTC hat dazu mit seinen Partnerclubs erstmals einen marktumfassenden Vergleichstest von Abbiegeassistenzsystemen mit unterschiedlichen Technologien (Ultraschall, Radar und Kamera) durchgeführt. Die getesteten Systeme wurden dabei nacheinander auf einem Lkw mit 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht montiert. Dabei erwiesen sich vier von neun Nachrüstsysteme als ungenügend – lediglich zwei konnten mit „gut“ bewertet werden.

Viermal „nicht genügend“

Zu Problemen kam es vor allem bei den dynamischen Tests, bei dem sich ein Radfahrer parallel zum fahrenden Lkw bewegte. Bei Systemen, die nicht klassifizieren, also nicht zwischen statischen Objekten wie Bäumen oder Verkehrszeichen und VRU unterscheiden können, trat eine hohe Zahl an Fehlwarnungen auf. Kritisch ist auch der geringe Sichtbereich, das heißt Radfahrer und Fußgänger, die sich weiter als 2,75 m entfernt vom Fahrzeug bewegten, wurden zumeist nicht detektiert. Dies führt dazu, dass Lenker oft nicht oder nicht rechtzeitig gewarnt werden. „Für die Praxis im Straßenverkehr sind weder Systeme mit häufigen Fehlwarnungen noch mit Mängeln bei der Erkennung geeignet. Vier der neun Testkandidaten wurden daher mit ‚nicht genügend‘ bewertet“, betont David Nosé.

Bei den zwei mit „gut“ beurteilten Abbiegeassistenten handelt es sich um Kamera-Systeme von EYYES und H3M. "Beides sind klassifizierende Systeme. Dadurch können statische Objekte und ungeschützte Verkehrsteilnehmer unterschieden werden und der Lenker wird nicht fälschlicherweise gewarnt", erläutert der ÖAMTC-Techniker. Außerdem wird der VRU bei nahezu allen Geschwindigkeiten, Abständen und Testvarianten rechtzeitig erkannt und der Lkw-Lenker mittels eines differenzierten optischen und akustischen Signals darauf aufmerksam gemacht.

Weiterentwicklung der Systeme gefordert

Der Club weist allerdings darauf hin, dass eine Weiterentwicklung der Systeme unbedingt erforderlich ist führt folgende Punkte ins Treffen:

- Der Abdeckungsbereich, in dem ungeschützte Verkehrsteilnehmer erkannt werden können, sollte vergrößert werden.

- Verdeckte Sicht (zum Beispiel durch parkende Fahrzeuge) darf kein Problem bei der Detektion darstellen.

- Um die Häufigkeit von Falschmeldungen zu reduzieren, darf nicht die Funktionalität und der Wirkbereich reduziert werden. So sollten die Systeme den Radfahrer nicht nur erkennen, wenn er den Lkw überholt, sondern auch wenn beide mit gleicher Geschwindigkeit nebeneinander fahren oder der Lkw den Radfahrer überholt.

- Lkw-Abbiegeassistenten sollten zwischen einem Informations- und Warnsignal unterscheiden können. So kann der Lkw-Lenker gezielt gewarnt werden, wenn Kollisionsgefahr besteht. Das Warnsignal darf dabei jedoch nicht allein von einem aktiven Blinker abhängig sein.

- Das Assistenzsystem sollte klar signalisieren, wenn es nicht mehr voll funktionstüchtig ist, damit sich der Lenker nicht fälschlicherweise auf das System verlässt.