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Kommentar

Man Steyr: angedrohte Schließung nur ein Bluff?

Das Werk Steyr muss an Siegfried Wolf verkauft werden oder schließen, so die harte Ansage des Managements von MAN. Eine Dritte Möglichkeit gibt es angeblich nicht. Ganz so einfach dürfte die Sache allerdings nicht werden.

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Siegfried Wolf sei der Einzige, der ein vollständiges industrielles Konzept für den Standort Steyr vorgelegt habe, wurde zuletzt seitens des Personalvorstands von MAN verkündet. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn einen breit angelegten Verkaufsprozess mit unterschiedlichen Bietern soll es laut Auskunft anderer Interessenten überhaupt nie gegeben haben. Nun will MAN die Zustimmung der Belegschaft für diesen Exklusiv-Deal erreichen und stellt dabei die Rute ins Fenster: Entweder es werde an Wolf verkauft, oder das Werk wird schlicht geschlossen. Eine Alternative gäbe es nicht. So einfach dürfte das aber nicht werden. Denn, auch wenn die Mehrheit des Volkswagenkonzerns, zu dem auch MAN gehört, bei der Porsche SE und damit den Familien Porsche und Piëch liegt, so gibt es auch Aktien im Streubesitz. Selbst wenn deren Inhaber im Aufsichtsrat nicht die Kontrolle ausüben, so ist das Management diesen gegenüber dennoch zu einer ordentlichen Geschäftsgebarung verpflichtet. Und in diesem Zusammenhang scheint es nur schwer vorstellbar, dass man das Werk einfach so, ohne Prüfung aller weiteren Verwertungsoptionen dicht machen kann. Ist die angedrohte Schließung also nur ein Bluff, um die Zustimmung der Belegschaft zu erwirken?

Standortgarantie: Milliardenprozess in München

Stimmt die Belegschaft dem Deal mit Wolf zu, dann könnte das MAN-Management daraus womöglich ableiten, die Belegschaft habe auch der Auflösung der Standort- und Beschäftigungsgarantie, die bis 2030 abgegeben wurde, zugestimmt. MAN hatte diese Garantien einseitig aufgekündigt. Deshalb ist auch ein Prozess am Arbeitsgericht München anhängig. Das Verfahren ist aber noch bis Herbst 2021 ausgesetzt. Schafft es MAN nun, das Werk bis dahin mit der expliziten Zustimmung der Mitarbeiter zu verhökern, so könnte dies dem Prozess womöglich die Grundlage entziehen. Dabei geht es für MAN um viel Geld, sehr viel Geld. Denn der Betriebsrat des Werks Steyr hatte schon angekündigt, im Fall betriebsbedingter Kündigungen Entgeltfortzahlungen geltend zu machen. Der kolportierte Lohnentgang der gesamten Belegschaft bei einer Komplettschließung des Werks soll sich bis 2030 auf über eine Milliarde Euro belaufen. Das ist viel Geld, auch für einen Konzern wie MAN.

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