Mauteinhebung

Gestiegene Mauteinnahmen durch Lkw- und Busverkehr

Während die Asfinag gestiegene Mauteinnahmen verbuchen kann, kritisiert die Wirtschaftskammer zu hohe Mauttarife für Lkw und Bus. Eine veraltete Wegekostenrichtlinie und fehlende Transparenz sollen Mitverursacher sein.

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Die Mauteinnahmen der Asfinag durch den Lkw-Verkehr sind um 7,6 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro angestiegen. Das teilte die staatliche Autobahnholding Asfinag auf ihrer Jahrespressekonferenz mit. Den stärksten Zuwachs der Fahrleistung im Schwerverkehr verzeichneten Tauern-, Phyrn- und Brenner-Autobahn. Über 60 Prozent des Lkw- und Busverkehrs auf Österreichs Straßen entfallen mittlerweile auf Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen.

Mauttarife für Lkw und Busse senken

Die Lkw-Maut sei in Österreich um mindestens 25 Prozent zu hoch, moniert der Bundesspartenobmann für Transport und Verkehr, Alexander Klacska, über die aktuellen Mauttarife. Die WKÖ beruft sich dabei auf eine Studie, die gemeinsam mit dem Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe und der AISÖ (Arbeitsgemeinschaft Internationaler Straßenverkehrsunternehmer Österreichs) in Auftrag gegeben worden sei. Die Ergebnis der Studie sollen aufzeigen, dass seit 2014 die Mauteinnahmen weit höher lagen als die Infrastrukturkosten.

„Im Jahr 2016 lag unseren Berechnungen nach die Überdeckung bei rund acht Cent pro gefahrenem Kilometer. Das heißt, wenn ein Lkw rund 10.000 Mautkilometer im Jahr fährt, was keineswegs viel ist, dann zahlt er um 800 Euro im Jahr zu viel“, führt Stephan Kritzinger, einer der Studienautoren und Geschäftsführer des Zentrums für Integrierte Verkehrssysteme (ZIV) in Darmstadt, aus. „Kumuliert betrachtet haben Lkw und Busse von 2008 bis 2016 um mehr als 800 Millionen Euro zu viel bezahlt“, ergänzt Klacska.

Dabei seien die Mautgebühren für Klacska ein wichtiger Standortfaktor: "Allerdings ein Standortfaktor, der uns davonläuft." Wenn in Österreich ein Transport im Ennstal startet, kommt er mit 50 Euro Maut noch nicht einmal bis an die Grenze, denn 50 Euro reichen hierzulande nur für 130 Kilometer während man in Deutschland um dasselbe Geld 370 Kilometer weit kommt", so Klacska. 

Ein Problem bei der Überprüfung der österreichischen Mauttarife ist, dass dem System eine aus dem Jahr 2000 stammende und damit veraltete Wegekostenrechnung zugrunde liege: „Wir fordern das Verkehrsministerium auf, in diesem oder spätestens im nächsten Jahr eine neue Wegekostenrechnung in Auftrag zu geben", gibt sich der Bundesspartenobmann kämpferisch. 

Für den Branchensprecher des heimischen Handels, Peter Buchmüller, sei insbesondere die fehlende Transparenz bei der Mauttarifberechnung nicht nachvollziehbar: „Im Gegensatz dazu sind in Deutschland und der Schweiz die Wegekostenrechnungen beziehungsweise die Grundlagen für die Mautberechnung öffentlich zugänglich - und damit auch Gegenstand fachwissenschaftlicher, aber auch gerichtlicher Auseinandersetzungen“, betont Buchmüller.

Mauttarifberechnung ist „logisch und zielführend“

Die Asfinag hält dagegen, dass die Tarife ausschließlich in Übereinstimmung mit den rechtlichen Grundlagen der EU-Wegekostenrichtlinie und des Bundesstraßenmautgesetzes kalkuliert werden. Alle Berechnungsgrundlagen wurden im Jahr 2015 unter Einbindung von unabhängigen Experten erneut überprüft und aktualisiert. Auch in den Jahren davor soll es regelmäßige Aktualisierungen der Mauttarifrechnung gegeben haben. Die von der Wirtschaftskammer dargestellten Tarifrechnungen beruhen nach Aussage der Asfinag „auf Indizien und eigenen Modellrechnungen“. Noch heuer plant die Asfinag 1,072 Milliarden Euro zu investieren, wovon 478 Millionen Euro auf die Sanierung und 594 Millionen Euro auf Baumaßnahmen entfallen.

Mautüberschüsse in Verladestellen investieren

Vor dem Hintergrund der gestiegenen Mauteinahmen regen die ÖBB an, Mautüberschüsse von der Straße in den Ausbau der Verladestellen von Lkws auf die Schiene zu investieren und damit die Verlagerung von Gütertransporten von der Straße auf die Schiene attraktiver zu machen. Als Pilotregion für solche Projekte würde sich laut ÖBB die Brennerstrecke in Tirol bestens eignen. 

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