#DIESELZEITREISE

Das ist der erste in Österreich gebaute Dieselmotor

Im Technischen Museum Wien werden zahlreiche Schätze der Technikgeschichte ausgestellt und den Besuchern zugänglich gemacht - so auch verschiedene Motorentypen aus der Industrialisierungsphase. TRAKTUELL hat sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben und ist dabei auf den ersten in Österreich gefertigten Dieselmotor und weitere interessante Antriebe gestoßen. 

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© Technisches Museum/L.Klamert

Der erste in Österreich gebaute Dieselmotor wurde 1988/98 gebaut und ist heute im Technischen Museum in Wien zu sehen.  

Nach einer Reihe von Versuchsmotoren, die mehr oder weniger funktionierten, wurde 1897 endlich der erste betriebsfähige Dieselmotor fertiggestellt. Rudolf Diesel begann alsbald mit dem Verkauf von Lizenzen in verschiedene Länder. Im darauffolgenden Jahr wurde der erste und nun im Technischen Museum Wien ausgestellte Dieselmotor von Langen & Wolf in Wien gebaut. Zum Einsatz kam er bei der Firma Krupp in Berndorf, Niederösterreich. Naheliegend, dass Krupp ein früher Nutznießer der Erfindung Diesels war, hatte der Stahlhersteller den findigen Tüftler bei seinen Bestrebungen doch finanziell unter die Arme gegriffen. 

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Der österreichische Dieselmotor folgt dem technischen Prinzip Rudolf Diesels. Mittels Pressluft erfolgte die Einspritzung des Kraftstoffes und die Ausspülung der Abgase. Die aus Stahl gefertigten Kompressionsflaschen stehen rechts neben dem Rad, das dafür genutzt wurde, den Dieselmotor in den Leerlauf zu versetzen. 

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Durch das Lösen des Hebels wurde ein Rad in Bewegung gesetzt, dass den Dieselmotor überhaupt erst zum Laufen brachte. Das Prinzip ähnelt in Zügen dem Anlasser bei einem modernen Fahrzeug. Das gusseiserne Ungetüm verfügte über eine Leistung von etwa 14,7 kW (circa 20 PS). Die Drehzahl liegt bei 170 U/min. 

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Die zwei kleinen gläsernen Behälter an der Seite beinhalteten das Öl für die Schmierung des Kolbens. Auch hier unterscheidet sich das Prinzip nicht von heutigen Verbrennungsmotoren, die ebenfalls Motoröl zur Schmierung brauchen. 

https://youtu.be/l69Dzxq1PmI

Naphtalinmotor 

Auf den Industrie-Ausstellungen der damaligen Tage gab es noch weitere interessante Motoren, die um 1900 herum für Antrieb sorgen sollten. Einen heutzutage befremdlich wirkenden Ansatz verfolgte die Gasmotoren-Fabrik Deutz, die um 1910 herum einen Verbrennungsmotor mit Naphthalin als Treibstoff entwickelte. Einem gesundheitsschädlichen und umweltgefährlichen Stoff, der lange Zeit in Mottenkugeln eingesetzt wurde. Doch Naphthalin galt aus damaliger Sicht als geeigneter preisgünstiger Ersatztreibstoff, der die Betriebskosten senken sollte.

Ein angesichts des Ersten Weltkriegs wesentlicher Faktor. Bis 1914 sind immerhin mehr als 750 dieser Motoren verkauft worden. Naphthalin ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt bei 79 Grad Celsius. Vor der Verbrennung muss es zunächst in einen flüssigen Zustand versetzt werden. Dazu wird die Wärme der Motorabgase genutzt. Die Inbetriebnahme des Motors erfolgt mit Benzol oder Gas; sobald das Naphthalin verflüssigt ist, wird auf Naphthalin-Betrieb umgestellt.

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Naphthalinmotor (entwickelt um 1910): Dieser Motor trieb von 1914 bis etwa 1925 die Transmission der Schlackenziegelfabrik Höninger in Wien an. Von der breiten Riemenscheibe hinter dem Schwungrad wird die Bewegung der Maschine auf die Arbeitsmaschine übertragen. 

Atmosphärische Gaskraft-Maschine 

Im Jahr 1867, zwanzig Jahre bevor der erste betriebsfähige Dieselmotor seinen Dienst verrichtete, präsentierte Nicolaus August Otto auf der Pariser Weltausstellung einen atmosphärischen Gasmotor. Der Motor wurde dort sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Konzipiert war er für Handwerker, die über einen Gasanschluss verfügten und nur geringe, oftmals unterbrochene Antriebsleistungen benötigten. In den Brennraum am Fuß der Maschine wird Leuchtgas eingeführt und entzündet.

Die Explosion im Zylinder schleudert den Kolben nach oben. Nach Abkühlung der Verbrennungsgase drückt ihn der äußere Luftdruck wieder nach unten. Die Zahnstange überträgt diese Bewegung auf das Schwungrad. Sowohl Otto als auch andere Hersteller produzierten innerhalb weniger Jahre Tausende der Motoren. Erwähnt seien aber auch die Nachteile: Graskraft-Maschinen sind laut, wenn sich der Kolbenstab mithilfe des Zahnrads schnell rauf und runter bewegt und können obendrein nur geringe Leistungen erbringen. Dennoch konnten sie sich mehrere Jahrzehnte behaupten. 

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Atmosphärische Gaskraft-Maschine von Langen & Wolf (entwickelt um 1882). 

Elektromotor 

Dieser Elektromotor stammt aus den österreichischen Siemens-Schuckert-Werken, wurde 1907 gebaut, und ist bis 1974 bei der Gemeinde Wien, Psychiatrisches Krankenhaus Baumgartner-Höhe, im Einsatz gewesen. Die Maschine ist ein Schleifringläufer-Asynchronmotor mit Anlasser. Der Anlasser dient zum langsamen Anfahren des Motors, wofür zusätzliche Ohm'sche Widerstände in den Stromkreis des Läufers geschaltet werden. Die Wicklung ist in Sternschaltung ausgeführt.

Realisiert werden kann eine Spannung von 110 Volt bei einer Stromstärke von 292 Ampere und einer Leistungsrate von 44 kW (60 PS). Bereits damals war eine Drehzahl von 735 U/min möglich. Dadurch erwiesen sich Elektromotoren als ideale Antriebe für Handwerk und Gewerbe um die Jahrhundertwende herum. Da sie gegenüber Diesel- und auch Benzinmotoren leise waren - und das auch noch immer sind - vergleichsweise einfach in der Bedienung waren und sich durch Wegnahme des Stroms beliebig oft ein- und ausschalten ließen. 

Insbesondere der Drehstrommotor, konnte damals große Leistung liefern und setzte sich gegenüber anderen Motoren durch. So konnte der Motor aus den österreichischen Siemens-Schuckert-Werken stammende mithilfe des Anlassers unter Last angefahren werden. Ein Vorteil war es, dass die Stromzuführung nicht wie beim Gleichsstrommotor über einen Kollektor und Bürsten erfolgt, wodurch Funkenbildung vermieden wurde. Außerdem wurde das Material durch die wechselnde Fließrichtung des Stroms nicht so schnell abgenutzt. Der Drehstrom-Motor kann daher auch in Bereichen mit Brandgefahr eingesetzt werden. 

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Elektromotor aus den Siemens-Schuckert-Werken (1907 gebaut). 

Wassermotor für Lift 

Mit Wassermotoren dieser Art wurden um 1900 noch Nähmaschinen angetrieben. Ähnlich einer wesentlich größeren Dampfmaschine bewegt sich ein Kolben in einem Zylinder. Das Druckwasser wird dabei abwechselnd auf die beiden Seiten des Kolbens geleitet, der Zulauf ist rechts zu erkennen. Wassermotoren eigneten sich aber auch für Anwendungen mit kurzzeitigem Kraftbedarf.

Ihr Antrieb erfolgt mit Hilfe von Druckwasser der städtischen Wasserleitung. Um 1900 werden sie in mehreren Größen gebaut und trieben neben Nähmaschinen auch Bandsägen sowie Aufzüge in Stadthäusern an. Der Vorteil: Sie sind einfach zu bedienen, wartungs- und geräuscharm. Doch einen großen Nachteil hatten sie: Die Wassermengen für den Betrieb waren teuer. 

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Hersteller unbekannt (um 1900 im Einsatz).