Verkehrssicherheit

Abbiegeassistenten bei Lkw verpflichtend einführen

Wirtschaftskammer und Verbände setzen sich für die Einführung von lebensrettenden Abbiegeassistenten ein. Doch warum in Deutschland nun die Fördermittel fehlen.

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Nachdem Ende Jänner ein Kind bei einem tragischen Lkw-Unfall gestorben ist, spricht sich Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Wien, nun für verpflichtende Abbiegeassistenten aus. Im Vorjahr waren nach vorläufigen Daten Lkw an 14 tödlichen Fußgänger- und Radfahrerunfällen beteiligt, berichtet der VCÖ. „Wir können hier Menschenleben retten“, betont Sertic. „Ein solcher Assistent schützt Fußgänger, im Besonderen Kinder, und bewahrt gleichzeitig auch Lkw-Fahrer vor traumatisierenden Unfällen.“

„Jeder Unfall ist einer zu viel", legt Sertic nach. "Die verpflichtende Nachrüstung muss jetzt umgesetzt werden. Dadurch sollen weitere Tragödien verhindert werden. "Gleichzeitig muss eine Förderung für die Unternehmer für diese Nachrüstung eingeführt werden.“ Man werde diese Position auch in den nächsten Gesprächen mit dem BMVIT und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) vertreten. Sertic: „Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Minister eine gute Lösung finden.“ 

Die Wirtschaftskammer Wien setzt außerdem auf Aufklärung. "Bei unseren seit 2017 laufenden Projekttagen zum Toten Winkel wurden bereits mehr als 1.000 Volksschulkinder geschult", so Davor Sertic. " Klar ist trotzdem: Die Verantwortung darf nicht bei den Kindern liegen. Alle Lenker der Autobus- und Transportbranche durchlaufen darum neben zahlreichen internen Ausbildungsmaßnahmen auch alle fünf Jahre eine gesetzliche Weiterbildung. Damit garantieren wir fachliches Know-how auf dem letzten Stand. Jetzt muss auch die Technik nachziehen", so die Forderung. 

Nicht jeder Lastkraftwagen gleich 

Die EU-Verkehrsminister haben zuletzt Änderungen beschlossen, die aber erst für neue Lkw ab dem Jahr 2027 gelten. „Es ist einfach  unverständlich, dass auch die nächsten acht Jahre neue Lkw auf die Straßen kommen, die für die schwächsten Verkehrsteilnehmer ein großes Sicherheitsrisiko sind“, fordert VCÖ-Experte Gansterer eine raschere Einführung der verbesserten Sicherheitsbestimmungen.

In den Städten und Gemeinden sind Maßnahmen nötig, um Ablenkungen zu verhindern. So sind in Kreuzungsbereichen Werbetafeln zu entfernen. Vor einem Schutzweg sind die Halte- und Parkverbote endlich von fünf auf zehn Meter auszuweiten, um die Sicht auf Fußgänger zu verbessern. „Gerade in den Städten und Gemeinden brauchen wir ein fehlertolerantes Verkehrssystem. Ein menschlicher Fehler darf nicht zu fatalen Folgen führen“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Geringere Geschwindigkeiten und erhöhte Aufmerksamkeit sind dafür wichtig.

Der VCÖ weist aber darauf hin, dass es zwischen Lkw-Modellen sehr große Unterschiede gibt. Während manche Lkw tote Winkel von bis zu 1,9 Meter haben, weisen andere Lkw-Modelle fast keine uneinsehbaren Stellen auf. Es gibt bereits Lkw-Modelle, die ihrem Fahrer einen sicheren Rundumblick ermöglichen.

Deutschland: mehr finanzielle Mittel notwendig

Für eine Aufstockung der Fördermittel für Abbiegeassistenten spricht sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat aus. Die Mittel, mit denen das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) den Einbau und die Nachrüstung von Abbiegeassistenten in Nutzfahrzeuge, Lkw und Busse fördert, sind für 2019 bereits erschöpft. Das Programm (AAS) startete erst in der vergangenen Woche, am 21. Januar 2019. 

„Für die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern ist die große Nachfrage nach den Fördermitteln eine tolle Neuigkeit", sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). Um sie weiter zu erhöhen sei es jedoch notwendig, schnell zusätzliche Fördermittel freizugeben und damit 2019 die Nachrüstung von noch mehr Fahrzeugen zu fördern. „Ziel muss es sein, so viele Lkw, Busse und Nutzfahrzeuge wie möglich mit Abbiegeassistenzsystemen auszurüsten." Je höher die Durchdringung mit Abbiegeassistenten, desto sicherer seien der Rad- und Fußverkehr, so Kellner.

Das Förderprogramm knüpft an die „Aktion Abbiegeassistent" an, die der deutsche Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im vergangenen Jahr gestartet hatte. Der Bundesrat hatte zuvor in einer Entschließung an die Bundesregierung appelliert, Investitionen in solche Assistenzsysteme durch spezielle Förderprogramme zu unterstützen, bevor die Systeme in der EU zur Pflicht werden.

Mit fünf Millionen Euro pro Jahr soll die freiwillige Nachrüstung von Nutzfahrzeugen ab 3,5 Tonnen bis zum Jahr 2024 gefördert werden. Beantragt werden konnte die Förderung erstmals am 21. Januar 2019. Bereits nach vier Tagen waren die Fördermittel für 2019 erschöpft. Das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) schloss daraufhin das Antragsportal des Förderprogramms.

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