Wirtschaft

Zeitung: MAN-Werk in Steyr "wohl nicht mehr zu retten"

Das kommende Jahr wird für Lkw-Bauer MAN wohl nicht leichter werden. Laut einem Online-Artikel stelle sich das Unternehmen auf ein schwieriges Jahr ein. Das Werk in Steyr "wohl nicht mehr zu retten", heißt es pessimistisch darin. Doch Arbeiter-Betriebsratschef Erich Schwarz kämpft unermüdlich für eine brauchbare Lösung in Steyr.

Gegenüber "Merkur.de" hat der Chef des Münchner Lkw-Bauers MAN, Andreas Tostmann, etwaige Hoffnungen auf die von einer Schließung beziehungsweise Teilverlagerung der bedrohten Standorte in Steyr und Salzgitter (Niedersachsen) gedämpft. Aufgrund der fehlenden "Profitabilität", erklärte Tostmann auf einer virtuellen Betriebsversammlung am Freitagvormittag laut Teilnehmern. Das Unternehmen reagiert mit dem Abbau von 9.500 Stellen in Österreich und Deutschland. 

Arbeiter-Betriebsratschef gibt nicht auf 

„Steyr wird wohl nicht mehr zu retten sein“, soll ein MAN-Mitarbeiter nach der Veranstaltung gegenüber "Merkur.de" gesagt haben. Damit stehen die Karten auf eine Einigung zwischen der Belegschaftsvertretung und dem MAN-Management leider schlecht. Doch Arbeiter-Betriebsratschef Erich Schwarz in Steyr gibt keinesfalls auf. Nun wandert die Angelegenheit "eine Etage höher", nämlich zum Management der börsennotierten Konzernmutter Traton. Das berichtete Schwarz gegenüber der Nachrichtenagentur APA nach der konzernweiten Betriebsversammlung am Freitag. 

Verlagerung ins billige Ausland wird nicht gebilligt

Die Verhandlungen mit dem MAN-Management hatte der Konzernbetriebsrat vorige Woche ausgesetzt. Schwarz verlangt die gemeinsame Ausarbeitung eines Konzepts - ohne Werksschließungen - mit der Unternehmensführung. In einer virtuellen Betriebsversammlung wurden am Freitag die Mitarbeiter darüber und über mögliche weitere Schritte informiert. Es sei allen Beschäftigten möglich gewesen, via Livestream dabei zu sein, schilderte Schwarz, auch in den Produktionshallen sei die Übertragung auf Monitoren zu verfolgen gewesen. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende habe bei der Versammlung klargestellt, dass man die Schließung dreier Standorte und die Verlegung der Arbeitsplätze ins billige Ausland nicht mittragen werde, berichtete Schwarz der APA.

MAN-Management zu weiteren Gesprächen bereit 

Betriebsrat und Gewerkschaft würden alles in ihrer Macht stehende daran setzen, um das zu verhindern. Der Standort in Steyr ist dem geplanten Abbau von 2.300 Beschäftigten besonders betroffen von den Plänen des Lkw-Bauers. Das Management habe am Freitag signalisiert, dass man "einen gemeinsamen Weg gehen" wolle und gesprächsbereit sei, zeigte sich Schwarz vorsichtig optimistisch. Bei der Betriebsversammlung stellte auch die Belegschaftsvertretung eine Weiterführung der Verhandlungen in Aussicht, allerdings "eine Etage höher", so Schwarz.

Man will also statt mit der MAN-Geschäftsführung mit jener der Mutter Traton sprechen. Vergangenen Freitag, sei eine Aufsichtsratssitzung bei der Traton SE über die Bühen gegangen, danach werden Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite erwartet. Als letzte Eskalationsstufe wäre dann noch eine Verlagerung der Gespräche auf die Ebene des VW-Vorstands möglich. Was die in Steyr vom Management bereits gekündigten Standortverträge angeht, so habe man eine Expertise vorliegen, wonach diese einklagbar seien, berichtete Schwarz.

Deutsche Lkw-Abwrackprämie ein positives Zeichen

Sollte sich bis Ende des Jahres nichts bewegen, werde man hier aktiv werden. Ziel sei aber nach wie vor eine Einigung am Grünen Tisch, denn dabei gebe es meist "zwei Gewinner", so Schwarz. Als Druckmittel hat man auch den bereits gefassten Beschluss möglicher gewerkschaftlicher Maßnahmen in der Hinterhand. Ähnlich wie bereits MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris begrüßte auch Schwarz die von der deutschen Regierung beschlossene Abwrackprämie für Lastwagen als gut für die Branche. Er würden vermutlich weniger Menschen arbeitslos, meinte er. Auf den Standort Steyr werde es aber wohl eher keine Auswirkungen haben, denn die abgasärmeren Lkw, die man dann vermehrt abzusetzen hofft, könne man auch in Polen produzieren. (Red./Merkur.de/APA)