Trailer

Wenn der Trailer autonom wird: Drei Fragen an BPW

BPW Bergische Achsen ist bekannt für komplette Trailer, Fahrwerksysteme für Lkw-Anhänger und Sattelauflieger. In einem Forschungskonsortium sammelt das Unternehmen nun neue Erkenntnisse über "autonome" Trailer. Traktuell hat in einem Interview nachgefragt.

Gemeinsam mit Projektpartnern wie Fraunhofer und der Uni Leibniz arbeitet BPW Bergische Achsen an dem Forschungsprojekt IdenT. Hierbei soll der Grundstein für die komplette Autonomie von Sattelzügen gelegt werden: Das bedeutet im Klartext auch die Berücksichtigung des Trailers. 

TRAKTUELL: Der Lastwagen wird nicht nur aerodynamischer, er soll in Zukunft auch selbstfahrend auf den Straßen unterwegs sein. Doch wie kann ein Trailer "autonom" werden?

BPW: Bislang stand beim Thema autonomes Fahren in der Regel die Zugmaschine im Mittelpunkt, der Trailer wurde kaum berücksichtigt. Soll ein Trailer in Zukunft von einer selbstfahrenden Zugmaschine bewegt werden, muss er in der Lage sein, umfassende Informationen zu seinem Zustand zu erfassen und die Daten an die Zugmaschine weiterzuleiten. Heute kontrolliert der Fahrer den Zustand des Trailers, zukünftig muss der Anhänger das „autonom“ leisten – die Grundvoraussetzung für autonomes Fahren von Sattelzügen. Schäden an Reifen, Bremsen, Fahrwerk, Beleuchtung, Aufbau und Ladung müssen zuverlässig und frühzeitig erkannt werden, um ungeplante Ausfälle und die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer zu vermeiden.

Idealerweise gibt der Trailer also Auskunft über Verschleißteile und alle funktions- und sicherheitsrelevanten Komponenten. Zusätzlich kann sich die Thematik Autonomie noch auf einen weiteren Bereich auswirken, nämlich auf das Be- und Entladen. Hier kann der Trailer, auf dem das Ladegut transportiert wird, die beladenden und entladenden Systeme unterstützen. Das können beispielsweise Informationen sein, wie: Ist die richtige Ware auf dem richtigen Trailer? Wo genau ist die Position der Ware auf der Ladefläche? Ist die Ware gesichert? Es können aber auch dynamische Informationen sein, wie etwa der gerade noch freie Laderaum für potenzielle Zwischenstopps.

2. Das Forschungsprojekt, bei dem BPW federführend ist, wurde erst im Februar 2020 gestartet. Konnten bereits erste Erkenntnisse gewonnen werden, die für sie als Trailer-Hersteller interessant sind?

BPW: Wir entwickeln und produzieren komplette Fahrwerksysteme für Lkw-Anhänger und -Auflieger – dementsprechend beschäftigt uns der autonome Transport besonders in der aktuellen Zeit. Deshalb sind wir dankbar, dass das Bundeswirtschaftsministerium für Wirtschaft und Energie das auf drei Jahre angesetzte Forschungsprojekt fördert, das die Voraussetzungen für den autonom nutzbaren Trailer untersucht. Wir leiten das Konsortium und arbeiten mit wissenschaftlichen Instituten, Sensorik- und IT-Spezialisten, Logistikern und Fahrzeugbauern zusammen.

Im ersten Projekt-Halbjahr haben wir uns sehr strukturiert und methodisch mit Funktionen und Komponenten des autonomen Fahrens eines Trailers befasst. Darauf aufbauend wurden im Projekt-Konsortium gemeinsam Lösungsansätze zur Generierung der in Zukunft benötigten aber heute noch nicht verfügbaren Informationen erarbeitet. Zahlreiche Experten mit verschiedenen Perspektiven brachten dabei viele innovative Ideen hervor. Bei der anschließenden Bewertung der Ideen konnten wir unsere Erfahrung als Mobilitätspartner für Fahrzeugbetreiber und Systempartner für Fahrzeughersteller einbringen und so praxistaugliche Lösungen entwickeln und wertvolle Erkenntnisse gewinnen.

3. Welcher Bereich dieses Forschungsprojekts ist für BPW besonders interessant, wichtig beziehungsweise zukunftsweisend für die Entwicklung von neuen Produkten?

BPW: Unser Ziel ist es, das im Rahmen des Projekts entwickelte "IdenT"-System (Identifikation dynamik- und sicherheitsrelevanter Trailerzustände für automatisiert fahrende Lastkraftwagen; Anm. d. Red.), am Markt anzubieten. In unserer Rolle des Systemintegrators möchten wir einerseits allen beteiligten Partnern das uneingeschränkte Forschen an diesem spannenden Thema ermöglichen, um auch dem wissenschaftlichen Anspruch des Projekts gerecht zu werden.

Andererseits ist es uns ein Anliegen, die Projektergebnisse in praxis- und markttaugliche Lösungen zu überführen. Um diese beiden Ziele zusammen zu bringen, stellen wir seit Projektbeginn ein Versuchsfahrzeug zur Verfügung, an dem Lösungsansätze jederzeit unter realistischen Bedingungen getestet werden können. Diesen Ansatz der kundenzentrierten Entwicklung haben wir auch bei anderen neuen Produkten bereits erfolgreich angewandt.