Coronakrise

Weniger Luftverschmutzung und Bodenunruhe

Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus führen zu einem geringeren Ausstoß von Schadstoffen, beispielsweise durch weniger Verkehr. Und sogar die Erdoberfläche hat sich beruhigt.

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Die Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung des Coronavirus führen uns den Einfluss menschlichen Wirtschaftens auf die Luftverschmutzung besonders deutlich vor Augen. So haben Auswertungen des Umweltbundesamts einen Rückgang der Schadstoffbelastung an verkehrsnahen und städtischen Messstationen gezeigt. Der Eintrag von Stickoxyden hat im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen seit Beginn der harten Corona-Maßnahmen deutlich abgenommen.

Ein weiteres interessantes Phänomen: auch die Erdoberfläche hat sich beruhigt. Denn fahrende Autos und Lkw verursachen nicht nur Lärm und emittieren Schadstoffe, sie bringen auch die Erdoberfläche in Schwingung. Die Messinstrumente arbeiten so genau, dass sie diese Bodenunruhe als seismisches Hintergrundrauschen detektieren. Üblicherweise ist tagsüber ein Anstieg der Bodenunruhe messbar, nachts und am Wochenende flaut diese generell ab. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik berichtet, dass das seismische Grundrauschen nach Einsetzen der Maßnahmen zur Coronabekämpfung auf das sonst am Wochenende übliche Niveau abgesunken ist.

© Umweltbundesamt

NO2-Messwerte seit Beginn der Corona-Maßnahmen im Vergleich zu den Vorjahren

Verwunderlich daran ist eigentlich nur die Genauigkeit der seismischen Messinstrumente, denn dass der Verkehr seit Mitte März deutlich zurückgegangen ist, ist offensichtlich. „Tatsache ist, dass durch die umfassenden Sicherheitsmaßnahmen der Regierung der Pkw-Verkehr, den wir an den Mautstellen registrieren, teilweise um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist. Der Lkw-Verkehr ist teilweise bis 30 Prozent weniger geworden“, berichtet uns Asfinag-Pressesprecher Alexander Holzedl.

© zamg.ac.at

Deutliche Abnahme der seismischen Bodenunruhe aus der Registrierung an der Erdbebenstation in Admont (Steiermark)

Diese Beobachtungen decken sich auch mit den Transaktionen an der Frachtenbörse TimoCom. „Trotz steigender Transporte im Lebensmittelbereich sind die Frachtmengen von Mitte bis Ende März europaweit um mehr als zwei Drittel zurückgegangen“, berichtet Tilman Fecke, Business Analyst bei TimoCom. „Eine vergleichbare Entwicklung hat es so vor Ostern noch nicht gegeben.“ Kurz zuvor sei es noch zu einem regelrechten Frachtboom gekommen, denn viele Unternehmen hätten mit Aussicht auf Grenzschließungen und andere Beschränkungen im Zeichen von Corona Bestellungen vorgezogen. Mit dem europaweiten Lockdown sei dann auch die Nachfrage nach Laderaum eingebrochen. „Wir beobachten, dass Transportunternehmen Teile ihrer Fahrzeugflotte mangels Auslastung vorübergehend vom Markt nehmen“, stellt Timocom-Unternehmenssprecher Gunnar Gburek fest. Dennoch gibt sich Gburek vorsichtig zuversichtlich: „Zurzeit zeichnen sich beim Frachtangebot leichte Aufwärtstendenzen ab. Wie sich die Transportwirtschaft im Zeichen der Corona-Pandemie weiterentwickelt, wird sich allerdings erst im zweiten Quartal zeigen.“

© TimoCom