Interview

So steuert Schneckenreither durch die Coronakrise

Wolfgang Schneckenreither, Geschäftsführer der zur Schneckenreither-Gruppe gehörenden Zeller-Transporte Ges.m.b.H, im Dialog.

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Wolfgang Schneckenreither, Geschäftsführer Zeller-Transporte Ges.m.b.H

TRAKTUELL: Der Name „Schneckenreither“ ist wohl jedem in der österreichischen Transportbranche ein Begriff. Vielleicht können Sie für uns dennoch ein paar Eckdaten zusammenfassen. In beziehungsweise für welche Branchen sind Sie vorwiegend tätig und wie sieht Ihre Unternehmensstruktur aus? Wie viele Fahrzeuge befinden sich im Eigenfuhrpark sowie in den Fuhrparks verbundener Unternehmen?

WOLFGANG SCHNECKENREITHER: Unser Unternehmen wurde 1960 von unserem Vater Alfred Schneckenreither sen., welcher im Dezember 2018 im 92. Lebensjahr verstorben ist, gegründet. Zuerst als Transportunternehmen im Baustellenverkehr tätig, dann im Fernverkehr und gemeinsam mit unserer Mutter wurde Anfang der 70er Jahre die Spedition aufgebaut. Seit gut drei Jahrzehnten führen mein Bruder Alfred und meine Wenigkeit das Unternehmen in zweiter Generation, mit mittlerweile über 500 Mitarbeitern, an zehn Standorten in Österreich und drei Tochterfirmen im angrenzenden Ausland, nämlich Tschechien, Slowakei und Ungarn. Im Logistikbereich decken wir speditionelle Dienstleistungen, wie Sammelgutverkehre, Logistikservice von herkömmlicher Lagerung und Kommissionierung bis zur detaillierten Reifenlogistik, Lebensmittellogistik und einem eigenen Tiefkühllager, ab, auch Verzollungen werden wieder vermehrt abgewickelt. Im Transportbereich haben wir etwa 150 eigene Lkw, die meisten unter Zeller-Transporte, im Einsatz. 

Wie haben sich die Coronakrise und die Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung und der Regierungen anderer Länder wirtschaftlich auf die unterschiedlichen Teilbereiche ihres Unternehmens ausgewirkt? Wie haben Sie darauf reagiert und welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen? 

Die Coronakrise hat uns, wie die ganze Wirtschaft, schwer getroffen. Je nach Branche mehr oder weniger, jedenfalls mit teils großen Umsatzrückgängen bis hin zu Zahlungsausfällen. Die raschen Maßnahmen der Bundesregierung, insbesondere die Möglichkeit zur Kurzarbeit, welche in unserer Unternehmensgruppe größtenteils angenommen wurde, haben die Unsicherheiten begrenzt und den sonst notwendigen Personalabbau verhindert. In den anderen Ländern sind keine derartigen Maßnahmen getroffen worden. Aber auch andere Maßnahmen, wie das Aussetzen des Wochenendfahrverbotes und die Ausnahmen für Lenkund Ruhezeiten, haben unser Arbeiten erleichtert. Leider mussten wir einen Teil des Eigenfuhrparks mangels Aufträgen abstellen, doch wurden die Mitarbeiter sofort informiert, um Unsicherheiten bezüglich der Arbeitsplätze vorzubeugen.

Vor allem der Fahrermangel hat schon vorher vielen Frachtunternehmen Sorge bereitet. Lkw-Fahrer kommen nicht selten aus dem Ausland. Dabei haben widersprüchliche Meldungen und wechselnde Bestimmungen für Berufspendler im Grenzverkehr für einige Verunsicherung bei Unternehmern und Mitarbeitern gesorgt. Wieweit waren Sie von dieser Entwicklung betroffen? Gibt es Lehren, die man nun daraus ziehen kann, wie beispielsweise wieder mehr in die eigene Ausbildung von Fahrern zu investieren? 

Bei unserem österreichischen Transportunternehmen werden vorwiegend Österreicher und deutsche Staatsbürger beschäftigt. Insofern hatten wir diesbezüglich keine Probleme. Anders war es bei unserer slowakischen Transportfirma: Obwohl der Warenverkehr explizit erlaubt war, gab es Unsicherheiten an der österreichisch-slowakischen Grenze, ob die Fahrer ein Quarantäne-Risiko haben würden. Mittlerweile gibt es wieder einige Bewerbungen von Lkw-Fahrern. 

© Schneckenreither

Das Hochfahren der Wirtschaft ist begleitet von zahlreichen rechtlichen Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit Covid-19. Welche Vorkehrungen müssen Sie im Unternehmen treffen und welche Auswirkungen haben diese im Betrieb? 

Nachdem bei uns der tägliche Betrieb nur quantitativ eingeschränkt war, gelten für uns von Beginn an die allgemeinen Vorschriften, wie Distanz halten, Maskenpflicht, öfters Hände waschen bis hin zur Schutzbrillentragepflicht für Fahrer in bestimmten Zonen. Anstelle von Dienstreisen zu Niederlassungen oder Kunden wird vermehrt die Möglichkeit der Videokonferenz genutzt, anfangs eine Umstellung, mittlerweile Routine. Homeoffice wurde dort angenommen, wo es möglich und notwendig war, bei Lkw-Fahrern möglichkeitsbedingt natürlich nicht. 

Als Beobachter hat man das Gefühl, dass die aktuelle Flut an Maßnahmen in ihrem Ausmaß als auch in der Ausgestaltung einzelner Regelungen teilweise skurrile Formen annimmt. Hinzu kommt eine gewisse Spontanität: Eine Pressekonferenz jagt die nächste, fast täglich werden neue Verordnungen erlassen. Blickt man als Unternehmer da überhaupt noch durch? 

Mittlerweile haben wir uns an das Tempo der Maßnahmenflut gewöhnt, doch war dies, insbesondere anfangs, situationsbedingt gerechtfertigt. Weder die Regierung noch wir Verantwortlichen in der Wirtschaft hatten einen Masterplan für eine so blitzartig eintretende Pandemie, doch gerade in so einer Situation ist es wichtig, Sicherheit zu vermitteln, aber auch so flexibel zu sein, um sich den geänderten Anforderungen und Umständen anzupassen. 

Es gab vereinzelt Berichte von Lkw, die an unterschiedlichen Grenzen festgesetzt wurden oder deren Ladung man konfisziert hat. Laut Länderinformation des Außenwirtschaftsservice gab es zum Teil auch haarsträubende Bestimmungen, wie eine 14-tägige Quarantäne im Fahrerhaus für den Lenker an der Entladestelle in Ungarn, sofern er zuvor in Italien gewesen war. Was ist die absurdeste Coronageschichte in Ihrem Unternehmen?

Von derartigen Ereignissen blieben wir zum Glück verschont. Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiter, welche diese schwierige Zeit mit uns gemeistert haben, und sagen DANKE an unsere Kunden, aber auch an die Behörden, mit welchen wir zum Coronathema permanent im Dialog waren und noch sind, für die Unterstützung und Geduld in dieser herausfordernden Phase unseres Unternehmerdaseins. Als absurde Coronageschichte fällt mir ein, dass zwei Lkw, einer in Frankreich und einer in Norwegen, beim Empfänger nicht entladen wurden und unverrichteter Dinge wieder nach Österreich zurückfahren mussten, weil die Ware aus Österreich stammt und eine Ansteckungsgefahr bestünde. 

Was ist ihr Fazit zur bisherigen Arbeit der Regierung angesichts der Coronakrise? Gibt es Forderungen oder Wünsche an die Verantwortlichen in diesem Zusammenhang? Und fürchten Sie sich vor einer zweiten Erkrankungswelle?

Schlussendlich hat die Regierung bis dato eine gute Arbeit geleistet, doch könnten einige Maßnahmen schneller und effizienter gestaltet werden. Insbesondere bei der Kurzarbeit ist der Aufwand, um zu einer vernünftigen Abrechnung zu kommen, enorm und vermutlich wurden keine praxisnahen Lohnverrechner bei der Ausarbeitung involviert, welche nun ihre Sorgen damit haben. Auch würde ich mir wünschen, dass der Lkw nun als absolut notwendiges und flexibles Verkehrsmittel Anerkennung findet, auch auf politischer Ebene, und gewisse sinnlose Restriktionen, wie beispielsweise der Nacht-60er, in Zeiten von modernen leisen Motoren und Lärmschutzwänden abgeschafft werden. Ob eine zweite Erkrankungswelle kommt, liegt wohl einerseits am Verhalten der (Welt-)Bevölkerung beziehungsweise andererseits daran, wie schnell ein Impfstoff entwickelt wird. Wichtig ist, dass wir aus Erfahrungen lernen.