Letzte Meile

E-Bikes: Mit Pedalen zum Kunden

Hauszustellungen boomen – und von einem Negativtrend ist auch nicht auszugehen. Die Corona-Krise intensiviert den Wunsch, Waren bequem und sicher nach Hause geliefert zu bekommen. Doch der Stadtverkehr macht es Zustellern nicht gerade einfach: Akuter Parkplatzmangel und Stau sind nur zwei Schlagwörter. Abhilfe können elektrisch betriebene Lastenräder, sogenannte Pedelecs, schaffen.

Für Lastenräder gibt es in Deutschland und Österreich nicht nur eine Lastenrad Förderung, sie bieten auch den Vorteil, dass sie mit dem Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative in Einklang stehen und von etwaigen innerstädtischen Fahrverboten nicht betroffen sind. In Städten wie Hamburg oder Amsterdam, wo für gewöhnlich viel Wegstrecke mit Fahrrädern zurückgelegt wird, sind Lastenfahrräder mit Containerboxen nicht mehr aus dem Straßenbild wegzudenken und stellen eine Alternative zum Auto dar. Besonders eignen sich Lastenräder für die Letzte Meile.Aber auch andere Städte ziehen nach. Und wer hat eigentlich noch kein UPS Lastenrad oder DHL Lastenrad, die sogenannten DHL Cubicycles, gesehen?

© EAV

Natürlich liegen auch die vermeintlichen Nachteile auf der Hand: Lastenradler müssen wetterfest sein und dürfen körperliche Betätigung nicht scheuen. Andererseits lässt die Akku-Unterstützung von elektrisch betriebenen Pedelecs die Strecke bis zur Haustüre bereits wesentlich komfortabler absolvieren. Der E-Motor sorgt für Geschwindigkeit und zusätzlichen Antrieb, wenn es mal steiler wird. Es lässt sich sagen, dass sich das Pedelec gar nicht so stark vom Fahrgefühl eines normalen Fahrrades unterscheidet. Etwas Übung ist aber zunächst sinnvoll, um sich den neuen Bedingungen anzupassen.   

Während konventionelle E-Bikes bis mindestens 150 Kilogramm belastbar sind, müssen die Konstruktionen von Cargobikes für mehr Gewicht ausgelegt sein. Dass es zwei interessante Konzepte gibt, zeigen diese zwei Lastenrad Hersteller: das englische Start-up „EAV“ – nein hier ist nicht die österreichische Band gemeint, sondern „Electric Assisted Vehicles“ – und die Firma „Ari Motors“ aus Borna bei Leipzig. 

Ein Transporter mit Pedalen

EAV hat im vergangenen Jahr unter dem Namen „EAVan“ ein überdachtes, vierrädriges Lieferfahrzeug mit Pedelec-Antrieb vorgestellt. Nun präsentiert das noch junge Unternehmen bereits ein zweites, überarbeitetes Modell: den „2Cubed“ mit einem auf zwei Kubikmeter angewachsenen Ladevolumen. 

Es basiert laut EAV auf einer neuen Plattform, die als Basis für weitere Fortbewegungsmittel dienen wird. Der neue 2Cubed stößt in die Lücke zwischen traditionellen Lastenfahrrädern und Transportern, „sei jedoch eher von der Seite des Transporters her gedacht“, äußern die Briten. Das 2018 gegründete Startup EAV bezeichnet sich selbst als „Mikromobilitätsfirma“.

Mit der zweiten Plattform will der Hersteller die Serienfertigung in Gang bringen. Gefertigt wird der 2Cubed nach dessen Angaben in einer firmeneigenen Fertigungsstätte in Upper Heyford, nahe Oxford. Mehrere Kundenerprobungen laufen bereits in Europa und Nordamerika beziehungsweise stehen kurz vor dem Start. Außerdem deutete EAV Gespräche zu einem „größeren internationalen Vertriebsabkommen“ an.

Erfahrungswerte gesammelt

Technische Daten geben die Briten noch nicht Preis. Mit dem Lastenrad transportieren lassen sich nach derzeitigem Stand 150 Kilogramm – exklusive des Fahrers –, wobei oben in Kürze ein neues Rad- und Reifenpaket für eine höhere Tragfähigkeit sorgen soll. Ansonsten sei in das neue Pedelec das gesamte Feedback zum EAVan eingeflossen, denn die erste Generation sei zu komplex für die Serienfertigung gewesen, äußert Adam Barmby, CEO und Gründer der EAV.

Auffälligste Neuerung zum Vorgänger ist der Lastenrad Rahmen. Die zweite Generation wird nun auf ein Fahrgestell mit separatem Aufbau bauen. In der Cargo-Version besteht letzterer aus besagter Zwei-Kubikmeter-Box, geplant sind aber auch andere Aufbauten. EAV macht zum Antrieb der 2Cubed noch keine genauen Angaben.

https://youtu.be/47st-V7Ilpk

Aus diesem Grund blicken wir kurz auf die Leitungsangaben des EAVan, an welchem sich das neue Modell orientiert: Der EAVan kann mit einem kleinen Daumen-Gashebel, ähnlich jenen an den E-Tretrollern, selbstständig auf bis zu fünf Stundenkilometer beschleunigen. Danach muss der Fahrer in die Pedale treten, wo er bis Tempo 25 vom E-Motor unterstützt wird.

Im Freilauf soll der Antrieb sogar Strom in die Batterie rekuperieren können. Die Reichweite gibt EAV mit bis zu 96 Kilometern an, wenn die optionalen Batterien auf dem Dach bestellt werden – ansonsten sind es 48 Kilometer.

Know-how aus Leipzig

Die Firma Ari Motors aus Borna bei Leipzig hat das dreirädrige Elektro-Nutzfahrzeug „Ari 345“ vorgestellt. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen bereits den kleinen E-Transporter Ari 458 auf den Markt gebracht.

Das Unternehmen sieht ihr neues Modell als Nachfahre des legendären Piaggio Ape und soll die Zuladung und Ausstattung eines "Transporters" bieten. Das Lastenmoped kann bereits mit einem Moped-Führerschein gefahren werden, verspricht der Hersteller. Der Ari 345 soll mit Pritsche und Koffer in je drei Laderaum-Größen auf den Markt kommen.

© Ari Motors

Die Ladelänge beträgt maximal 1,55 Meter, das Transportvolumen bei bis zu 1,8 Kubikmetern, die Zuladung bei 325 Kilogramm. Angetrieben wird das Dreirad von einem drei Kilowatt starken E-Motor. Die Reichweite beträgt 55 Kilometer, mit einem extra erhältlichen zweiten Akku sollen es laut Ari Motors 100 Kilometer sein.

Wie auch schon beim Ari 458 kann eine Solaranlage auf dem Dach installiert werden, die bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite bieten soll. Die Ladezeit beträgt bis zu sechs Stunden an einer Haushaltssteckdose. Der Ari 345 kann maximal Tempo 45 fahren. Da die halboffene Fahrerkabine überdacht ist und einen Drei-Punkt-Gurt bietet, besteht keine Helmpflicht.

© Ari Motors