Werkstatt : Wie lange hält eine Gelenkwelle?

Bis zum Tausch durch Gelenkwellenspezialisten erreichen Gelenkwellen im Fernverkehr heutzutage bis zu einer Million Kilometer Laufleistung.

Bis zum Tausch durch Gelenkwellenspezialisten erreichen Gelenkwellen im Fernverkehr heutzutage bis zu einer Million Kilometer Laufleistung.

- © Adobe Stock

Solange der Lkw rollt, wird die Gelenkwelle kaum wahrgenommen. Das liegt auch an ihrer mittlerweile sehr hohen Lebensdauer. War früher regelmäßiges Abschmieren notwendig, was in der Praxis mitunter nicht beachtet wurde, haben moderne Dichtungssysteme die Lebensdauer der Kreuzgelenke deutlich erhöht. Im Fernverkehr erreichen Gelenkwellen heutzutage bis zu einer Million Kilometer Laufleistung, bevor sie reif für die Überholung durch den Gelenkwellenspezialisten sind. „Egal ob sich der Kunde für eine komplette Welle oder die Aufarbeitung entscheidet. Die Gelenkwellen und Komponenten der Marke EDS – ALL DRIVESHAFT liefern kompromisslose Qualität für einen leistungsstarken Antriebsstrang“, so Robert Sanchez, technischer Leiter der Welte Group. Maßgeblich für die Steigerung der Laufleistung sind die verbesserten Abdichtungen der Lagerbuchsen, die auf den Zapfen der Kreuzgelenke sitzen. Durch die Entwicklung von einfachen Gummitüllen hin zu Doppel- und Dreifachdichtlösungen mit speziellen Staubkappen wird gleichermaßen der Schmierstoffaustritt sowie das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit in das Lager verhindert. Somit ist bei den meisten Gelenkwellen im On-Road-Bereich ein Abschmieren nicht mehr notwendig. „Die Entwicklung hin zu mit Spezialfetten gefüllten „service-free“ Gelenkwellen wurde durch die Anzahl an Schäden, die auf Wartungsmängel zurückzuführen waren, begünstigt,“ so Sanchez. Weiter führt der Experte aus: „Heute sind abschmierbare Wellen im On-Road-Bereich praktisch nicht mehr existent.“

Omni- und Reisebusse

Auch Busse stellen ganz besondere Anforderungen an die Gelenkwelle. Zwar sind sie im reinen On-Road- oder Highway-Betrieb unterwegs, jedoch bringt die Anpassung an den Personentransport besondere Herausforderungen mit sich. So sorgt die akustische und thermische Isolierung, die die Insassen vor Abwärme und Lärm von Motor und Getriebe schützt, für erhöhte Temperaturen im Antriebsstrang. Während dies bei den aktiv gekühlten Komponenten durch größere Kühler leicht kompensiert werden kann, führt die zusätzliche Wärmebelastung dazu, dass Dichtungen der Kreuzgelenke und des Längenausgleichs vorzeitig verspröden. So kommt es zu Schmierstoffaustritt, Gelenke und Verzahnung laufen trocken und verschleißen deutlich schneller als in einem Lkw-Chassis offener Bauart, trotz Sonderfetten ab Werk.

Off-Road-Anwendungen

Anders sieht es hingegen im Off-Highway und Offroad-Bereich aus: Zum einen ist der Antriebsstrang hier sehr starken, ungleichmäßigen Belastungen wie dem Anfahren unter Höchstlast im Gelände ausgesetzt, zum anderen erhöhen starke Wankbewegungen der Achsen und damit große Winkeländerungen, die Belastung, die Längenausgleich und Zapfenkreuzgelenke ausgleichen müssen. Aber auch die raue Umgebung mit viel Schmutz, Schlamm und mit viel Schmutz, Schlamm und Feuchtigkeit belastet Dichtungen und Lager zusätzlich.

Teilweise abschmierbar

Ein weiterer Unterschied, gerade im Offroad-Bereich, ist die Tatsache, dass bei Bau- und Agrarmaschinen weiterhin Gelenk-wellen zum Einsatz kommen, die abschmierbar sind. Hier sollten Betreiber oder Werkstätten etwa einmal im Monat zur Fettpresse greifen und die Zapfenkreuze mit hochwertigem, lithiumverseiftem Schmierfett nach KP-2-Norm nachschmieren, um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten. Hintergrund ist, dass durch Temperaturwechsel in der Lagerbuchse physikalischer Unterdruck entstehen kann. Dieser kann Wasser sowie Schmutzpartikel regelrecht in das Lager einsaugen. Eine regelmäßige Nachschmierung hilft dabei, eingedrungene Verunreinigungen auszuspülen und die Lagerstellen zuverlässig zu schützen.