eFuels : Warum die Diskussion um eFuels wieder an Fahrt aufnimmt

Das keine tatsächliche Abkehr vom "Zero-Emission-Ansatz" erkennbar ist, steht in der Kritik.

Das keine tatsächliche Abkehr vom "Zero-Emission-Ansatz" erkennbar ist, steht in der Kritik.

- © Mit KI erstellt

Für Europas Industrie-Zukunft fordern Experten Kurskorrektur bei der EU-Autopolitik. Die Vorschläge der Europäischen Kommission zum neuen Automotiv-Paket stoßen in Wirtschaft und Wissenschaft auf Kritik. 

Kritisiert wird vor allem, dass die Vorschläge der Kommission keine tatsächliche Abkehr vom „Zero-Emission-Ansatz“ erkennen lassen. Die EK bekannte sich zwar zur Technologieoffenheit, die Inhalte zielen aber in die Gegenrichtung. Im Rahmen einer exklusiven Medienrunde in Wien sowie der darauffolgenden „Energy Transition Innovation Talks“ brachten hochkarätige Expert:innen ihre Positionen in die aktuelle Diskussion ein – und ordneten die zentralen Streitpunkte strategisch ein. 

Technologieoffenheit statt Verbote

Einen Technologiepfad festzulegen, bedeutet, dass man sich von technischem Fortschritt abkoppelt. „Innovation bedeutet Wohlstand. Technologieverbote verhindern Innovation und schaden damit uns allen“, stellt Christian Holzhauser, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Wien, klar. Wolfgang Böhm, Fachgruppenobmann der Transporteure in der Wirtschaftskammer Wien, ergänzt: „In der Transportwirtschaft zählen Pünktlichkeit und Effizienz. Die erreichen wir nur, wenn wir die besten Lösungen nutzen dürfen – dafür brauchen wir Technologieoffenheit und keine Verbote.“ Jürgen Roth, Präsident der eFuel Alliance Österreich, unterstreicht die Bedeutung eines breiten Ansatzes: „Es fahren gerade einige Züge aus dem Bahnhof, die sollte die EU nicht verpassen. Nichtfossile Kraftstoffe sind ein Schlüssel zur Verminderung der Abhängigkeit von Erdölimporten und haben am meisten Reduktionspotenzial. Für ein Land wie Österreich, das schneller als die anderen klimaneutral werden will, sind diese innovativen Kraftstoffe ein Muss.“ Deutschland hat den Weg zu eFuels bereits eingeschlagen, bis 2030 sollen allein für den Straßenverkehr 670 Millionen Liter bereitgestellt werden. 

Energie- und Versorgungssicherheit

Neben Klimaschutz und Industriepolitik gewinnt ein weiterer Aspekt zunehmend an Bedeutung: Die Energie- und Versorgungssicherheit Europas. eFuels könnten hier eine strategische Rolle spielen. Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich und Dozent an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Schwerpunkt Umwelt- und Klimarecht, hebt hervor: „Eine nachhaltige Energie- und Mobilitätsstrategie muss immer auch geopolitische Risiken berücksichtigen. Europa braucht Lösungen, die nicht nur klimaverträglich, sondern auch krisenfest und global skalierbar sind. Wir begrüßen, dass Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer eine Importstrategie mit Schwerpunkt Wasserstoff und eFuels angekündigt hat. Wenn wir schon importierten müssen, dann bitte diversifiziert und nichtfossil.“ 

Die europäische Automobilindustrie steht unter massivem Druck. Zwischen verschärften Klimavorgaben, globalem Wettbewerb und strukturellem Wandel drohen weitere Standortverluste. „Es geht darum, global wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig die Klimaziele zu erreichen“, betont Hans Jürgen Salmhofer aus dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur. Das Automotiv-Paket könne dafür wichtige Impulse setzen. Roman Haider, FPÖ-Abgeordneter zum Europäischen Parlament, fordert ebenfalls ein rasches Umdenken: „Solange der Green Deal und das Netto-Null-Ziel den politischen Kompass bestimmen, bekämpfen wir Symptome statt Ursachen – und treiben Europas Wirtschaft sehenden Auges in die Sackgasse.“ MEP Jens Gieseke (EPV) und Berichterstatter des Europäischen Parlaments begrüßt das Tätigwerden der Kommission, sieht aber erheblichen Verbesserungsbedarf. Auch er fordert echte Technologieoffenheit und Verzicht auf kleinteilige Einschränkungen. Es brauche Regeln, die in der Praxis umsetzbar sind. „Der Gesetzgeber hat auf den Kunden vergessen. Jeder Kunde hat eigene Bedürfnisse, und nicht für alle sind E-Autos die beste Lösung“, sagt der Vorsitzende der Automobilimporteure und stv. Obmann des Fahrzeughandels in der WKÖ Günther Kerle