Elektromobilität : Warum ein Logistikunternehmen konsequent auf E-Lkw setzt
Durch die Kombination mehrerer eActros‑Modelle lassen sich sowohl Kurz‑ und Regionalverkehre als auch anspruchsvollere Strecken mit höherem Energiebedarf abdecken.
- © RederDas Hörschinger Transportunternehmen Christoph Reder setzt unter anderem im Linienbetrieb auf eActros von Mercedes. „Wir sind wirklich vom Erfolg überrascht worden“, sagt Stefan Reder. Der 37-Jährige führt in zweiter Generation mit Vater Christoph das Transportunternehmen Christoph Reder, das heuer sein 35-jähriges Jubiläum feiert. Und der Erfolg? Der hat unter anderem mit der stetigen Geschäftsentwicklung als auch mit den Erfahrungen mit E-Mobilität im Schwerverkehr zu tun, wie Christoph und Stefan Reder erklären.
Bei Innovationen immer vorne dabei
Die beiden Geschäftsführer des gut 60 Mitarbeiter zählenden Logistikbetriebs waren generell bei Innovationsthemen immer vorne mit dabei. „Sei es bei Erdgas, sei es bei Flüssiggas, sei es bei der IT und eben auch bei Elektromobilität“, sagt Christoph Reder. „Uns war es immer wichtig, frühzeitig Erfahrungen zu sammeln und am Puls der Zeit zu sein.“ So war es auch bei der E-Mobilität des Unternehmens, das knapp 50 ziehende Einheiten in seinem Fuhrpark hat. Das Traditionsunternehmen, das zwei Mercedes‑Benz eActros 400 L, zwei eActros 600 LS und zwei eActros 300 L betreibt und diese Fahrzeuge am Standort in Hörsching lädt, verschafft sich laut Juniorchef Stefan Reder gleich mehrere strategische Vorteile im täglichen Betrieb. „Der Einsatz verschiedener elektrischer Lkw‑Varianten ermöglicht eine passgenaue Abdeckung unterschiedlicher Transportaufgaben und erhöht gleichzeitig die betriebliche Flexibilität“, sagt Reder. Das Depotladen am Firmensitz war dabei von strategischer Bedeutung – und wurde auch gefördert. „Wir waren beim ENIN 8-Call dabei, denn E-Mobilität funktioniert am besten mit geeigneter Infrastruktur am Stützpunkt und natürlich ergibt es betriebswirtschaftlich Sinn, bei neuen Technologien Förderungen in Anspruch zu nehmen“, sagen Christoph und Stefan Reder.
Kombination mehrere eActros-Modelle
Der eActros 300 L eignet sich besonders für innerstädtische und regionale Einsätze mit kalkulierbaren Distanzen, während der eActros 400 L zusätzliche Reichweitenreserven für längere Tagestouren bietet. Mit dem eActros 600 LS steht zudem eine vollelektrische Zugmaschine zur Verfügung, die speziell für den schweren Fernverkehr und den Einsatz mit Sattelaufliegern konzipiert ist. Insgesamt ermöglicht diese Fahrzeugstruktur eine effiziente Zuordnung von Fahrzeug und Auftrag und reduziert Leer- oder Fehlkapazitäten.
Ein zentraler Vorteil ergibt sich vor allem durch das Laden am eigenen Standort. „Unsere Ladeinfrastruktur erlaubt eine gezielte Steuerung der Ladevorgänge und schafft Planbarkeit im Flottenbetrieb“, sagt Christoph Reder. Ladezeiten können in Ruhephasen integriert werden, etwa über Nacht oder während planmäßiger Standzeiten. Dadurch entfällt die Abhängigkeit von öffentlicher Ladeinfrastruktur, was sowohl Zeit als auch organisatorischen Aufwand spart. Zudem lassen sich Stromverträge und Lastmanagement gezielt auf den Fuhrpark abstimmen, was die Energiekosten kalkulierbarer macht.
Die große Tour mit 650 Kilometern
Das Unternehmen Christoph Reder fährt unter anderem für das Unternehmen Daily und transportiert Tiefkühlprodukte – ist also auch in einem heiklen Terrain tätig, bei dem Termintreue und Verlässlichkeit essenziell sind. Im Linienverkehr fahren die eActros des Unternehmens beispielsweise von Hörsching in den Süden Wiens, genauer gesagt nach Mödling, und dann über Graz wieder retour nach Hörsching. Der vollgeladene eActros wird dabei in Wien zwischengeladen und am Ende der rund 650 Kilometer langen Tour in Hörsching wieder voll aufgeladen. „Das geht sich in der Praxis sehr gut aus und hat sich etabliert. Der Verbrauch des eActros liegt dabei bei gut 85 Kilowattstunden je hundert Kilometer, im Winter bei gut 100 Kilowattstunden“, schildert Stefan Reder aus der Praxis. Die Vollladung am Ende der Route in Hörsching dauert laut Erfahrungen der Reders zwischen eineinhalb und zwei Stunden. Der Unterschied ergebe sich dabei hauptsächlich aufgrund des jeweiligen Akkustands. „Die Fahrer entwickeln natürlich mehr und mehr ein Gefühl für die Fahrzeuge, wie sie diese energiesparend fahren. Aber da gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Fahrern und auch die Witterungsbedingungen spielen beim Verbrauch eine Rolle“, schildert Christoph Reder. Für den täglichen Betrieb habe das keine Auswirkungen – die Standzeiten sind so festgelegt, dass die eActros in Hörsching immer vollgeladen wegfahren.
„Mercedes hat die Nase vorn“
Warum haben sich die Reders für die eActros-Modelle entschieden? „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Mercedes im LKW-Bereich bei Elektromobilität die Nase vorne hat. Und natürlich war uns auch wichtig, dass wir in puncto Werkstatt, Reparaturen und Gewährleistungen gut serviciert werden. Denn der Spruch mag abgedroschen sein, er stimmt aber. Ein Auto wird zwei Mal verkauft. Einmal im Geschäft, dann in der Werkstatt. Wir fühlen uns da bei Mercedes sehr gut aufgehoben“, sagt Christoph Reder, der übrigens mit Sohn Stefan jeden Samstag selber bei allen LKW der unterschiedlichen Hersteller, die das Unternehmen im Fuhrpark hat, diverse Reparaturarbeiten durchführt, oder die Reifen wechselt. „Wir sind also sechs Tage die Woche für unsere Kunden im Einsatz und haben sicherlich die schlankste Verwaltung sämtlicher Logistikbetriebe Österreichs. Nämlich meine Frau Gerlinde, meinen Sohn Stefan und mich“, schildert Christoph Reder lachend.
Elektromotoren sind wartungsärmer
Auch aus wirtschaftlicher Sicht bietet ein elektrischer Fuhrpark seine Vorteile. Elektromotoren gelten als wartungsärmer als konventionelle Dieselantriebe, da sie ohne komplexe Abgasnachbehandlung, Kupplung oder Schaltgetriebe auskommen. Das reduziert den Verschleiß und kann die Wartungs‑ und Instandhaltungskosten senken. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von stabileren Energiekosten im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen, insbesondere bei langfristigen Stromlieferverträgen oder bei der Nutzung eigener Photovoltaik‑Anlagen. Die Firma Christoph Reder hat schon seit Längerem PV-Anlagen im Einsatz. „Das rechnet sich jetzt für uns natürlich ganz besonders mit dem Einsatz der E-LKW“, sagen Christoph und Stefan Reder. Einen Punkt geben die beiden jedoch zu bedenken. „Die Kasko-Versicherung richtet sich ja bei LKW nach dem Kaufpreis. Daher muss man in der Praxis mit höheren Versicherungsbeiträgen für elektrische LKW rechnen. Das gilt es natürlich in der Betriebsrechnung zu berücksichtigen“, sagt Christoph Reder.
Vorteile bei Ersatzteilmanagement
Der Einsatz mehrerer eActros‑Varianten aus einer Modellfamilie vereinfacht zudem Schulung, Service und Ersatzteilmanagement. Fahrer bewegen sich in einem einheitlichen Bedien‑ und Fahrzeugkonzept, was die Akzeptanz erhöht und den Umstieg auf Elektromobilität erleichtert. Speziell für das Unternehmen Reder ein wichtiger Punkt: „Die Akzeptanz der Fahrer ist das Um und Auf, speziell das Einlernen auf die Assistenzsysteme, um beispielsweise verbrauchsoptimiert zu fahren, ist sehr wichtig“, sagt Christoph Reder. Die anfängliche Skepsis sei bei den Fahrern mittlerweile verschwunden. „Da war schon Überzeugungsarbeit notwendig, aber unsere Fahrer haben dann sehr gut erkannt und reagiert, wie sie mit den eActros umgehen müssen. Und seitdem wir die Fahrzeuge im Einsatz haben, funktioniert alles sehr klaglos.“
Breites Einsatzspektrum der Modellfamilie
Die eActros‑Modellfamilie deckt bei Mercedes‑Benz Trucks inzwischen ein breites Einsatzspektrum ab – vom schweren Verteilerverkehr bis zur Langstrecke. Im regionalen Einsatz stehen eActros 300/400 für planbare Touren und das Laden am Unternehmenssitz, also beispielsweise bei einem Logistikunterenhmen. Sowohl eActros 400 als auch eActros 600 gibt es als Sattelzugmaschine oder Fahrgestell und wahlweise mit klassischem Fahrerhaus oder der aerodynamisch optimierten ProCabin. Je nach Anforderung lässt sich das Paket aus Reichweite und Nutzlast über die Batteriekonfiguration gezielt austarieren. Geladen wird über CCS mit bis zu 400 kW (Kilowatt). Innerhalb der Branche habe sich durchaus herumgesprochen, dass das Unternehmen Christoph Reder E-LKW im Einsatz hat. „Darauf sind wir schon das eine oder andere Mal angesprochen worden und wir haben unsere Einschätzungen dann natürlich erzählt“, sagen die beiden. Sie meinen auch, dass der Einsatz elektrisch betriebener Lkw die Position eines Logistikunternehmens gegenüber Auftraggebern durchaus verbessern könne. Immer mehr Industrie‑ und Handelsunternehmen verlangen emissionsarme oder emissionsfreie Transportlösungen. Ein Fuhrpark aus sechs batterieelektrischen eActros‑Fahrzeugen ermöglicht es, entsprechende Anforderungen glaubwürdig und in größerem Umfang zu erfüllen. Gleichzeitig verbessert sich die CO₂‑Bilanz des Unternehmens messbar, was bei Ausschreibungen, Nachhaltigkeitsberichten und Förderprogrammen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
E-LKW als Wettbewerbsvorteil
„Zusammengefasst bietet unsere Kombination der verschiedenen eActros-Modelle mit eigener Ladeinfrastruktur eine hohe betriebliche Flexibilität, wirtschaftliche Planbarkeit und eine klare strategische Ausrichtung auf emissionsfreien Straßengüterverkehr. Für uns als Logistikunternehmen stellt ein solcher Fuhrpark nicht nur eine technologische Investition dar, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil“, so Christoph und Stefan Reder. Aber letztendlich gehe es immer darum, die Fahrer davon zu überzeugen. Zwölf der Fahrer sind bei Christoph Reder mittlerweile auf eActros eingeschult, heuer werde man noch zwei, drei weitere Fahrer auf diese Mercedes-Trucks einschulen. „Dann wird rund ein Viertel unserer Belegschaft regelmäßig mit E-LKW fahren“, sagen Christoph und Stefan Reder.