Interview: DKV Mobility : Depot als Herzstück

Nina Schäperklaus, Produkt Manager eMobility Services bei DKV Mobility und Expertin für Depot-Elektrifizierung.

Nina Schäperklaus, Produkt Manager eMobility Services bei DKV Mobility und Expertin für Depot-Elektrifizierung.

- © DKV

Frau Schäperklaus, immer mehr Logistikunternehmen und Speditionen investieren in Ladelösungen im eigenen Depot. Warum spielt das Depot eine so zentrale Rolle beim Betrieb von E‑Nutzfahrzeugen?

E‑LKW sind häufig in festen Touren unterwegs oder pendeln zwischen eigenen Standorten, sodass das Depot zum natürlichen Ausgangspunkt aller Prozesse wird. Unternehmen möchten ihre Fahrzeuge dort möglichst zuverlässig, planbar und kosteneffizient laden. Das gelingt im Depot oftmals besser als an öffentlichen Ladepunkten, weil die Ladeumgebung kontrollierbar ist und der Strombezug über Industrietarife deutlich günstiger ausfällt. Gleichzeitig befindet sich die öffentliche Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge noch im Aufbau. Der Mix aus Wirtschaftlichkeit und Planungssicherheit macht das Depot damit zum Herzstück elektrischer Nutzfahrzeugflotten.

In der Debatte um die richtige Ladelösung geht es häufig zunächst um die Technik und den Stromanschluss. Wie sieht es mit der Software aus? Welche Herausforderungen sehen Sie hier?

Viele Unternehmen arbeiten heute bereits mit Transport- und Fuhrparkmanagement-Systemen, in denen bislang vor allem konventionell betriebene LKW abgebildet sind. Mit einem E‑LKW verändern sich die Anforderungen grundlegend. Plötzlich spielt der State of Charge eine zentrale Rolle – ebenso die Frage, wo und wann unterwegs geladen werden muss, damit Touren wirtschaftlich bleiben. Idealerweise weiß ein System bereits im Vorhinein, mit welchem Batteriestand ein Fahrzeug losfährt, wann eine Zwischenladung notwendig wird und welche Ladeleistung im Depot verfügbar ist. Damit solche Funktionen reibungslos funktionieren, müssen Ladeinfrastruktur, Fahrzeuge und die jeweiligen Softwarelösungen miteinander kommunizieren. Genau an diesen Schnittstellen werden die Herausforderungen sichtbar, denn es gibt noch keine einheitlichen Standards und jedes Depot, jeder Fuhrpark und jede Softwarelandschaft ist anders aufgebaut. Besonders deutlich wird dies beim Depot‑Sharing.

…also dem Öffnen der unternehmenseigenen Ladeinfrastruktur für Kunden und Partner.

Genau. Viele Logistikunternehmen und Speditionen arbeiten mit Partnern, die täglich ihre Depots anfahren und während der Beladung gerne ihre Fahrzeuge laden würden. Für die Betreiber ist das attraktiv, weil durch die gezielte Öffnung der eigenen Ladeinfrastruktur für bestimmte Nutzergruppen zusätzliche Erlöse entstehen können. Gleichzeitig möchten sie sicherstellen, dass ihre eigenen Ladebedarfe Vorrang haben. Besonders zu Stoßzeiten ist das entscheidend: morgens vor Beginn der Touren oder abends nach deren Abschluss. Damit Depot‑Sharing überhaupt funktionierend ablaufen kann, müssen Verfügbarkeiten exakt abgebildet, Ladezeitfenster berücksichtigt und Abrechnungsprozesse sauber voneinander getrennt werden. Das System muss zuverlässig erkennen, ob eine Ladesäule frei ist, für wen sie freigegeben wurde und zu welchen Konditionen ein Ladevorgang abgerechnet wird. Dieser Vorgang ist mitunter sehr komplex und wird häufig unterschätzt.

Warum ist die Abrechnung für den reibungslosen Betrieb so wichtig?

Die Abrechnung wird oft erst spät bedacht, ist aber einer der wichtigsten Bausteine einer funktionierenden Depotstrategie. Betreiber möchten genau festlegen, wer zu welchen Preisen laden darf. Ein eigener LKW soll meist zum Selbstkostenpreis laden, während Partner, Lieferanten oder Subunternehmer andere Konditionen erhalten. Dazu kommen steuerliche Herausforderungen, insbesondere im grenzüberschreitenden Verkehr. Wenn Unternehmen sich nicht mit Rechnungsstellung, Umsatzsteuer oder Zahlungsausfällen befassen möchten, ist ein Abrechnungssystem, das diese Prozesse zentral übernimmt, ein großer Vorteil. Eine Plattform, die gebündelt abrechnet, Zahlungsausfallrisiken trägt und die Verteilung der Kosten transparent abbildet, ermöglicht es Unternehmen, ihre Infrastruktur aktiv zu steuern – ohne zusätzlichen administrativen Aufwand.

Was sollten Unternehmen bei der Planung ihrer Ladeinfrastruktur unbedingt beachten?

Vorausschauende Planung ist entscheidend. Viele Unternehmen starten mit wenigen E‑LKW und planen erst später den Ausbau. Doch Netzanschlüsse, Trafostationen oder Batteriespeicher lassen sich nicht ohne Weiteres beliebig erweitern. Eine nachträgliche Erweiterung ist oftmals viel kostenintensiver, als hätte man die Ausbaustufe direkt von Anfang an mitgeplant. Wer also in fünf Jahren eine größere Flotte betreiben möchte, sollte dies bereits heute berücksichtigen. Auch der spätere Einsatz von Photovoltaik oder Batteriespeichern sowie mögliche Anforderungen von Partnern spielen in die Planung hinein. Gleichzeitig ist es wichtig, die Gesamtlösung nicht unnötig komplex werden zu lassen. Wenn viele unterschiedliche Systeme ineinandergreifen, darf die Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten nicht auf der Strecke bleiben. Deshalb sollten Abrechnungs‑ und Backend‑Lösungen von Beginn an mitgedacht werden. Sie stehen am Ende der Prozesskette und müssen alle relevanten Informationen vollständig und korrekt erhalten. Eine frühzeitige Einbindung stellt sicher, dass Prozesse durchgängig funktionieren und Ladehardware und Software von Anfang an sauber aufeinander abgestimmt sind.

Frau Schäperklaus, vielen Dank für das Gespräch!

Unterwegs laden – europaweit vernetzt

Einer der entscheidenden Faktoren für den Umstieg auf E-Trucks ist die Verfügbarkeit von Ladepunkten unterwegs. DKV Mobility bietet Zugriff auf europaweit mehr als eine Million öffentliche Ladepunkte, darunter auch Schnellladeoptionen für E-Trucks. Dort können über die DKV Card +Charge alle Ladevorgänge zentral abgerechnet werden. Die Ladevorgänge werden dabei mit zertifiziertem Grünstrom durchgeführt.

Die passenden Ladepunkte entlang der jeweiligen Route lassen sich einfach über die DKV Mobility App anzeigen und ansteuern. Mit der All-in-One-Lösung unterstützt DKV darüber hinaus die Betriebe von der ersten Beratung bis zum laufenden Betrieb. Neben öffentlichen Ladepunkten und dem firmeneigenen Standort gewinnt vor allem das Laden an anderen Depots an Bedeutung. DKV unterstützt Unternehmen dabei, ihre eigenen Ladeinfrastrukturen für externe Nutzer freizugeben und gleichzeitig eine nutzerbezogene Abrechnung zu ermöglichen.