Smartphone-App

Wie sich der Lkw künftig ohne Schlüssel aufsperren lässt

Mit einem neuen schlüssellosen System, das zugleich auch bei der anstehenden IAA Nutzfahrzeuge in Hannover präsentiert wird, möchte Bosch herkömmliche Fahrzeugschlüssel alt aussehen.

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Bosch beschäftigt sich damit, wie der materielle Fahrzeugschlüssel in einen digitalen umgewandelt werden kann. Weltpremiere feiert das Schlüsselmanagement Perfectly keyless auf der diesjährigen IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. 

Ein Schlüssel, der nicht gesucht, verloren und vor allem nicht geklaut werden kann? Das klingt zunächst wie eine Utopie. Geht es nach Bosch, dann soll das schon bald Realität werden. Den klassischen Autoschlüssel aus Metall soll dann ein personalisierter Schlüssel ersetzen, der in einer App auf dem Smartphone gespeichert wird. Genannt wird die App „Perfectly keyless“.

Seine wahren Stärken soll das System bei Fuhrparkflotten mit vielen Fahrzeugen ausspielen. Denn dann ist Schluss mit der manuellen Schlüsselübergabe: Flottenmanager und Speditionen schalten Fahrer einfach per App für Fahrzeuge frei. Bosch erwartet sich eine hohe Nachfrage nach diesem Schlüssel-System: Allein rund 15 000 Speditionen kommen in Deutschland als potenzielle Kunden in Frage. Die meisten von ihnen managen mindestens ein Dutzend Fahrzeuge und Fahrer, heißt es seitens des Unternehmens. 

„Mit der Bosch-Lösung kann das digitale Schlüsselmanagement künftig auch komplett in das Dispositions- und Planungssystem der Speditionen integriert werden“, erklärt Harald Kröger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Automotive Electronics und führt weiter aus: „Sobald also in der Disposition Fahrer und Lkw einer Tour zugeteilt werden, werden automatisch die digitalen Schlüssel für die Lkw generiert und an die Smartphones der Fahrer verschickt. Ändert sich die Tourenplanung, werden auch die Schlüssel durch die Software angepasst“, so Kröger.

Schlüsselverwaltung mit App und Cloud

Das digitale Schlüsselmanagement von Bosch verbindet Smartphone-App und Lkw über eine Cloud. Per App weist ein Disponent oder Fuhrparkmanager einem Fahrer für seine Tour einen Lkw zu. Anschließend erstellt die App einen personalisierten und geschützten digitalen Schlüssel und sendet ihn über eine Cloud an den Lkw und das Smartphone des Fahrers.

© Bosch

Das System funktioniert so, dass der Fahrer samt Smartphone zu seinem Lkw kommt. Im Anschluss erkennen im Lkw verbaute Sensoren über eine Funkverbindung, ob der Schlüssel im Mobiltelefon in das digitale Schloss im Lkw passt. Erst dann lassen sich die Fahrzeugtüren öffnen.

Kommt der Fahrer samt Smartphone zu seinem Lkw, erkennen das fest im Lkw verbaute Sensoren über eine Funkverbindung. Nur wenn der Schlüssel im Mobiltelefon in das digitale Schloss im Lkw passt, lassen sich die Fahrzeugtüren öffnen. Die Sensoren orten ebenfalls, wenn der Fahrer im Auto sitzt. Dann startet der Motor, wenn er die Start-Stopp-Taste drückt. Ist die Fahrt beendet und der Fahrer steigt aus, erkennen das die Sensoren und verriegeln automatisch die Türen.

Akku leer, Schlüssel weg?!

Doch was passiert, wenn der Akku des Smartphones leer ist oder das Handy gar verloren geht? Der Autoschlüssel im Smartphone soll künftig auch mit leerer Handybatterie funktionieren. Dann verständigen sich Telefon und Lkw per Near Field Communication (NFC). NFC ist ein Funkstandard zum Austausch von Daten über kurze Distanzen. Er soll der „doppelte Boden“ der Bosch-Lösung werden.

Geht das Smartphone samt App verloren oder wird gestohlen, kann der digitale Schlüssel einfach online deaktiviert werden. Dann ist der Zugang zum Auto gesperrt. Erst wenn der Flottenmanager einen anderen Fahrer oder ein neues Mobiltelefon via App für den Lkw freischaltet, lässt er sich wieder öffnen und starten.

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