Wasserstoff bleibt auf der Strecke: Gesamtkonzept fehlt noch immer

Im Vorfeld der Alpbacher Technologiegespräche traten Vertreter der technischen Universitäten zusammen und sprachen über die mangelhafte Wasserstoffstrategie in Österreich. An Fördergeldern würde es fehlen. Theresia Vogel vom Klima- und Energiefonds schlägt in die gleiche Kerbe und thematisierte Wasserstoff als Möglichkeit zur Dekarbonisierung der Industrie. Sie erklärt, woran es für eine breitere Einführung von Wasserstoff als Energieträger jedoch hapert.

"Es gibt bei Wasserstoffbussen schon so viele Testregionen, dass man gar keine Fahrzeuge mehr bekommt, sie sind alle ausverkauft", weiß Theresia Vogel vom Klima- und Energiefonds.

Die Industrie - so etwa die Voestalpine - forscht seit geraumer Zeit daran, wie Wasserstoff hohen Energiedichte fossile Brennstoffe ersetzen kann. Auch als guter Speicherstoff für Energie aus Überschussstrom und als Treibstoff im Schwerverkehr wäre er sinnvoll einsetzbar, so Theresia Vogel vom Klima- und Energiefonds. 

"In Österreich ist nur grüner Wasserstoff eine Option"

Vor allem in sehr energieintensiven Branchen wie der Stahl-, Papier-, Zement- und chemischen Industrie kann Wasserstoff als Energieträger zur "Dekarbonisierung" beitragen, sagte Vogel. Zusätzlich wird er dort als Grundstoff gebraucht. Es sei aber entscheidend, wie der benötigte Wasserstoff hergestellt wird. In Österreich wäre bloß "grüner Wasserstoff" eine Option, der durch Elektrolyse aus erneuerbaren Energien wie Sonnen- oder Windstrom stammt.

Türkiser, grauer und blauer Wasserstoff

"Die EU geht da ganz andere Wege, da gibt es Farbenspiele", sagte sie: Türkiser Wasserstoff wird durch thermische Spaltung aus Methan (Erdgas) hergestellt, grauer Wasserstoff aus fossilen Treibstoffen, ebenso blauer Wasserstoff, nur dass hier abgespaltenes CO2 gespeichert wird und nicht in die Atmosphäre gelangt. "Man hält sich aber ein bisschen zu bedeckt, wie hier die Mengenströme des CO2 aussehen sollen, und lässt dies den Mitgliedsländern offen", erklärte Vogel.

Grauen Wasserstoff könne man keineswegs guten Gewissens zukaufen: Es wäre sogar weniger schädlich, den Treibstoff direkt zu verwenden, als auf diesen Weg hergestellten Wasserstoff, weil all die nötigen Aufbereitungsschritte zusätzliche Energieverluste bringen.

Wasserstoff sei auf jeden Fall ein probates Mittel, um Überschussenergie aus erneuerbaren Quellen für später aufzuheben. "Damit erreicht man etwas, das sonst oft nicht gut funktioniert, nämlich die Langzeitspeicherung von Energie", sagte die Expertin. Es gibt in Österreich sogar einen "Leerstand" von ein paar Millionen Kubikmetern unterirdischer Gasspeicher in Form von Sandsteinformationen, die man eventuell als Wasserstofftanks nützen könnte.

Wasserstoffbusse teilweise ausverkauft

Bei der Mobilität sieht sie vor allem beim Schwerverkehr Chancen für Wasserstoff, also Lastkraftwagen, Langstreckenbusse, möglicherweise bei Schienenfahrzeugen auf ausgewählten Strecken und Schiffen. In diesen Bereichen würde eifrig getestet. "Es gibt bei Wasserstoffbussen schon so viele Testregionen, dass man gar keine Fahrzeuge mehr bekommt, sie sind alle ausverkauft", berichtet Vogel. Auch auf der Donau könne sie sich, wenn entlang des Stroms Wasserstofftankstellen errichtet werden, einen Betrieb damit vorstellen. Dann gibt es vielleicht irgendwann eine "Donauwasserstoffschifffahrtsgesellschaft" als Wort mit rekordverdächtiger Länge.

Woran es für eine breitere Einführung von Wasserstoff als Energieträger hapert, ist ein "ausgegorenes Gesamtkonzept", meint sie. Es sei zum Beispiel ungeklärt, wo man ausreichend grünen Wasserstoff herbekommt, der noch dazu nicht billig ist, und in welchen Bereichen er wirklich sinnvoll ist: "Seine Bilanz ist oft keine supereffiziente, darum muss man sich genau überlegen, wo er seine Vorteile gut ausspielen kann", so Vogel.

(apa/red)