#DIESELZEITREISE

Warum sich der Dieselmotor im Transportwesen durchsetzen konnte

Lesen Sie hier, mit welchen Vorzügen sich die Dieselkraftmaschine den Platz im Straßengüterverkehr sichern konnte und warum sie sich nicht so schnell von ihrem Platz verdrängen lassen wird - selbst wenn es bereits brauchbare Alternativen gibt.

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Ansaugen, Verdichten, Arbeiten und Ausstoßen. Mittlerweile gibt es mehrere Zylinder als Bestandteil eines Verbrennungsmotors, die diesem immerwährenden Prinzip folgen und ein Fahrzeug auf diese Weise in Bewegung versetzen. Anders war es noch zu Zeiten der Erfinderlegende Rudolf Diesel, der im 19. Jahrhundert an einer treibstoffbetriebenen Wärmekraftmaschine arbeitete, die über lediglich einen Zylinder und Kolben verfügte. 

Wenn es um das sogenannte Viertakt-Prinzip geht, unterscheiden sich Dieselmotor und Ottomotor nicht voneinander. Der feine Unterschied liegt beim Ansaugvorgang. Der Ottomotor braucht ein Kraftstoff-Luft-Gemisch zum Arbeiten, der Diesel begnügt sich mit Luft, die er im Zylinder hochverdichtet und gemeinsam mit dem eingespritzten Kraftstoff entzündet. Dabei entstehen höhere Drücke (30 bis 50 bar) als beim Ottomotor und hohe Temperaturen von 700 bis 900 Grad Celsius im Brennraum.  

Transportwesen: Der Dieselmotor triumphiert über den Ottomotor

Dieselmotoren arbeiteten deutlich effektiver als andere bis dahin bekannte Antriebe, wie etwa die Dampfmaschine. Sie hatten anfangs einen Wirkungsgrad - das Maß, in dem der Motor die zugeführte Energie nutzen kann - von etwa 26 Prozent und übertrafen damit die Dampfmaschine um mehr als das Doppelte. 

Schnell wurde klar, dass der Dieselmotor Vorteile hat, wenn es darum geht große, schwere Maschinen in Bewegung zu versetzen. Als Schiffsmotor hatte sich das Dieselaggregat bewährt und die Dampfmaschine nach der Jahrhundertwende Schritt für Schritt abgelöst. Diesels zahlreiche Patentverkäufe sorgten zudem dafür, dass seine Erfindung rund um den Erdball ging und von unterschiedlichen Unternehmen benutzt oder sogar weiterentwickelt wurde. 

Erstmals kam ein Dieselaggregat im russischen Flusstanker „Vandal“ (1902/03) zum Einsatz. Bis der Diesel erstmals in einer Lokomotive zur Anwendung kam, dauert es noch knapp zehn Jahre. Erste Testfahrten mit einer Borsig-Diesellok sind 1912 in der Schweiz datiert, ab 1913 in Berlin. Dann übertrafen sich die Firmen mit ihren Entwicklungen regelrecht. 1921 erfolgte der erste Einbau in einen Traktor durch Benz & Cie.

https://youtu.be/J8hKaMNX1S8

Die Motorenwerke Mannheim brachten zwei Jahre später das „Motorenpferd“ (siehe Video), die erste serienmäßige Zugmaschine mit Dieselmotor, auf den Markt. MAN entwickelt den weltweit ersten kompressorlosen Einzylinder-Fahrzeug-Dieselmotor mit Direkteinspritzung und einer Leistung von 13,2 PS (625 U/min). 1923 führten Benz & Cie daraufhin erste Versuchsfahrten mit einem 5-Tonnen-Lkw mit Vorkammer-Dieselmotor durch. Erst nahe der 30er Jahre stellte Junkers einen Diesel-Flugmotor mit 825 PS auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin aus.

Der Dieselmotor konnte seine Vorherrschaft im Transportsektor - insbesondere bei mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen - über die Zeit ungestört ausbauen. Diese besondere Stellung hat er bis heute inne, selbst wenn ihm alternative Antriebe diese streitig machen wollen. Doch wieso werden Nutzfahrzeuge im Regelfall mit Dieselmotor angetrieben und nicht mit Ottomotor? Eine pauschale Erklärung gibt es nicht. Aber es gibt klare Vorteile und vergleichsweise wenige Nachteile, die TRAKTUELL hier zusammengefasst hat:

Eigenzündung 

Ein Vorteil ist die Selbstzündungsfähigkeit des Dieselkraftstoffes, eine Zündkerze wie beim Ottomotor (Fremdzündung) wird nicht benötigt. Zudem lässt sich das Dieselgemisch großzügiger bilden, die Konsistenz kann auch etwas "fetter" sein - der Dieselmotor schafft das, erklärt Steffan Kerbl, Leiter der Testabteilung des ÖAMTC. 

Geringerer Verbrauch 

Das zündende Nummer eins Argument, das wohl jeden Flottenmanager überzeugt, ist jenes des geringeren Kraftstoffverbrauchs. Dieser konnte durch die Einführung der Direkteinspritzung noch einmal deutlich reduziert werden. Außerdem ist Diesel im Normalfall günstiger als Benzin. 

Hohe Laufleistung 

Generell ist der Dieselmotor im Nutzfahrzeugbereich auf eine hohe Laufleistung (bis zu 1.000 0000 Kilometer) ausgelegt, die deutlich über jener eines mit Ottomotor betriebenen Fahrzeugs liegt. 

Hoher Wirkungsgrad

Dieselmotoren bieten ein hohes Drehmoment bei geringer Drehzahl. "Bei niedrigen Drehzahlen arbeitet der Dieselmotor einfach effektiver als der Ottomotor", befindet Kerbl. Ein Vorteil ist zudem, dass sich diese quasi beliebig groß bauen lassen -  sie werden auch in Container- und Kreuzfahrtschiffen eingesetzt-, Ottomotoren würden irgendwann keinen großen Benefit mehr bringen, so Kerbl. Generell gilt aber, dass sich Ottomotoren kleiner bauen lassen als Dieselmotoren und dadurch auch günstiger sind. 

Höhere Drücke

Für die Kraftstoffversorgung sind eine aufwändige Einspritzpumpe sowie Einspritzdüsen notwendig. Die Kosten solcher Bauteile sind wegen der geringeren Drücke beim Ottomotor wesentlich günstiger als beim Dieselmotor. 

Höheres Gewicht  

Wegen der hohen Drücke im Brennraum müssen die Bauteile eines Dieselmotors entsprechend robust gebaut sein, was allerdings auch den Preis und das Gewicht erhöht.  

CO2 versus Feinstaub

Beim Auspuffen der Abgase gibt es weitere Unterschiede. Die Abgastemperatur liegt beim Ottomotor deutlich über der eines Dieselmotors, wodurch CO2-Emissionen entstehen. Der Diesel steht hingegen in Verruf Ruß zu produzieren, der als krebserregend gilt. Moderne Euro-6-Motoren verfügen aber über eine spezielle Abgasnachbehandlung, die mittels Harnstoff den Ausstoß von Stickoxiden reduzieren soll. 

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