#DIESELZEITREISE

Von der Versuchsmaschine bis zum Schiffsmotor: Diesel revolutionierte die Mobilität

Kein anderer Antrieb eignete sich bisher mehr dazu, schwere Lasten von A nach B zu befördern, als der Dieselantrieb. In einer Fotostrecke zeigt TRAKTUELL historische Eckpfeiler seiner Geschichte.

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© MAN Truck & Bus historisches Archiv

Laut der Biographie seines Sohnes Eugene interessierte sich Rudolf Diesel schon früh für die Lehren des französischen Arztes, Physikers und Erfinders Denis Papin, der unter anderem als der Erfinder des Drucktopfes gilt und erste Überlegungen zu einer Dampfmaschine anstellte. Ihm fehlten jedoch noch die technischen Möglichkeiten. Nach ihm kamen Thomas Newcomen, der 1712 eine erste Wärmekraftmaschine auf den Markt brachte und später James Watt, der sich 1769 eine Dampfmaschine patentieren ließ. Diesel hatte allerdings anderes im Sinn: Wasserdampf kam für ihn und seine Maschine nicht in Frage. 

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Laut der Biographie seines Sohnes Eugene interessierte sich Rudolf Diesel schon früh für die Lehren des französischen Arztes, Physikers und Erfinders Denis Papin, der unter anderem als der Erfinder des Drucktopfes gilt und erste Überlegungen zu einer Dampfmaschine anstellte. Ihm fehlten jedoch noch die technischen Möglichkeiten. Nach ihm kamen Thomas Newcomen, der 1712 eine erste Wärmekraftmaschine auf den Markt brachte und später James Watt, der sich 1769 eine Dampfmaschine patentieren ließ. Diesel hatte allerdings anderes im Sinn: Wasserdampf kam für ihn und seine Maschine nicht in Frage. 

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Rudolf Diesel arbeitete seit Jahren daran, eine Alternative zur wasserdampfbetriebenen Arbeitsmaschine zu finden sowie die Idee eines Ammoniakmotors endgültig hinter sich zu lassen. Voluminöse und teure Kessel wie bei der Dampfmaschine sollten jedenfalls der Vergangenheit angehören. Diesel schwebte etwas kompakteres vor: Es sollte ein leicht bedienbarer und auch bezahlbarer Handwerkermotor für das Kleingewerbe sein. Überdies sollte der Motor nach Möglichkeit nur einen einzigen Zylinder haben, in dem der gesamte Arbeitsprozess abläuft. Im Endeffekt soll es sich um eine Maschine handeln, die imstande ist, mehr Arbeit bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch zu leisten. 

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Nachdem die Industrialisierung von 1830 an die deutschen Staaten fest im Griff hatte, wurden hunderte Kilometer Eisenbahnschienen verlegt. Überwältigende Gefühle dürften Diesel jedes Mal überkommen sein, wenn er mit der Eisenbahn reiste. Sein Sohn hielt fest, dass Rudolf vom geradezu "magischen" Sich-in-Bewegung-Setzen der Maschine zutiefst fasziniert schien: So interessierte sich er etwa brennend für die Funktionsweise von Zylinder und Triebwerk. Bis Rudolf eine erste Diesel-Lok mit eigenen Augen sieht, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen: Erste erfolgreiche Probefahrten fanden Anfang April 1913 in der Schweiz und in Berlin-Grunewald statt.

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Frühe Gefühle der Euphorie dürften auch dampfbetriebene Schiffe in ihm ausgelöst haben. Ab 1902 kam Rudolfs Dieselmotor erstmals in Schiffen zum Einsatz, die Vergabe von Patenten half dabei. Als erstes Dieselmotorschiff gilt der russische Flusstanker "Vandal", der 1903 vom Stapel lief. In seinem Inneren befanden sich drei Dieselmotoren mit jeweils 120 PS Leistung. Nachdem ein entsprechend leistungsstarker Dieselmotor im Jahr 1897 erschien, erwarb der wohlhabende schwedische Bankier Marcus Laurentius Wallenberg zwei Jahre später umgehend Dieselmotor-Patente für Russland. Mit Lizenznehmern, vorzugsweise aus dem Ausland, führte Diesel übrigens höchstpersönlich die Abschlussverhandlungen.                             

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat ein Umbruch stattgefunden. Er galt als Treibsatz der Mobilität, wenngleich mit zerstörerischer Energie. Kredite wurden aufgenommen und Unsummen in das Militärwesen gepumpt - bis nichts mehr ging. So war es im Ersten Weltkrieg noch die Kriegsmarine gewesen, die sich für Diesels neuen Motor besonders zu interessieren schien. Panzerschiffe und U-Boote sollten zahlreich gefertigt werden. Eine allzu große Rolle konnte Diesels Erfindung für den Landverkehr noch nicht einnehmen. Die deutschen Truppen wurden zum Teil mit Pferdewagen und Dampflok an die Front befördert. Auch die ersten Panzer eigneten sich für das Kampffeld, wenn überhaupt, denkbar schlecht. Die Zeit, in der sie ihre vernichtende Wirkung richtig entfalten konnten, sollte erst noch kommen. 

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Vor 175 Jahren wurde der deutsche Lastwagen- und Omnibus-Pionier Heinrich Büssing geboren. Er lieferte während des Ersten Weltkriegs vor allem Lkws ans Heer. 1924 stellte MAN den ersten Dieselmotor mit Direkteinspritzung für Nutzfahrzeuge vor, die Leistung lag bei etwa 30 kW. 1930/31 beginnt Büssing mit der Entwicklung und dem Bau von 3-, 4-, 5- und 6-Zylinder Dieselmotoren. Auf dem Bild zu sehen: Ein Büssing Typ V transportiert zwei Schmalspurbahn-Lokomotiven. Das Bild ist mit 1912 datiert, ein Jahr vor Rudolf Diesels Tod. 

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In den Folgejahren stieg die Leistung der Motoren immer weiter, bereits Mitte der 1930er-Jahre gab es Motoren mit mehr als 100 kW Leistung für Nutzfahrzeuge. Ende der 1940er-Jahre hatte der Dieselmotor als Antrieb für Nfz, Schienenfahrzeuge und Schiffe weite Verbreitung gefunden. Grundlage für die Entwicklung des Fahrzeugdieselmotors war das Vorkammerprinzip, das 1909 von Prosper L'Orange, ein früherer Entwicklungspartner von Rudolf Diesel, zum Patent angemeldet wurde.  

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Ohne die Erfindung des Dieselmotors wäre die Welt, wie wir sie kennen, nur schwer denkbar - insbesondere das Transportwesen. Im Verhältnis zum Ottomotor verfügen Dieselmotoren über einen vergleichsweise hohen Wirkungsgrad, weshalb sie auch in mittelschweren bis schweren Nutzfahrzeugen zur Anwendung kommen. An Erdgasmotoren oder sogar E-Antriebe hatte Rudolf Diesel sehr wahrscheinlich nicht gedacht, auch das Thema der Schadstoffminderung hat Rudolf Diesel sicher noch keine schlaflosen Nächte bereitet, so wichtig es heutzutage auch ist.