Die Zukunft der Mobilität

Future Mobility

Vollautonomes Fahren ja - aber wann?

Die Krux beim Fahren ohne Fahrer liegt in der Ausnahme, nicht im Regelverkehr!

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Mit dem neuen Active Drive Assist im Mercedes Actros, kurz ADA, gibt Daimler bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das autonome Fahren. Der ADA übernimmt zusätzlich zur automatischen Tempoanpassung,
also dem Abstandsregeltempomaten, nun auch die Lenkung des Trucks. Der Fahrer hat weiterhin selbst die Kontrolle und Verantwortung, kann aber für einen kurzen Moment die Hände vom Lenkrad nehmen und beobachten, wie der Lkw sich selbstständig in der Spurmitte hält. Nun wird es nicht lange dauern, bis das nahende Ende der bemannten Lkw-Fahrt heraufbeschworen wird. Allerdings dürfte der Weg dahin noch ein steiniger sein. Denn das System erkennt zwar die Spur und hält den Truck auch meist recht gut auf Kurs, aber sobald eine Baustelle mit unklaren oder fehlenden Bodenmarkierungen durchfahren wird, stößt der ADA an seine Grenzen – hier ist der Mensch gefragt. Nun mögen manche entgegnen, dass dies ja nur einen Bruchteil der Strecke betrifft. Das ist korrekt, allerdings müsste ein vollständig autonomes Fahrzeug ohne die Möglichkeit des menschlichen Eingreifens auch diese Schlüsselstellen meistern – die Krux beim autonomen Fahren sind also nicht die Regelsituationen, sondern die Bewältigung der Ausnahmen. Und diese sind unglaublich vielfältig: Es gibt nur ein prinzipielles Schema, wie eine korrekt markierte Straße auszusehen hat, aber unendlich viele Möglichkeiten und Sonderfälle, wie dieses Schema durchbrochen sein kann. Chaotische Stausituation, ein Fahrzeug mit Panne auf dem eigenen Fahrstreifen oder verlorenes Ladegut auf der Fahrbahn – all das kann völlig spontan auftreten. Ein Mensch ist in der Lage, eine ihm völlig neue Situation relativ schnell zu erfassen und blitzschnell darauf zu reagieren. Die Maschine kann nur einem vorprogrammierten Reaktionsschema folgen und keine eigenen Entscheidungen treffen oder Strategien zur Bewältigung dieser Sonderfälle entwickeln. Das ist auch der Grund, warum wir auf öffentlichen Straßen in Europa wohl noch länger keine Autos ohne Fahrer antreffen werden.