Automobilindustrie

Urabstimmung im MAN-Werk Steyr

Heute, am 7. April, stimmen die Mitarbeiter am MAN-Standort Steyr über den geplanten Verkauf des Werks an die WSA Beteiligungs GmbH von Siegfried Wolf ab. Als Zünglein an der Waage könnten sich die Leasingarbeitskräfte erweisen.

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Offiziell sind am MAN-Standort Steyr derzeit 2.366 Mitarbeiter beschäftigt, zur Stammbelegschaft zählen rund 1.850 Personen. Im Fall einer Übernahme will Siegfried Wolf die Stammbelegschaft auf 1.250 Mitarbeiter verkleinern. Summa summarum steht am Standort aber ein Jobabbau von etwa tausend Mitarbeitern im Raum. Wer genau seinen Job verlieren würde und wer ihn behalten dürfte, das lässt sich schwer sagen. Es wären wohl fast alle Bereiche betroffen, Medienberichten zufolge war beispielsweise auch von einer drastischen Verkleinerung der Werksfeuerwehr die Rede. Unter den ersten, die nach einer eventuellen Übernahme durch den Investor ihren Arbeitsplatz verlieren würden, sind vermutlich zahlreiche Leiharbeitskräfte.

Sogenannte Zeitarbeiter oder Leasingarbeitskräfte sind bei Arbeitskräfteüberlassern angestellte Personen, die an Dritte verliehen werden. Sie machen in vielen großen Produktionsbetrieben, wie etwa bei MAN in Steyr, einen wesentlichen Bestandteil der Belegschaft aus. Das Beschäftigungsmodell sorgt für hohe Flexibilität bei Auftragsschwankungen, bei einer stabilen Auslastung sind diese Mitarbeiter aber häufig über einen längeren Zeitraum beim Kunden der Leasingfirma beschäftigt. Und damit erwerben sie auch gewisse Rechte: So dürfen sie bei unbestimmter Überlassung nach einigen Monaten an den Betriebsratswahlen teilnehmen, ebenso sind sie bei der Urabstimmung zugelassen.

Wie die Abstimmung ausgeht ist nach wie vor offen. Mit einem Ergebnis wird frühestens am Donnerstag gerechnet. Wie es weiter geht, falls die Belegschaft dem Wolf-Deal die Zustimmung verweigert, ist fraglich. MAN hatte angedroht, das Werk nur an Wolf verkaufen zu wollen, oder ansonsten einfach im Jahr 2023 zu schließen. Dass das Management das ganze Werk schlicht und einfach stilllegen würde, sollte der Verkauf an Wolf scheitern, darf aber zumindest bezweifelt werden. Der Vorstand könnte schwerlich argumentieren, warum man keine weiteren Verwertungsoptionen für das Werk prüfen will. Schließlich hatten auch andere Unternehmen ihr Interesse am Standort bekundet. MAN soll aber nur mit Wolf konkrete Verhandlungen geführt haben.

☞  KOMMENTAR - Siegfried Wolf und das MAN-Werk Steyr: „Was ist daran verwerflich?“

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