Logistik

"Transportlogistiker müssen digitaler denken"

Die Teilnehmer des ersten BVL-Themenkreises zum Thema „Digitalisierung der Transportlogistik“ sind sich einig: Dem Fahrermangel kann durch eine konsequenten Digitalisierung der Lieferkette entgegengewirkt werden.

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Der Fahrermangel ist eine Wachstumsbremse für die Transport- und Logistikdienstleister. Darin ist sich die Branche wohl oder übel einig. Die deutsche Bundesvereinigung Logistik (BVL) sieht aber eine Möglichkeit durch die Aufwertung des leider nur wenig angesehenen Berufsbildes in der Öffentlichkeit mittels einer konsequenten Digitalisierung dieser personellen Ressourcenknappheit entgegenzuwirken. Zu diesem Ergebnis kamen die rund 30 Teilnehmer beim ersten Treffen des BVL Themenkreises „Digitalisierung der Transportlogistik“ in Berlin. Was kann man tun, damit Berufskraftfahrer wieder zufriedener mit ihrer Arbeit sind? Wie lassen sich Wartezeiten bei der Be- und Entladung verringern und die Zahl der Stopps erhöhen? Und wie vermeiden Logistiker dauerhaft Leerfahrten? Mit diesen und anderen Fragen befassten sich rund 30 Expertinnen und Experten auf einem Treffen Mitte des Monats im „hubraum“, dem Berliner Kreativzentrum der Deutschen Telekom.

Digitalisierung eröffnet Möglichkeiten

„Ein branchenübergreifender und regelmäßiger Austausch eröffnet für alle Akteure interessante Blickwinkel und ermöglicht neue Formen der Zusammenarbeit", betonte Christian Grotemeier, Geschäftsführer der BVL.digital GmbH sowie Initiator und Sprecher des Themenkreises, in seiner Einführung. Denn die Digitalisierung bietet viele Ansatzpunkte für eine Optimierung der Transportkette. Es geht im Kern darum, respektvoller mit der Arbeitszeit der Berufskraftfahrer umzugehen“, so Grotemeier. 

Aus diesem Grund müsse bei der Diskussion vor allem die Praxis im Mittelpunkt stehen, so die Forderung. In ihren Impulsvorträgen zeichneten Michael Gierke vom Bundesamt für Güterverkehr, Hendrik Janke von der Nagel-Group und Can Akin von der digitalen Spedition Cargonexx ein ähnliches Bild von der aktuellen Marktsituation: Der Mangel an Berufskraftfahrern, verbunden mit einem stetigen Wachstum der Gütermenge, führt zu Umsatzeinbußen bei den Logistikdienstleistern.

Die Entwicklung erhöht zudem den Druck, die Supply Chain weiter zu optimieren. „Wir müssen die Prozesse in ihrer Gesamtheit betrachten und dürfen nicht in Silos denken“, hob Hendrik Janke hervor. Dazu gehöre unter anderem der Abbau von Schnittstellen durch die Nutzung von Plattformen sowie die Bereitschaft, sämtliche Daten entlang der gesamten Lieferkette in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Denn damit können alle Akteure besser planen. Auch Can Akin mahnte zu einer deutlichen Effizienzsteigerung: „Bis zu 40 Prozent der Lkw sind leer unterwegs, viele Abläufe werden noch manuell gesteuert und sind intransparent“, berichtete der Leiter der operativen Geschäfte des mehrfach ausgezeichneten Start-up-Unternehmens von seinen Erfahrungen. 

Austausch zwischen Fahrern ermöglichen

In drei Arbeitsgruppen entwickelten die Teilnehmer erste Vorschläge für den Umgang mit den wachsenden Herausforderungen - vor allem mit Blick auf den Fahrermangel. So könne eine nutzerfreundliche Smartphone-App nicht nur für den Fahrer wichtige Auftragsdaten zur Verfügung stellen, sondern auch zum Dialog beitragen. Denn gerade der persönliche Austausch mit Kollegen und die Pflege sozialer Kontakte seien für die Zufriedenheit der Fahrer, die häufig tagelang unterwegs sind, von großer Bedeutung. Außerdem könnten sie Rampen oder Rastplätze bewerten und so für mehr Gehör sorgen.

Eine Idee zur Steigerung der Effizienz in der Transportkette ist der offene und plattformübergreifende Austausch von Daten, der zu mehr Transparenz und besserer Planbarkeit führt - vor allem bei den Entladestationen. Mehr Kommunikation zwischen Fahrer und Verladestation, eine automatisierte Be- und Entladung sowie eine durchgängig papierlose Quittung könnten zudem die Situation an den Rampen verbessern und Schnittstellen vermeiden. „Die Arbeitsergebnisse zeigen, dass es auf dem Weg zur Digitalisierung der Transportkette noch viel zu tun gibt“, fasst  Grotemeier zusammen.

 Künftig will sich der sogenannte Themenkreis mehrmals jährlich zur Digitalisierung der Transportlogistik austauschen. Bereits im September wollen sich die Teilnehmer zum nächsten Mal treffen. Dann sollen die Diskussionen vertieft und weitere Lösungsvorschläge erarbeitet werden. „Unser Ziel ist es, Position zu beziehen und konkrete Initiativen auf den Weg zu bringen“, erläutert Themenkreis-Sprecher Grotemeier. Eine dieser Initiativen ist eine gemeinsam mit dem Unternehmen T-Systems durchgeführte Studie, die untersucht, wie der Fahrzeug- und Fahrereinsatz durch mehr Transparenz in der Supply Chain optimiert werden kann. Die Ergebnisse der Untersuchung werden auf dem Deutschen Logistikkongress im Oktober in Berlin vorgestellt.

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