Update zur Corona-Krise

Transporteure trotz schwieriger Situation zweckoptimistisch

Österreichs Frächter haben dieser Tage allerhand zu tun. Sie müssen zusätzlich geforderte Kapazitäten im Lebensmittelhandel bereitstellen und zugleich flexibel auf die sich laufend ändernden Bedingungen an den Grenzen und die zurückgehende Nachfrage seitens des Handels und der produzierenden Wirtschaft reagieren.

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Die Europäische Kommission forderte die EU-Mitgliedsstaaten eindringlich auf, den grenzüberschreitenden Warenverkehr weiterhin zu gewährleisten

Günther Reder, Obmann des Fachverbands Güterbeförderung in der WKÖ, hat dieser Tage alle Hände voll zu tun. Als Interessenvertreter der Transporteure ist er nicht nur als Ansprechpartner für Medien und Politik gefragt, sondern muss gleichzeitig auch seinen eigenen Speditionsbetrieb mit 250 Lkw weiterführen. „Wir schauen, dass wir die Versorgung aufrechterhalten“, bringt Reder die aktuelle Situation auf den Punkt. Die Mitarbeiter seien durchwegs motiviert, stünden hinter ihren Unternehmen und trügen die Situation gut mit, obwohl durchaus Sorgen über die eigene Gesundheit vorhanden seien. Auch Grenzpendler aus Tschechien, der Slowakei und Ungarn sind nach dem Wochenende überwiegend zur Arbeit erschienen. Probleme bei der Aus- und Einreise hätte es kaum gegeben. Allerdings mehren sich inzwischen Fälle, dass sich slowakische Fahrer in Quarantäne befinden und nicht mehr zur Arbeit kommen können. Das alles ist aber nur eine Momentaufnahme und könne sich laufend verändern, wie Reder betont.

Auswirkungen auf das Transportgewerbe

Bereiche wie die Milchwirtschaft und die Pharmabelieferung laufen wie gewohnt weiter. Im Bereich der Lebensmittelzustellung sind derzeit sogar zusätzliche Kapazitäten gefordert. Von starken Rückgängen betroffen ist hingegen das Baugewerbe, viele Baustellen wurden stillgelegt. Das hängt auch damit zusammen, dass beispielsweise in Oberösterreich die meisten Betonwerke schließen. Es ist daher klar, dass die Nachfrage in der Baulogistik sinkt. Das Baunebengewerbe und die Belieferung mit Kranwägen und Kippern läuft in einigen Bereichen und Regionen noch, allerdings ist auch hier von einer Verschlechterung auszugehen. Dies gilt gleichermaßen für Lieferverkehre zur Versorgung von Produktionsbetrieben, da sich Meldungen über temporäre Werksschließungen vieler Unternehmen häufen. Auch beim Stückgutbereich ist eine rückläufige Entwicklung durch die Schließung nicht lebensnotwendiger Handelsbetriebe zu erwarten. Durch die starke Nachfrage im E-Commerce erwarten Paket- und KEP-Dienste dafür eine Verschiebung hin zur verstärkten Belieferung von Privatkunden anstelle von Unternehmen.

© sissy pfarr

Günther Reder, Obmann des Fachverbands Güterbeförderung in der WKÖ

Der Automotive-Bereich ist weitgehend zum Stillstand gekommen. Zuletzt sorgte die Ankündigung, dass Volkswagen seine Produktion europaweit stoppt, für Aufsehen. Auch der Kipper-Produzent Meiller, der erst vor wenigen Wochen sein neues Werk in Oed-Oehling in Niederösterreich in Betrieb genommen hat, schließt dieses bis Ende März. Weiterhin geöffnet sind die Werkstätten der Lkw-Hersteller um die Aufrechterhaltung des Betriebs der Fahrzeuge zu gewährleisten. Zur Abdeckung der erhöhten Nachfrage nach Kapazitäten in der Lebensmittellogistik werden teilweise auch zurückgegebene Gebrauchtfahrzeuge, die bei den Niederlassungen der Hersteller parken, kurzfristig wieder in Dienst gestellt. Das ist eine Flexibilität, die kein anderes Transportmittel in dieser Spontanität leisten kann. „Hier zeigt sich, wie wichtig der Lkw zur Versorgung ist“, betont Franz Weinberger, Pressesprecher von MAN in Österreich und Sprecher der Nutzfahrzeugimporteure in der Industriellenvereinigung.

Wochenendfahrverbot, Lenk- und Ruhezeiten ausgesetzt

Das Wochenendfahrverbot wurde bis 3. April 2020 ausgesetzt. Für Fahrzeuge, die für Transporte verwendet werden, um die infolge der Corona-Krise entstandenen Engpässe zu beseitigen beziehungsweise die allgemeine Versorgung weiterhin aufrecht zu erhalten, sind auch die Bestimmungen zu Lenk- & Ruhezeiten bis 14. April 2020 ausgesetzt.

Im Inland läuft der Verkehr zurzeit reibungslos. Im grenzüberschreitenden Verkehr sind die Situationen völlig unterschiedlich und ändern sich von Tag zu Tag. So ging es zu Beginn der Woche in Richtung Deutschland, Tschechien und Ungarn wegen extremer Grenzwartezeiten nur äußerst zäh voran, während es in Richtung Slowakei und Slowenien kaum Behinderungen gab. Prinzipiell sei der grenzüberschreitende Warenverkehr weiterhin möglich und die Europäische Kommission forderte die EU-Mitgliedsstaaten eindringlich auf, diesen auch weiterhin zu gewährleisten. Den Transporteuren rät der Fachverband, die Situation an den Grenzen laufend zu evaluieren und vor Abfahrt den Empfänger der Lieferung zu kontaktieren, um sicherzustellen, dass der Transportauftrag noch aufrecht ist und die Ware übernommen wird.

Verständnis für die Maßnahmen

So wie fast alle Bereiche des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens haben die strikten Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Corona-Virus auch die Transportwirtschaft völlig unvorbereitet getroffen. Dennoch äußert der Fachverbandsobmann Verständnis für das Vorgehen: „Persönlich finde ich, dass die Bundesregierung einen guten Job macht und die Maßnahmen notwendig sind“, sagt Reder. Auch die Ankündigung rascher Hilfestellung für Unternehmen, die aufgrund der aktuellen Lage in Schwierigkeiten geraten, sei wichtig: „Liquidität und Arbeitsplätze sichern, das muss volkswirtschaftlich an erster Stelle stehen.“ Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Wirtschaft insgesamt und speziell die Transporteure mittelfristig haben werde, darüber könne man derzeit nur spekulieren. Im Moment ginge es vorrangig darum, sich von Tag zu Tag den laufenden Herausforderungen zu stellen.

Dieser aktuelle Zustandsbericht ist lediglich eine Zusammenfassung der Entwicklungen von Montag und Dienstag, den 16. und 17. März 2020. Generalisierungen sind aber nur schwer möglich, denn die Transportunternehmen sind je nach Branche, Kundenstruktur und Region völlig unterschiedlich von der Krise betroffen. Die Situation verändert sich dabei stündlich – tendenziell eher nicht zum Besseren.