Die Zukunft der Mobilität

Tesla Semi

„Phantom-Absatz“ bei Elektro-Lkw

Immer mehr Unternehmen entdecken den Werbewert einer Vorbestellung für den neuen „Tesla Semi“ Elektro-Truck.

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Ein Schmerz, den nur der Patient fühlt und der nach medizinisch überprüfbaren Kriterien nicht vorhanden sein dürfte, wird auch gerne als „Phantom-Schmerz“ bezeichnet. So ähnlich scheint es sich mit den zahlreichen Vorbestellungen für die Tesla-Trucks zu verhalten. Immer mehr Unternehmen entdecken den Werbewert des neuen „Tesla Semi“ Elektro-Lkw, der aber noch gar nicht verfügbar ist. Zuletzt machte UPS mit einer Vorbestellung über 125 Stück auf sich aufmerksam. Dabei sind nach Meinung einschlägiger Experten die technischen Spezifikationen des Fahrzeugs, die Tesla verspricht, aus heutiger Sicht nicht realisierbar. Insbesondere die hohe Reichweite scheint nach derzeitigem Entwicklungsstand unmöglich, es sei denn, das Fahrzeug transportiert anstatt der Ladung ausschließlich einen Akku. Es ist also kaum vorstellbar, dass Tesla wie angekündigt schon im Jahr 2019 mit der Produktion des E-Lkw im größeren Maßstab beginnt, wo das Unternehmen zuletzt schon Schwierigkeiten hatte, ein eher gewöhnliches Auto wie das „Modell 3“ termingerecht auszuliefern. Auch wer sich erhofft hatte, vielleicht bei der Vienna Autoshow 2018 einen Blick auf den leistbaren Elektroflitzer für die breite Masse werfen zu können, wurde enttäuscht: Ausgestellt waren nur die schon bekannten Modelle S und T.

© Tesla

Spekuliert wird noch darüber, wie Tesla das Akku-Problem im Elektro-Truck lösen will. Oder ist das hinten dran womöglich gar kein Auflieger sondern eine Batterie auf Rädern?

In jedem Fall ist die medial inszenierte Vorbestellung des Tesla-Elektrotrucks aber eine lohnende Marketingmaßnahme, nicht nur für Tesla sondern vor allem auch für den potenziellen Kunden. Denn dieser kann dabei eigentlich nur gewinnen: Kommt der Elektro-Truck tatsächlich in naher Zukunft mit den versprochenen Spezifikationen auf den Markt, dann hat sich der Kunde gleich einmal einen Teil der ersten Tranche gesichert. Schafft Tesla es nicht, den Sattelschlepper mit den versprochenen Spezifikationen auf den Markt zu bringen, dann gibt es auch keinen Geschäftsfall und somit auch keine ökonomischen Nachteile für den Kunden. Und solange können UPS und andere sich aufgrund ihrer Bestellung als ökologische und technologische Vorreiterunternehmen gerieren, völlig ohne Risiko. Und Tesla kann derweil seinen Investoren die Vorbestellungen als Absatzversprechen für die Zukunft verkaufen. Aber vorerst ist das nur ein „Phantom-Absatz“, jedenfalls solange das Fahrzeug nicht in Produktion ist und niemand weiß, wie Tesla das derzeit noch unüberwindbare Problem der Akkukapazität lösen will.