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Missglückte Versuche: Rudolf Diesel begibt sich auf Fehlersuche

Für Diesel stand nach seiner ersten unglücklichen Versuchsreihe einiges auf dem Spiel. Vor allem der Zeitdruck machte ihm zu schaffen, seine Geldgeber wollten Ergebnisse sehen. Doch was lief bloß falsch mit seinem ersten Motor? Wieso konnte Diesel ihn nicht zum Laufen bringen? Erleben Sie hier und auf Twitter die entscheidenden Monate der Motorenentwicklung von damals mit. Aus der Perspektive Rudolf Diesels.

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Setzte Rudolf Diesel die Fehlfunktion seines ersten Versuchsmotors zunächst etwas zu, so wurde der geniale Tüftler längst nicht aus der Bahn geworfen. Doch die Zeit saß ihm im Nacken. Alle Verantwortlichen, darunter auch die Maschinenfabrik Augsburg und die Stahlwerke Krupp, waren freilich von der ersten Versuchsreihe enttäuscht und wollten Ergebnisse sehen. 

Diesel konnte ihnen nicht bieten, was sie wollten: einen funktionstüchtigen Motor, der mit flüssigem Brennstoff betrieben wird. Am 23. August 1893, nach insgesamt 38 Tagen Versuchszeit, schrieb Diesel sein Abschlussprotokoll, das er anschließend an MAN-Direktor Heinrich Buz überreichte.

Unglücklicherweise wählte er eine Formulierung, die durchaus als Überheblichkeit interpretiert werden könnte: „Die Durchführbarkeit des Prozesses an sich ist selbst mit dieser unvollkommenen Maschine als erwiesen zu betrachten.“ Bei genauerer Betrachtung hat ihm die Versuchsserie aber tatsächlich einen Erkenntnisgewinn beschert.

Seine Schlussfolgerungen notierte er umgehend: So hielt er schriftlich unter anderem fest, dass eine automatische Verbrennung ohne künstliche Hilfe stattgefunden habe, dass das Ein- vom Auslassventil voneinander zu trennen sei und die Einspritzvorrichtung verbessert werden müsse.

© Diagramme

Verschiedene Arbeitsdiagramme (Druck-Volumen-Diagramme), die die Indikatoren von Diesels Versuchsmaschinen aufzeichneten. Die Nutzleistung verbesserte sich über die Zeit.

Diesel geht mit neuem Elan an die Sache

Dennoch kehrte Diesel Augsburg erst einmal den Rücken. Er brauchte nach den Geschehnissen eine Auszeit und wollte sich nach Berlin zu seiner Familie zurückziehen, dort seine gesammelten pläne überdenken und neue Zeichen für einen völligen Umbau seiner Maschine anfertigen. Bereits bei seiner erneuten Ankunft in Augsburg hatte Diesel neue Zeichnungen einer überarbeiteten Maschine im Gepäck.

Richtig erholt haben dürfte sich der Tüftler in Berlin nur wenig, wenn gar nicht. Während sich andere in der spätsommerlichen Hitze auf den Parkbänken bräunten, ließ den Tüftler offenbar die Frage nach dem „Warum“ keine Sekunde mehr Frieden. „Was ist bloß mit dem Motor los?“ schallte es nicht nur einmal durch den Raum.

Nun sind die Arbeiter gerade dabei, seinen ersten Versuchsmotor, der die Bezeichnung 15/40 trug, zu demontieren, um Platz für seinen Neuentwurf zu schaffen. Bei Möglichkeiten werden alte Teile wiederverwertet. Der gesamte Unterbau bis hin zum oberen Zylinderflansch soll bei der umgebauten, verbesserten Maschine Verwendung finden.

https://youtu.be/XJf2bZqxYL0

Fünf Monate wird die Fertigstellung des neuen Versuchsmotor voraussichtlich dauern. Verbessert werden sollen insbesondere die Kolben und die Kraftstoffzufuhr in den Zylinder. Getrennt wird zudem das Ein- und Auslassventil. Laut Diesel wird vor allem die, wie er es in eigenen Worten formulierte, "tastende Aufsuchung" der richtigen Form, Größe und Lage des Kompressionsraumes im Zylinder zur Königsaufgabe werden. Wir werden sehen, wie sich der neue, zweite Versuchsmotor später schlagen wird.

Machen Sie vom 10. August bis 29. November mit uns die Zeitreise mit Rudolf Diesel. Erleben Sie, was er erlebt hat in den entscheidenden Monaten der Entwicklung seines Motors. In Echtzeit auf Twitter unter twitter.com/diesel1893