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Knallende Kraft: Der Dieselmotor zündet erstmals

Ein Knall. Eine Explosion. Was heute vor 125 Jahren so dramatisch begann, wirkt bis heute nach: Der erste Dieselmotor begann damals in einer Maschinenhalle in Augsburg zu laufen. Erleben Sie hier und auf Twitter die entscheidenden Monate der Motorenentwicklung von damals mit. Aus der Perspektive Rudolf Diesels.

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Eine originale Zeichnung des ersten Versuchsmotors mit der Bezeichnung 15/40 

Es ist der 10. August 1893 und ein ohrenbetäubender Knall durchdrang die Versuchshalle auf den Gründen der Maschinenfabrik Augsburg. Ausgelöst durch eine äußerst kräftige Zündung im Zylinder flog der zur Druckaufzeichnung benötigte Indikator über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Dicke Rußwolken stiegen sogleich von jener Maschine auf, in die der Tüftler Rudolf Diesel seine ganzen Hoffnungen steckt. Verletzt wurde dabei wie durch ein Wunder niemand.

Das drei Meter hohe „Ungetüm“ blieb durch seine massiven Außenwände offenbar unversehrt. Doch nachdem sich der Ruß in der Luft verzog und sich der Puls der Anwesenden langsam wieder auf Normalniveau gesenkt hatte, wog die Verblüffung über das eben Geschehene umso stärker. Was war eigentlich gerade geschehen?!

Zum ersten Mal hatte Diesels Versuchsmotor 15/40 nach zahlreichen enttäuschten Versuchen erfolgreich „gezündet“ – und zwar mit dem Flüssigbrennstoff Benzin. Doch unglücklicherweise lief der Motor nicht aus eigenen Kräften weiter, wie es Diesel eigentlich vorsah. Der Misserfolg schien jedoch nicht entmutigend auf Diesel zu wirken, der nur unweit von seiner Maschine entfernt gemeinsam mit MAN-Ingenieur Lucian Vogel über die vermeintlichen Fehler seiner Konstruktion sprach.

Die Arbeitslast der letzten Tage war enorm für ihn gewesen und jetzt hatte sich für Diesel zumindest bewahrheitet, dass sich eine spontane Entzündung sogar bei einem relativ niedrigen Druckniveau in den Zylindern von selbst ergibt. Andererseits verursachen Versuche wie diese hohe Kosten und Diesels Geldgeber erwarten sich rasche Ergebnisse. Keine beneidenswerte Situation, in der er sich aktuell befand, denn die Leistungsvorgabe war am 10. August klar verfehlt worden.

Kritik trifft Diesel im Vorfeld hart

Mit dem Projekt vertraute Personen wissen, dass Diesel Anfang 1893 zunächst eine minutiöse 50-seitige Abhandlung mit Berechnungen über seinen ersten Versuchsmotor verfasst hatte. Mit praktischen Arbeiten an seiner Maschine hatte Diesel bereits im Vorjahr begonnen. Doch erst seit er die Maschinenfabrik Augsburg und den Stahlindustriellen Friedrich Krupp in Essen für sich gewinnen konnte, stehen ihm auch die finanziellen Mittel für sein Vorhaben zur Verfügung.

https://www.youtube.com/watch?v=iigaZKBv9ew

Doch nach dem lauten Knall in seinem provisorischen Versuchslabor, herrscht für Diesel vorerst traurige Ungewissheit, wie es mit seiner Maschine überhaupt weitergeht. Die Zeit schwindet und der erfolgreiche Betrieb seines Motors lässt auch nach dem 10. August noch auf sich warten. Keine Minute nach dem Knall dauerte es, da spekulierten MAN-Ingenieur Lucian Vogel und Rudolf Diesel bereits wild herum. Doch wo lag der Fehler? Zweifel müssen in Diesel aufgestiegen sein, schließlich war es im Vorfeld seiner Versuche ja nicht so gewesen, dass es keine kritischen Stimmen gab.

Doch Rudolf Diesel konnte die Zurückhaltung gegenüber seiner Maschine nicht verstehen und vor allem nicht so einfach hinnehmen. Er erzählte von mehreren Schreiben, die er vor der Patentanmeldung seines ersten Motors erhielt. Letztlich war er es gewesen, der um den Rat angesehener Experten gebeten hatte. Ein Schreiben war mit 13. Januar 1893 datiert.

Darin macht Eugen Langen, der selbst auf eine 30-jährige Erfahrung beim Bau von Verbrennungsmotoren zurückblicken kann, unmissverständlich klar, dass er Schwierigkeiten bei der Beherrschung der Zylinderdrücke sieht. In einem weiteren Schreiben kritisierte der französische Motorenfachmann Gustave Richard wiederum die fehlende Kühlung der Zylinder.

Auch Otto Köhler, Dozent an der Maschinenbauschule in Köln, meldete sich zu Wort: Er kommt zu dem Schluss, dass sich ein Motor, der mit Kohlenstaub betrieben wird und nach dem Carnot-Prozess funktioniert, nicht realisieren lässt. Nichtsdestotrotz hatte Diesel nach Erhalt seines ersten Patents am 23. Februar 1893 im gleichen Jahr sein Buch „Theorie und Konstruktion eines rationellen Wärmemotors“ veröffentlicht.

Machen Sie vom 10. August bis 29. November mit uns die Zeitreise mit Rudolf Diesel. Erleben Sie, was er erlebt hat in den entscheidenden Monaten der Entwicklung seines Motors. In Echtzeit auf Twitter unter twitter.com/diesel1893