Straßengüterverkehr

Kilometer lange Staus: Lastkraftwagen kommen wegen Trump nicht vom Fleck

US-Präsident Trump fährt nicht nur eine rigorose Handelspolitik, er lässt auch Lkw-Fahrer an der mexikanischen Grenze in stundenlangen Staus schwitzen. Leidtragende sind nicht nur die Fahrer, sondern auch die Transportunternehmen, die Automobilindustrie und die Konsumenten, die mit erheblich höheren Kosten als bisher zu rechnen haben.

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Die Autoindustrie in Europa leidet nicht nur an den WLTP-Spätfolgen, sondern auch aufgrund der US-Handelsstreitigkeiten und erhöhten Strafzölle von Präsident Trump. Nun scheint es aber auch die Amerikaner selbst hart zu treffen, die eigentlich durch ihren Präsidenten protektiv vor allem Übel bewahrt werden sollten, denn die Räder stehen still bis zur US-amerikanischen Grenze. Von Mexiko in Richtung der USA kommend, reiht sich ein Lkw an den nächsten, berichtet "Reuters". Das kostet nicht nur den Fahrern einiges an Nerven, sondern auch den Transportunternehmen, die eigentlich ihre Waren "Just-In-Time" an Automobilwerke in den USA liefern müssten.

Doch die Missstände sind bewusst herbeigerufen worden, lautet die vernichtende Kritik. In Washington D.C., Hauptstadt der Vereinigten Staaten und zugleich Sitz von Donald Trump im Weißen Haus, habe man sich bewusst dafür entschieden, 750 behördliche Kräfte aus dem Bereich Handel und Zoll abzuziehen und dem Bereich Einwanderung zuzuführen. Nun fehlt das Personal an einer dringend benötigten Stelle, was im Grenzgebiet zu Mexiko schwerwiegende Folgen hat, denn wer übernimmt nun die Abfertigung der unzähligen Trucks an der Grenze. Eduardo Solis, Vorsitzender der Mexican Auto Industry Association (AMIA) sieht einiges im Argen: "Die Situation im grenznahen Ciudad Juarez ist sehr ernst, denn die transportierten Autoteile gehen an amerikanische Werke und offensichtlich wird dieses Geschäft nun aufs Spiel gesetzt", so die Kritik.

Chartermaschinen statt Sattelzugmaschinen 

Bei der Automobilindustrie handelt es sich um ein hochintegriertes und empfindliches System, das Verspätungen nur sehr schlecht verträgt. Oftmals müssen die Autoteile die Grenze zwischen Mexiko und den USA mehrmals passieren, bevor sie letztlich als Bauteil in einem Fahrzeug landen. Seine bisher extremsten Ausformungen nahm das Dilemma am Montagmorgen an. Bereits siebzehn Stunden vor Öffnung des Grenzübergangs bei El Paso reichte die Lkw-Schlange bereits bis nach Ciudad Juarez zurück.

Der Grund: Die Fahrer wollten dem Schicksal der 7,500 Sattelkraftfahrzeuge entgehen, die es vergangene Woche nicht geschafft hatten, den Grenzübergang zu passieren, sagte Manuel Sotelo, Vize-Vorstand der Mexican National Chamber of Freight Transport’s North Division. Dabei handelt es sich bereits um knapp die Hälfte der Lkw pro Woche, die die Grenze im Normalfall passieren und alles Mögliche von Fahrzeug- bis hin zu Flugzeug- oder Computer-Teilen befördern.

In Ciudad Juarez habe man so etwas jedenfalls noch nicht gesehen, ergänzt Sotelo. Aufgrund der entstandenen Mehrkosten durch die Wartezeit, weichen nun einige mexikanische Exporteure auf Flugzeuge aus, um den Kilometer-langen Staus zu entgehen. "Wir nutzen Chartermaschinen, die zwischen 31.000 und  88.810 Euro kosten können, je nachdem, wie groß der Warenumfang ist", sagt Pedro Chavira, Leiter der Manufacturing Industry Chamber in Ciudad Juarez. Eine Aussicht auf Besserung für die Lkw-Fahrer, Transportunternehmen, die Industrie und letztlich die Kunden, die schlussendlich mit den erhöhten Kosten umgehen müssen, gibt es bislang nicht. 

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