Coronavirus

Grenzsperre in Ungarn könnte für Fahrermangel sorgen

Der Zentralverband Spedition & Logistik findet dramatische Worte: Eine funktionierende Lieferkette könne durch einen Mangel an Fahrern nicht länger aufrechterhalten werden. Schuld ist der Coronavirus.

Geschlossene Grenzübergänge versetzen die Transportbranche in große Sorge. Zuletzt schlug der Zentralverband Spedition & Logistik wegen der Grenzsperren in Ungarn Alarm. Es würden massenweise Lkw-Fahrer fehlen, es könnten die Lieferketten nicht mehr aufrechterhalten werden, so der Tenor der Spediteure. Die Regierung müsse auf höchster Ebene schnellstens mit Ungarn eine Lösung finden, "sonst bricht die Logistik zusammen", warnt Oliver Wagner Geschäftsführer des Zentralverband Spedition & Logistik.

In weiterer Folge müssten auf EU-Ebene dringend Lkw-Korridore geschaffen werden damit Sperren wie am Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) nicht mehr möglich sind. Doch nicht nur die Fahrerstände in den schweren Lkw blieben zusehends verwaist, auch die Zustelldienste hätten erhebliche Personalprobleme, da viele Fahrer über das Wochenende in die Heimat gefahren seien und dort nun unter Quarantäne stünden, warnt Wagner im Gespräch mit der APA.

Indes wird seitens der Politik offenbar an einer Lösung gearbeitet: Es sollen die Grenzen bei Deutschkreutz und Heiligenkreuz im Südburgenland für den Güterverkehr geöffnet werden, hieß es in einem Bericht des ORF. Bis Mittwochmittag war der Stau auf beiden Seiten des Grenzüberganges Nickelsdorf im Nordburgenland stetig gewachsen. Lastwagen standen dabei auch dicht gedrängt zwischen Pkws. Auf der österreichischen Seite wuchs der Stau vor dem Grenzübergang am Mittwochvormittag laut Polizei bereits auf 35 Kilometer an.

Große Probleme gibt es auch an der deutsch-polnischen Grenze. Die am Wochenende von Polen im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie eingeführten Grenzkontrollen haben am deutsch-polnischen Übergang Ludwigsdorf bei Görlitz auf der Autobahn 4 zu einem Mega-Stau von rund 60 Kilometern geführt. Das Deutsche Rote Kreuz war in der Nacht mit rund 90 Helfern im Einsatz, um die Wartenden zu versorgen. „Es ist aus unserer Sicht eine humanitär bedenkliche Situation“, sagte DRK-Sprecher Kai Kranich. Teils stünden die Menschen - darunter viele Familien - bis zu 20 Stunden im Stau. Es gebe weder Toiletten noch eine Versorgung mit Essen. Am Mittwoch reagierte der Grenzschutz in Polen und öffnete vier weitere Übergänge - für den Autoverkehr.

(apa/red)