Kohlenstoffdioxid

EU-Kommission legt sich durch ihre CO2-Pläne mit dem Transportsektor an

Geht es nach aktuellen Plänen der EU-Kommission, dann sollen verbindliche CO2-Limits eingeführt werden, die die durch Lastwagen verursachten Emissionen bis 2030 schrittweise reduzieren sollen. Welche Einwände es gibt, lesen Sie hier.

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Die EU-Kommission versucht nun, den generellen CO2-Trend mit Vorgaben für bessere Fahrzeugtechnik umzukehren - aktuelle Euro 6-Motoren-Generationen machen den Anfang. 

Die EU-Kommission in Brüssel will erstmals für Lastwagen verbindliche Ziele zur Senkung der Kohlendioxidwerte vorgeben, um den Klimaschutz im Transportsektor voranzubringen. Erst am Montag hat der Europäische Rat eine Verordnung über die Reduzierung der Treibhausgasemissionen verabschiedet. Demnach soll der CO2-Wert bei neuen Lastwagen von 2019 bis 2025 um 15 Prozent sinken, bis 2030 um insgesamt 30 Prozent. Dieses Ziel ist allerdings nicht in Stein gemeißelt, da die Ausgangsdaten noch nicht vorliegen. Über das Ziel für 2030 soll erst im Jahr 2022 entschieden werden, wenn überprüft werden kann, ob die Regeln in Sachen CO2-Reduktion überhaupt gegriffen haben. 

Noch heute will die EU-Kommission Emissionslimits für Lkw beschließen, die am Donnerstag bekannt gegeben werden sollen. Erik Jonnaert, Generalsekretär beim europäischen Verband der Automobilhersteller (ACEA), mahnte im Vorfeld allerdings an, die Komplexität des Nutzfahrzeugmarktes und die spezifischen Unterschiede von Pkw und Lkw zu berücksichtigen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Einsatzgebiete und Anforderungen gebe es Tausende verschiedene Bauarten und Größen von Lkw. Somit ließe sich das im Pkw-Bereich anvisierte EU-Ziel zur CO2-Minderung nicht einfach eins zu eins auf den Lkw-Bereich übertragen. 

„Lkw sind keine großen Autos. Wenn CO2-Standards für schwere Fahrzeuge geschaffen werden, sollten politische Entscheidungsträger nicht Gefahr laufen und den selben Ansatz anwenden, der auch für Pkw zur Anwendung kommt“, betont Jonnaert. Manche der Unterhändler im Parlament würden die Debatte seiner Ansicht nach zu stark vereinfachen, indem die CO2-Emissionen von Lkw mit denen von Pkw vielmehr pro Fahrzeug und nicht pro Ladung verglichen würde. Zwar würden Lkw für rund ein Fünftel der in der EU durch Transport verursachten CO2-Emissionen verantwortlich sein, sie würden aber auch mehr als 70 Prozent der landbasierten Ladungen befördern, gibt der ACEA zu bedenken.

Steigender Güterverkehr auf den Straßen

Hintergrund von CO2-Limits sind die steigenden Emissionen aus dem Straßengüterverkehr. Sie liegen nach Angaben der EU-Kommission heute um 19 Prozent höher als 1990, weil immer mehr Waren auf der Straße befördert werden. In Österreich ist es im ersten Quartal 2018 erneut zu einer Zunahme gekommen, wie Daten der Asfinag belegen: Bei 133 von 160 ausgewerteten Zählstellen nahm der Lkw-Verkehr heuer um mehr als zwei Prozent zu, bei 83 sogar um mehr als vier Prozent. „Besonders stark war die Zunahme auf den Nord-Süd-Transitrouten, also auf der Brennerautobahn und Tauernautobahn, sowie auf der Pyhrnautobahn und Innkreisautobahn“, erklärt Ulla Rasmussen vom VCÖ. Die EU-Kommission versucht nun, den generellen CO2-Trend mit Vorgaben für bessere Fahrzeugtechnik umzukehren - aktuelle Euro 6-Motoren-Generationen machen den Anfang. 

Ambitionierte Klimaziele gefordert 

Eine ungewöhnliche Allianz von Logistikern und ihren Kunden hatte vor Kurzem sehr viel mehr Ehrgeiz bei den Klimaschutzzielen gefordert. Unternehmen wie der französische Handelsgigant Carrefour, das schwedische Möbelhaus Ikea, der Bierbrauer Heineken, die Lebensmittelkonzerne Unilever und Nestlé sowie Geodis, die Frachtsparte der französischen Staatsbahn SNCF, hatten in einem gemeinsamen Brief an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker CO2-Einsparungen von 24 Prozent bis zum Jahr 2025 gefordert.

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