Zeitreise

Eine historische Fahrt In drei Etappen

Lkw-Oldtimer der 1950er und 1960er Jahre haben mit einem aktuellen Mercedes-Benz Actros eigentlich nur noch Lenkrad und Räder gemeinsam. Dass die Fahrt mit den Alten dennoch reichlich Spaß machen kann, zeigt eine Tour in drei Etappen.

In Lkw-Oldtimer der 1950er und 1960er Jahre steckt kein Automatikgetriebe oder ein intelligentes Fahrerassistenzsystem, doch das macht nichts. Selbst bei zurückgeschraubten Fahrkomfort, kommen wahre Nostalgiker auf ihre Kosten. Joachim Schlereth, der Leiter des Vertrieb & Services von Mercedes-Benz Lkw Deutschland, ist ein solcher Fan. Er schätzt die Fahrzeuge der frühen Nachkriegsjahre - und das aus einem einfachen Grund. „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und was wir inzwischen alles geleistet und verbessert haben, betont Schlereth und ergänzt: "Für mich, der erst im letzten Jahr den neuen Mercedes-Benz Actros in den Markt einführen durfte, ist die Fahrt im Oldtimer deshalb ein faszinierender Spagat zwischen gestern, heute und morgen.“

Gelegenheit für eine solche Zeitreise hatte Joachim Schlereth auf der 17. Deutschlandfahrt für Lkw-Oldtimer, die Ende September in drei Etappen von Visselhövede über Einbeck und Spelle nach Ladbergen führte und im Zeichen des Danks an die Transporthelden von heute stand. Daimler Truck beteiligte sich daher mit zwei Fahrzeugen aus dem Oldtimerbestand des Fahrzeugwerks in Wörth: Ein Mercedes-Benz LP 333 (Baujahr: 1960) und ein Mercedes-Benz L 5000 (Baujahr: 1952). 

Geschrei im "Tausendfüßler"

Schon auf den ersten Kilometern der rund 500 Kilometer langen Tour offenbaren sich die damaligen Entwicklungsfortschritte, die der LP 333 im Vergleich zum älteren Bruder durchlebt hat. Im Gegensatz zum L 5000 fährt er sich dank Lenkunterstützung recht komfortabel. Auch die Einscheiben-Trockenkupplung erfordert relativ geringe Pedalkräfte. Viel mehr Komfort wird allerdings im sogenannten "Tausendfüßler" nicht geboten, so der Spitzname des LP 333, den er seinen beiden gelenkten Vorderachsen verdankt. 

Das zeigt sich schon beim Einsteigen in den 16-Tonner. Eine schmale Stufe vor den Vorderachsen ist die einzige Einstiegshilfe. Oben in der Kabine des Front-lenkers angekommen, trennt ein riesiger Motortunnel Fahrer und Beifahrer. Darunter schlummert der 200 PS leistende "OM 326" mit sechs Zylindern und einem Hubraum von 10.735 ccm. Die enge Tuchfühlung mit dem Vorkammer-Dieselaggregat sorgt bereits vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit (maximal 75 Stundenkilometer) für eine enorme Geräuschentwicklung. Entsprechend lautstark verlaufen Gespräche mit dem Beifahrer.

Auch der Mercedes-Benz L 5000 steht seinem Oldtimer-Kollegen in Sachen Geräuschverhalten kein bisschen nach. Unterhaltungen in Normal-Lautstärke sind ausgeschlossen, obwohl der Reihen-Sechszylinder "OM 67/8" mit 120 PS vor der Kabine in der langen Schnauze ruht. Wer diesen 10,7-Tonner fahren will, muss noch ein echter Kraftfahrer sein. Das spürt Joachim Schlereth schon, als er erstmals die schwergängige Kupplung tritt. Und Lenken erfordert mindestens genau so viel Muskelkraft in den Armen. Denn hier hilft keine Hydraulik, sondern lediglich das groß dimensionierte Lenkrad.

Etappen-Tour mit Geschichte

"Bei der bereits 17. Deutschlandfahrt mit über 500 Kilometern, handelt es sich quasi um ein rollendes Museum", sagt Organisationsleiter und Spediteur Joachim Fehrenkötter. Sein Vater Robert hatte 1987 die Idee dazu, weil Autos nach seiner Meinung auf die Straße gehören und nicht hinter Museumsmauern - womit er nicht Unrecht hat. Seither rollen alle zwei Jahre 60 bis 80 Lkw-Oldtimer je nach Routenplanung durch Deutschland und benachbarte Länder. „Dieses Jahr war ursprünglich eine zehntägige Frankreich-Tour geplant“, erzählt Joachim Fehrenkötter, „aber die COVID-19-Pandemie machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Wir mussten kurzfristig völlig umplanen und die Tour auf vier Tage verkürzen.“ Aber auch wenn die Einladungen dafür sehr spät verschickt wurden, war die Resonanz überwältigend und zum 17. Mal konnte ein äußerst attraktiver Lkw-Oldtimer-Korso zusammengestellt werden. Joachim Schlereths Fazit nach drei Tagen Zwischenkuppeln und Zwischengasgeben während der Deutschlandfahrt: „Ich habe zwar auf einem Lkw mit unsynchronisiertem Getriebe meinen Führerschein gemacht, aber mein Respekt davor ist bis heute geblieben. Denn wenn man sich verschaltet, können es alle sofort hören."