Diesel voraus: Shell präsentiert Konzept-Truck

Der Mineralölhersteller Shell hat gemeinsam mit dem US-Hersteller Airflow Truck die „Starship-Initiative“ ins Leben gerufen. Das Ergebnis ist ein Konzept-Truck mit klarem Bekenntnis zum Dieselmotor.

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Futuristisches Design: Eine speziell angefertigte Karbonfaserhülle umschließt die Sattelzugmaschine. An den Rädern befinden sich jedoch keine E-Motoren. Der Antrieb setzt auf ein konventionelles Dieselaggregat, welches mit Shell-Motorenölen geschmiert wird. 

Dass sich namhafte Nutzfahrzeughersteller mit futuristisch anmutenden Truck-Konzepten derzeit nicht zurückhalten, ist bekannt. Dass nun auch Shell kürzlich ein Konzept-Fahrzeug präsentiert hat, dagegen weniger. Vielleicht liegt es an dem Umstand, dass der Mineralölhersteller – wie könnte es auch anders sein – dem Dieselmotor nicht abgeschworen hat, sondern weiterhin die Treue halten muss.

Im Detail handelt es sich um das Projekt „Starship“, das Shell Rotella, Motorölspezialist für Dieselmotoren, zusammen mit der Airflow Truck Company derzeit realisiert. Ein Vorführmodell des imposanten, rund 24 Meter langen Ungetüms der schweren US-Klasse 8, wurde erst vor Kurzem in Atlanta auf einer Technologiemesse vorgestellt. Erstmals bekannt wurde das Projekt im Jahr 2015. 

Kraftstoffverbrauch reduzieren

Die Außenhaut der Sattelzugmaschine wurde eigens aus Karbonfaser zu einem aerodynamischen Mantel geformt. Dadurch soll der Luftwiderstand reduziert und der Kraftstoffverbrauch entsprechend gesenkt werden. „Im Herzen schlummert ein Cummins X15 Sechszylinder-Dieselaggregat mit 400 PS, das mit einem Eaton Automatikgetriebe verbunden wurde und auf dem Chassis eines International ProStar sitzt“ erklärt Robert Sliwa, Geschäftsführer der Airflow Truck Company, die sich mit der Fertigung des Trucks beschäftigt. Sliwa besitzt reichlich Praxiserfahrung. Er saß früher selbst jahrelang hinter dem Steuer, bevor er sich selbstständig machte, um an eigenen Lastkraftwägen zu werken.

In einem Interview erzählte Sliwa, dass er sich bereits in seinen Tagen als Berufskraftfahrer mit dem Thema Kraftstoffeffizienz intensiver auseinandersetzte. Er war schlichtweg unzufrieden mit den schlechten Kraftstoffverbrauchswerten herkömmlicher LKWs. Seine Überlegungen flossen nun in sein eigenes aktuelles Projekt mit ein, an dem Shell großes Interesse zeigte. Neben dem Verbrauch wurde der Fokus bei der Entwicklung auch auf Sicherheitsaspekte gelegt, erklärt Dan Arcy, technischer Entwickler bei Shell. Besondere Rücksicht wurde zum Beispiel auf ABS, ESP und Abstandswarnsystem genommen.

Solarzellen speisen 48-Volt-Batterie

Auf dem Dach des dazugehörigen Anhängers befinden sich Solarzellenpanele mit insgesamt 5000 Watt. Sie sollen die 48-Volt-Batterie der Sattelzugmaschine speisen, die unter anderem die Klimaanlage mit Strom versorgt. In Sachen Fahrwerk kommen hybrid-elektrische Achsen zum Einsatz die beim Bergauffahren für extra Schub sorgen sollen.

Obwohl der Mineralölkonzern Shell nicht direkt in die Fertigung des Vehikels involviert ist, wird das Projekt erst durch die Finanzierungsmittel ermöglicht. Auch das Motorenöl vom Typ T6 Ultra 5W-30, mit welchem der Antriebsstrang des schweren Gefährts geschmiert wird, stammt von Shell Rotella.

Bereits im Mai soll der Truck bei einer ersten ausgedehnten Testfahrt unter Beweis stellen, wie es um die ökonomische Performance bestellt ist. Die geplante sechstätige Reise beginnt am 18. Mai in San Diego, Kalifornien, und zieht sich mit einigen Zwischenstopps bis nach Jacksonville, Florida. Zu Testzwecken wird der Laderaum vollständig befüllt, womit der Truck ein Gesamtgewicht von bis zu 36 Tonnen erreicht.

https://youtu.be/BzvjH2y3yOw