Diesel-Umrüstung

Deutschland: 30.000 Handwerker sollen Fördergelder für die Diesel-Umrüstung erhalten

Durch den Austausch soll die Luft in stark belasteten Gebieten sauberer werden. Hardware-Nachrüstungen könnten allerdings erst frühestens im April 2020 starten. Kritiker gehen die Maßnahmen nicht weit genug.

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Geht es nach dem deutschen Verkehrsminister, Andreas Scheuer (CSU), dann sollen rund 30.000 Handwerker bei der Diesel-Hardware-Umrüstung von Handwerker- und Lieferfahrzeugen gefördert werden. „Wir werden das Programm schnell an den Start bringen“, äußerte sich Scheuer gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Samstag. Die dafür notwendigen finanziellen Mittel werden durch Umschichtung in den Fonds "Saubere Luft" geschaffen.

Scheuer bekräftigte gleichzeitig erneut seine Ablehnung gegenüber technischen Nachrüstungen bei Diesel-Pkw: „Alle Experten, mit denen ich in den vergangenen Wochen intensiv geredet habe, kommen zum gleichen Ergebnis: Hardware-Nachrüstungen für Pkw sind nicht das richtige Mittel, um Fahrverbote zu verhindern“, sagte der Minister dem RND.

Er sprach sich abermals dafür aus, „alte Fahrzeuge aus dem Markt zu nehmen und gegen neue, saubere zu tauschen“. Das sei für ihn „der Königsweg zu Reduzierung der Luftbelastung in den Städten und zur Verhinderung weiterer Fahrverbote".

Zusagen der Automobilhersteller fehlen noch

Zur Dieselfrage äußerte sich inzwischen auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). „Es ist gut, war aber auch längst überfällig, dass sich die Koalition auf zusätzliche Maßnahmen zur Lösung der Dieselkrise geeinigt hat“, reagierte Hans Peter Wollseifer auf die Ergebnisse der Verhandlungen am Montag.  

Allerdings sei es auch entscheidend, dass die Einigung nicht lediglich sogenannte Umtauschprämien beinhaltet, sondern endlich auch die vom Handwerk lange geforderte Möglichkeit zur Nachrüstung dafür geeigneter Fahrzeuge geschaffen wird, führt Wollseifer weiter fort. Der Verband appelliert an alle Beteiligten, die im Kompromiss vereinbarten Maßnahmen gemeinsam und möglichst schnell umzusetzen.

„Auch die ausländischen Autohersteller sind aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen“, betont Wollseifer. „Voraussetzung ist, dass das Kraftfahrt-Bundesamt ebenfalls umgehend den Weg für die gefundenen Lösungen freimacht und entsprechende Nachrüstgenehmigungen erteilt.“

Nachrüstförderung für schwere Fahrzeuge 

Der Verband begrüßt, dass eine Nachrüstförderung für Nutzfahrzeuge zwischen 2,8 und 7,5 Tonnen geschaffen werden soll und vom Bund mit einer 80-prozentigen Förderung unterlegt wird, um in allen 65 Städten mit Grenzwertüberschreitungen und angrenzenden Gebieten gezielt Handwerks- und anderen Gewerbebetrieben zu helfen.

Allerdings erwartet das Handwerk auch in diesem Fahrzeugsegment, dass die Autoindustrie finanzielle Verantwortung übernimmt. Das Handwerk braucht zudem auch Lösungen für leichtere Fahrzeuge sowohl mit Lkw- und Pkw-Zulassung, da sie - Kombis und Kleintransporter - den handwerklichen Fuhrpark stark prägen.

Adressatenkreis nicht groß genug

Die bislang vorgeschlagene Lösung, dass eine Pkw-Nachrüstung nur in 14 der am meisten belasteten Städten ermöglicht werden soll, ist für die privaten und gewerblichen Pkw-Nutzer nicht ausreichend, moniert der Verband. Um drohende Fahrverbote zu verhindern, kann es zwar durchaus sinnvoll sein, sich zunächst auf besonders betroffene Ballungsräume zu fokussieren. Jedoch müssen auch Dieselhalter in anderen Regionen - vor allem in Hinblick auf Langstreckenpendler und Betriebe mit Fernaufträgen sowie das Kfz-Gewerbe - die Möglichkeit erhalten, Nachrüstoption zu nutzen.

Diese Regionen grundsätzlich auszuschließen ist weder aus finanziellen Gründen notwendig noch aus Gleichbehandlungsaspekten angemessen. Die konkreten Förderverfahren müssen für Privatpersonen und kleinere Unternehmen bürokratiearm ausgestaltet werden, um schnell Wirkung zu entfalten, so die Forderung. 

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