Historie

Der vielseitige Vetter des Unimog

Im Juni 1990 wurde der Mercedes-Benz Traktor „MB-trac 1800 Intercooler“ auf einer Fachmesse vorgestellt. In der knapp 20 Jahre dauernden Produktionszeit wird der Traktor nicht nur weiterentwickelt, es verbindet ihn auch eine technische Verwandtschaft zum Unimog.

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Eine "Black Edition" des MB-trac Intercooler 1800 steht im Unimog-Museums in Gaggenau. Ein Sechs-Liter-Sechszylindermotor(OM 366 LA) mit Ladeluftkühler (engl. "Intercooler") machte das Fahrzeug zu einem besonderen Ackeschlepper. 

 

 

180 PS unter der Haube: Mit dieser PS-Zahl schließt vor 30 Jahren die Entwicklung des Traktors „MB-trac“ der Stuttgarter Marke Mercedes-Benz endgültig ab. Dabei beginnt die Geschichte des innovativen Traktors im Jahr 1967. Unter der Leitung von Gustav Krettenauer wird das technisch mit dem Unimog verwandte Gefährt im Daimler-Benz Werk Gaggenau entwickelt.

1972 feiert auf einer Ausstellung in Hannover der Prototyp des MB-trac, der „65/70“, als erstes Modell Premiere. Konzipiert war der Traktor als vielseitige Arbeitsmaschine - auch für große Betriebe – und bot einen hohen Komfort. Nachfrage schien jedenfalls vorhanden zu sein: Noch auf der Messe werden rund 350 Bestellungen aufgegeben, meldet Daimler.

Zwei aus einer Klasse

Das letzte Modell der Serie, der „1800 Intercooler“, basierte auf dem seit 1987 gebauten „1600 Turbo“ mit einer Leistung von 156 PS (115 Kilowatt). Doch im 1800 Intercooler steckte bereits zehn Jahre Fachwissen. Im September 1980 feierte der „1500“ sein Debut auf einer Ausstellung in Hannover. Der Sechszylindermotor (OM 352 H) brachte eine Leistung von 150 PS (110 Kilowatt).

Ein Bruder für den Unimog

Sowohl der 1500 als auch der 1800 Intercooler gehören zur 1976 eingeführten schweren Klasse (Baureihen 442 und 443) der Mercedes-Benz Traktoren. Zudem gibt es Typen der leichten (seit 1972, Baureihe 440) und mittleren Klasse (seit 1982, Baureihe 441).

Im Jahr 1987 wurde das Programm an Fahrzeugen komplett überarbeitet – es gab insgesamt acht Typen: vom „700“ (50 Kilowatt oder 68 PS) bis zum „1600 turbo“ (115 Kilowatt oder 156 PS), die einen großen Anwendungsbereich in der Landwirtschaft und Kommunaldienst abdecken konnten, aber auch im Forst und auf dem Bau.

Der MB-trac war zugleich auch eine Ergänzung für die Unimog-Modelle, mit denen er technisch eng verwandt ist. Während der Unimog vom Start weg mit Geländegängigkeit und hohen Transportgeschwindigkeiten auf der Straße überzeugen wollte, bietet der Traktor größere Leistungen als Geräteträger und Zugfahrzeug auf dem Acker.

Mit Allradantrieb aufs Feld

Zahlreiche Landwirte schätzen den Unimog seit 1949 als universalen Helfer. Die Stärken dieses Kraftpakets überträgt der MB-trac 1972 in den Bereich der Ackerschlepper. Im Gegensatz zu vielen konventionellen Traktoren seiner Zeit bietet er serienmäßigen Allradantrieb, vier gleich große Räder, mittige Fahrerkabine, leistungsfähige Regelhydraulik hinten und vorn sowie drei Anbauräume (Front, Aufbau und Heck) für Geräte aller Art.

Statt der üblichen Blockbauweise hat der Traktor einen robusten Leiterrahmen. Die gefederte Vorderachse und die gefederte, umfassend ausgestattete Kabine sorgen für hohen Komfort. Die hintere Starrachse bietet Stabilität auch bei schweren Arbeiten auf dem Feld.

Gleiche Montageeinrichtung

MB-trac und Unimog sind nicht nur durch die Verwendung zahlreicher gleicher Komponenten verwandt, sie werden auch im damaligen Werk Gaggenau auf demselben Band montiert. Das hat Vorteile: Zum Beispiel beim Service, wie eine Mercedes-Benz Pressemitteilung über „Wirtschaftliche Arbeitsmaschinen für den Bau“ aus dem Jahr 1980 betont.

Stete Weiterentwicklung

Mercedes-Benz entwickelt seinen Traktor in der knapp 20 Jahre dauernden Produktionszeit kontinuierlich weiter. Dazu erfolgen 1979 auch Dauererprobungen im realen Einsatz in Kooperation mit Landwirten aus dem Raum Boxberg (Baden). Das Fahrzeug bleibt aber wichtigen Grundprinzipien über alle Baureihen, Leistungsbereiche und Entwicklungsstufen hinweg treu:

Das Eigengewicht des MB-trac wird zum Beispiel zu rund 60 Prozent von der Vorderachse und rund 40 Prozent von der Hinterachse getragen. Mit schweren Anbaugeräten im Heck oder beim Pflügen sorgt das für eine nahezu perfekte Balance mit je rund 50 Prozent Belastung beider Achsen.

Diesen Vorteil kann der Traktor ausspielen, denn Sitz, Lenkrad, Armaturen und Pedale lassen sich im Fahrerhaus um mehr als 180 Grad drehen. So ist das Vehikel auch in umgekehrter Fahrtrichtung mit der starren Hinterachse voraus voll einsatzfähig.

Letzter MB-trac im Museum

Der letzte von 190 gebauten 1800 Intercooler in der Ausführung „Black Edition“ mit Sonderlackierung Schwarzmetallic gehört zur Dauerausstellung des Unimog-Museums in Gaggenau. Insgesamt entstehen lediglich 190 Exemplare des Superschleppers seiner Epoche bis zum Ende der Produktion im Dezember 1991. Das macht dieses Modell heute zum besonders gesuchten Klassiker in der starken Szene der Traktor-Sammler.

https://youtu.be/SpD9kmAkdGM