Historie

Der Sprinter sprintet schon 25 Jahre

Schon ein Vierteljahrhundert gehört der berühmte Transporter aus Stuttgart nun schon zum fixen Bestandteil zahlreicher Fuhrparks weltweit. Einen Rückblick auf seine PS-starke Modellgeschichte gibt es hier.

Von

Der Transportwagen „Sprinter“ ist aus dem KEP-Gewerbe nicht mehr wegzudenken, auch Einsatzkräfte bedienen sich gerne umgebauten Fahrzeugen dieses Typs. Vor 25 Jahren feierte er sein Debüt, dazu wurden 500 Exemplare des neu konstruierten Transporters am 23. Jänner 1995 zu den Händlerstützpunkten entsendet. Zugleich begann eine neue Ära in der Geschichte der leichten Nutzfahrzeuge von 2,6 bis 4,6 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht. Seither betitelt der Hersteller das Marktsegment gerne als „Sprinter-Klasse“.

Neue Sicherheitsfeatures

Mitte der 1990er-Jahre konnte sich noch kaum jemand die künftigen Dimensionen der Paketlogistik durch den Boom des Onlinehandels vorstellen. Damals präsentierte der Stuttgarter Hersteller einen vollkommen neu entwickelten Transporter. Ausgestattet war er mit Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrädern, Antiblockiersystem (ABS) inklusive Automatischem Bremsdifferential (ABD), strömungsgünstiger Karosserie, geringem Verbrauch und anderen Details, mit denen Daimler neue Maßstäbe setzen wollte. Zugleich löste der Sprinter die Typenreihe „T1“ ab, in Deutschland auch als „Bremer Transporter“ bekannt. Daran erinnert die interne Bezeichnung der ersten Generation des Sprinters (Baureihe 901 bis 903), der intern zunächst als „T1N“ geführt wird.

Ab Januar 1995 wird es mit dem Sprinter deutlich vielfältiger, den es als 208 D / 308 D, 212 D / 312 D und 214 / 314 auf dem Markt gibt beziehungsweise mit den Dieselmotoren OM 601 D 23 und OM 602 DE 29 LA oder dem Vierzylinder-Ottomotor M 111 E 23. Hinsichtlich der verkauften Stückzahlen kommt der aufgeladene 2,9-Liter-Fünfzylindermotor mit Direkteinspritzung, Ladeluftkühlung und 90 kW (122 PS) Leistung besonders gut an.

 Multifunktionale Auslegung

Von Beginn an ist die Variantenvielfalt der Baureihe groß. Als Aufbauvarianten gibt es zum Beispiel das Fahrgestell, den Pritschenwagen oder Kipper, jeweils mit Doppelkabine oder einfacher Kabine, den Kastenwagen sowie den Kombi mit fünf oder neun Sitzen und jeweils mit Flach- oder Hochdach. Als Radstände stehen 3.000, 3.350 und 4.025 Millimeter zur Auswahl. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt zunächst 2.590, 2.800 oder 3.500 Kilogramm.

Seine Einsatzfähigkeit beweist der Sprinter nicht nur in der Logistik, sondern in vielen anderen Anwendungsbereichen. Dazu zählen Einsätze auf der Baustelle und im Handwerk, im Kommunaldienst und im Personentransport, aber auch bei Feuerwehr und Rettungsdienst. Gerne wurde und wird der Sprinter auch als Reisemobil und als Basis für zahlreiche Sonderaufbauten hergenommen. Als Zeichen seiner Vielseitigkeit steht im Mercedes-Benz-Museum zum Beispiel ein Sprinter 313 CDI Rettungswagen. Noch im Jahr seines Debüts 1995 wird der Sprinter zum „Van of the Year“ gekürt.

 Erhöhte Gewichtsklasse

Auf dem Pariser Nutzfahrzeug-Salon „Mondial du Transport Routier“ feiert der Sprinter 1995 mit einem erhöhten zulässigen Gesamtgewicht von 4.600 Kilogramm Premiere. Die an der Hinterachse doppelt bereiften 4,6-Tonner 408 D, 412 D und 414 machen die bisher den Mercedes-Benz Großtransportern vorbehaltene Gewichtsklasse nun auch im kompakteren Sprinter zugänglich. Parallel dazu zeigt Mercedes-Benz in Paris auch die elektrisch angetriebene Sprinter-Variante 308 E mit 33 kW (45 PS) starkem Drehstrom-Asynchronmotor. In folgenden Jahren erprobt Mercedes-Benz auch Varianten des Sprinters als Plug-in-Hybrid und mit Brennstoffzellenantrieb.

Modellpflege unterzogen

Durch eine kontinuierliche Modellpflege und Aktualisierung bleibt die erste Generation des Sprinters von 1995 bis zum Ende der Produktion in Düsseldorf im Jahr 2006 stets auf dem Stand der Technik. Die erste umfassende Modellpflege findet 2000 statt. Außen ist sie unter anderem an dem nun in die Motorhaube ragenden Mercedes-Stern zu erkennen.

Im Innenraum bekommt der Transporter ein neues Kombiinstrument und einen ins Armaturenbrett integrierten Schalthebel spendiert. Zudem kommen neue Dieselmotoren mit Common-Rail-Direkteinspritzung zum Einsatz. Die Leistung reicht von 60 kW (82 PS) bis 115 kW (156 PS). Im September 2002 debütiert das Erfolgsmodell in einer überarbeiteten Ausführung, die mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) ausgerüstet ist, und im November 2003 läuft in Düsseldorf der einmillionste Sprinter vom Band.

Weltweite Produktion

Mercedes-Benz produziert die erste Sprinter-Generation nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Buenos Aires. Außerdem werden aus Teilesätzen Fahrzeuge in Ho-Chi-Minh-Stadt montiert. Nach Produktionsende in Düsseldorf 2006 läuft der T 1 N in Buenos Aires weiterhin vom Band. Auch die aus einer Mercedes-Benz Generalvertretung in Kairo hervorgegangene Firma „MCV“ (Manufacturing Commercial Vehicles) baut ihn mehrere Jahre lang.

Und ab 2013 fertigt der russische Nutzfahrzeughersteller „GAZ“ etwa 25.000 Fahrzeuge für den russischen Markt. Als ein „Fahrzeug von Welt“ zeigt sich der modellgepflegte Sprinter ab 2001 auch in Nordamerika: Dort wird er als Freightliner Sprinter und Dodge Sprinter angeboten.

Generationenprojekt

Der Sprinter ist zugleich auch der erste Transporter der Marke mit dem Stern, der offiziell einen Eigennamen erhält. Dieser steht heute für eine ganze Fahrzeugklasse. Seine ständige Weiterentwicklung sichert dem Sprinter seine Position. Anfang 2006 hat in Stuttgart die zweite Generation des Sprinters Premiere. Die Baureihe 906 wird intern NCV 3 (New Concept Van) genannt. Die Fahrgestell- und Pritschenwagen-Versionen des Sprinters werden in Ludwigsfelde gebaut. Auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover im September 2006 wird der Sprinter mit Allradantrieb vorgestellt.

Zukunftskonzept

Die dritte Generation des Sprinters feiert schließlich im Jahr 2018 ihr Debüt. Angeboten wird sie als Baureihe 907 mit Heck- oder Allradantrieb und erstmals als Baureihe 910 auch mit Frontantrieb. Das Fahrzeug verkörpert als erste Transporter-Baureihe die 2016 vorgestellte „adVANce“-Philosophie von Mercedes-Benz Vans. Ab nun wartet der Sprinter mit der Möglichkeit einer umfassenden digitalen Vernetzung, einem optimierten Fahrerhaus und zahlreichen Sicherheitsinnovationen auf. Die Gestaltung folgt der im Bereich Personenwagen etablierten Mercedes-Benz Designstrategie.

 Elektromobilität 

Im Dezember 2019 stellt Mercedes-Benz den rein batterieelektrischen eSprinter vor. Das hochflexible Fahrzeugkonzept ist der nächste Meilenstein der Marke bei der Elektrifizierung gewerblich genutzter Mercedes-Benz Vans. Den eSprinter mit 85 kW (116 PS) starkem Frontantrieb wird es mit 47 Kilowattstunden oder 35 kWh nutzbarer Batteriekapazität geben - je nach Konfiguration resultieren daraus unterschiedliche Nutzlasten, Reichweiten und Höchstgeschwindigkeiten. Das Beratungstool „eCharging-Planner“ hilft den Fuhrparkbetreibern bei der Umstellung auf lokal emissionsfreie E-Mobilität mit Mercedes-Benz Van.