Historie

Das ist der erste Diesel-Lastwagen von Benz und Daimler

Wir schreiben das Jahr 1923, als Benz & Cie den ersten Diesel-Lkw in seinem Produktsortiment vorstellt. Er war zugleich im Bereich der Kraftstoffsparsamkeit ein großer Schritt nach vorne, denn anders als die Konkurrenz wurde ein Motor verwendet, der gegenüber dem Ottomotor eine Kraftstoffkosten-Ersparnis von 86 Prozent erzielen konnte. Getankt wurde damals übrigens Braunkohlen-Teeröl.

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© Daimler AG

Angetrieben wurde der Fünftonner aus dem Hause Benz & Cie. von einem Vierzylinder-Diesel des Typs "OB 2" mit 33 kW (45 PS) bei 1000/min. Im direkten Vergleich mit einem baugleichen Ottomotor damaliger Zeit überzeugte der Dieselmotor auf Anhieb durch seine Wirtschaftlichkeit: Gegenüber dem Ottomotor brachte der "Selbstzünder" eine Kraftstoffkosten-Ersparnis von 86 Prozent. 

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Angetrieben wurde der Fünftonner aus dem Hause Benz & Cie. von einem Vierzylinder-Diesel des Typs "OB 2" mit 33 kW (45 PS) bei 1000/min. Im direkten Vergleich mit einem baugleichen Ottomotor damaliger Zeit überzeugte der Dieselmotor auf Anhieb durch seine Wirtschaftlichkeit: Gegenüber dem Ottomotor brachte der "Selbstzünder" eine Kraftstoffkosten-Ersparnis von 86 Prozent. 

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Die Arbeiten am neuen Dieselmotor für den Lkw begannen bereits 1922. Im September jenes Jahres stand das erste Aggregat auf dem Prüfstand. Zunächst wurden zehn Motoren vom Typ OB 2 gebaut. Die erste Versuchsfahrt mit diesem Motor fand im anspruchsvollen hügeligen Gelände um Gaggenau (Baden-Württemberg) am 10. September 1923 statt. Das überzeugende Fazit: Versorgt mit Braunkohlen-Teeröl, benötigt der OB 2 rund ein Viertel weniger Treibstoff als ein gleich starker Benzinmotor.

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Die Verwendung des Dieselmotors hatte aber noch weitere Vorteile: Durch den günstigen Preis des Teeröls gegenüber Benzin ergaben sich sehr niedrige Treibstoffkosten. Neben Teeröl ließ sich der neue Motor auch mit Gasöl, Petroleum, Texas-Öl sowie gelbem oder braunem Paraffin-Öl betreiben, warb Benz & Cie. 1923 für den genügsamen Antrieb. Diesel, wie wir ihn heute an der Tankstelle verwenden, gab es freilich noch nicht. 

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Als Fahrgestell wählten die Benz-Ingenieure den Lastwagen "5 K 3" aus, der auf fünf Tonnen Nutzlast ausgelegt war. Der Dieselmotor OB 2 bewährte sich bei den Fahrversuchen so gut, dass schon am 14. April 1923 der Beschluss zur Serienfertigung fiel. Der Vorkammer-Dieselmotor brachte nun eine Leistung von 37 kW (50 PS) bei 1000/min. 

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Doch die Geschichte rund um den Diesel-Lkw beginnt genau genommen viel früher. Bereits im Jahr 1911 begann bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft die Entwicklung eines kompakten Dieselmotors für gewerbliche Zwecke und für die Landwirtschaft. Während Benz & Cie. den Diesel-Lkw entwickelte, entstand bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) in Berlin-Marienfelde ein fast gleich starker Lufteinblasdiesel zum Einbau in Lastwagen. 

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Das fertige Aggregat war ein Vierzylindermotor mit 29 kW (40 PS) bei 1000/min. Auf verschiedenen Testfahrten bewies der Motor 1923 seine Praxistauglichkeit. Spektakulär war damals vor allem die Fernfahrt zwischen zwei DMG-Werken: Vom 20. bis 30. September 1923 fuhr ein Daimler-Diesel-Lkw von Berlin nach Stuttgart und zurück. 

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Nach diesen öffentlichkeitswirksamen Erprobungen über damals ungeheuerliche Distanzen wurden die ersten Marienfelder Diesel-Nutzfahrzeuge vom Typ Daimler 5C bereits Anfang Oktober 1923 auf der Berliner Automobilausstellung gezeigt, und zwar ein Lastwagen, ein Dreiseiten-Kipper und ein Omnibus.

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Nach der Fusion von Benz & Cie. und der DMG im Jahr 1926 setzte sich jedoch das Vorkammer-Prinzip von Benz gegen den Lufteinblasdiesel durch. Erster Vorkammer-Dieselmotor aus gemeinsamer Entwicklung war der Sechszylindermotor "OM 5" aus 1927 (55 kW/75 PS aus 8,6 Liter Hubraum). Die Abkürzung OM für Dieselmaschinen, von „Oelmotor“ kommend, erhält sich seither in der Nomenklatur von Mercedes-Benz. Der OM 5, dessen Serienproduktion 1928 anläuft, war bereits mit der neuen Bosch-Einspritzpumpe ausgerüstet.