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Daimler Trucks begrüßt einheitliches Prüfverfahren Vecto

Mit September wurde für Pkw der einheitliche Fahrzeug-Prüfzyklus WLTP eingeführt, im kommenden Jahr wird für schwere Nutzfahrzeuge das Test- und Messverfahren Vecto folgen. Es soll für mehr Transparenz sorgen.

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Seit September 2018 gilt ein neuer Prüfzyklus für Personenkraftfahrzeuge, an welches sich die Hersteller zu halten haben. WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) löst den europäischen Fahrzyklus NEFZ ab. Realistischere Werte bei den Emissionen und Verbräuchen sollen dadurch erzielt werden.  

Mit dem neuen Jahr beginnt nun auch für die europäische Nutzfahrzeugbranche eine neue Ära: Ab dem 1. Januar 2019 übergeben Lkw-Hersteller an ihre Kunden jeden neu produzierten Lkw mit einem Zertifikat, das Angaben zu Kraftstoffver­brauch und Kohlendioxid-Ausstoß enthält. Die Berechnung der Werte erfolgt individuell für jede Lkw-Konfiguration mit dem digitalen Simulationstool Vecto (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool). Die EU-Kommission hat die Software samt den dazugehörigen einheitlichen Test- und Mess­verfahren in Zusammenarbeit mit Herstellern, Wissenschaftlern und weiteren Experten entwickelt.

Lkw-Kunden in der EU haben damit nun erstmals die Möglichkeit, die Verbrauchs- und CO2-Werte von Fahrzeugen unterschiedlicher Anbieter besser zu vergleichen. „Wir sehen Vecto als eine wichtige Voraussetzung für ein noch nachhaltigeres Transportsystem und mehr Transparenz im Markt", beton Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Lkw. "Wir teilen das Ziel der EU, dadurch Transparenz für immer niedrigere Verbräuche und weiter abnehmende CO2-Emissionen zu schaffen". 

Bestandteil der geplanten CO2-Reduktionsvorgaben der EU 

Ab dem Bezugsjahr 2019 bilden die mittels Vecto erhobenen Daten auch den Referenzwert für die künftigen CO2-Minderungsziele der EU. Diese Basis und die Ziele stehen aktuell jedoch noch nicht fest. Die EU-Kommission hatte im Mai 2018 vorgeschlagen, die CO2-Emissionen um 15 Prozent bis 2025 sowie um 30 Prozent bis 2030 zu mindern (bezogen jeweils auf das Basisjahr 2019). Dies entspricht einer Verdrei- bis Vervierfachung der bislang durchschnittlich pro Jahr erreichten kontinuierlichen Reduktion von Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen.

Im November hat das Europäische Parlament über eine von seinem Umweltausschuss angepasste Vorlage dieser Vorschläge abgestimmt und für eine CO2-Minderung von 20 Prozent in 2025 und mindestens 35 Prozent in 2030 votiert. Aus Sicht von Daimler Trucks wäre eine Verbesserung der CO2-Reduktion um rund 1,5 Prozent jährlich in den nächsten 10 Jahren ambitioniert aber noch realistisch. Daimler setzt nun auf die Entscheidung der Mitgliedstaaten und damit auf die Sitzung des Rats der Europäischen Union (EU-Ministerrat) am 20. Dezember 2018 als nächsten Schritt des Gesetzgebungsverfahrens. 

Großteil aller gefertigten Lkw ab 2019 von Vecto betroffen – Busse folgen später 

Zum Start-Termin am 1. Januar 2019 betrifft die gesetzliche Regelung rund um Vecto, die auf der Verordnung 2017/2400 der EU-Kommission aus dem Jahr 2017 fußt, bereits einen wesentlichen Anteil der in der EU gefertigten Lkw: zwei- und dreiachsige Sattelzug- und Pritschenfahrgestelle des Fern- und Regionalverkehrs, das heißt die Lkw-Klassen 4, 5, 9 und 10 (Lkw über 16 Tonnen). Die EU wird Anfang 2020 den leichten Verteilerverkehr ab 7,5 Tonnen in die Regelung aufnehmen. Etwas später sollen Experten zufolge voraussichtlich auch Fahrzeuge der Gewichtsklasse von 5 bis 7,5 Tonnen sowie Busse folgen. 

Umfangreiche Datengewinnung für Vecto-Berechnung 

Zunächst müssen die Hersteller die nötigen Eingangsdaten, die einen Einfluss auf den Verbrauchswert haben, nach strikten Vorgaben und unter Begleitung externer Prüf­organisationen für die Vecto-Berechnung erzeugen. So werden beispielsweise die Luftwiderstände verschiedener Kabinenvariante eines Lkw-Modells gemessen. Es müssen zudem auch die unterschiedlichen Kraftstoffverbräuche und damit CO2-Ausstöße je nach Motor-, Getriebe- oder Achs-Varianten für Vecto in Erfahrung gebracht werden.

Die daraus erzeugten Inputdaten, die von unabhängigen Prüforganisationen bestätigt werden, speisen sie anschließend in die Vecto-Simulation ein. Diese errechnet anschließend unter Berücksichtigung von Fahrzyklen die entsprechenden Verbrauchs- und CO2-Werte für spezielle Lkw-Konfigurationen, die von den Herstellern für deren Kunden abgefragt werden. 

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