Transportwesen

Aktuelle Studie prognostiziert Kostenflut durch Grenzkontrollenausweitung

Wiedereinführungen beziehungsweise Intensivierungen von innereuropäischen Grenzkontrollen hätten schwerwiegende Folgen für die Betriebe. Lesen Sie hier, mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist.

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Bei Dauerkontrollen am hochrangigen Straßennetz (Kontrollquote von 80 Prozent) und einer Kontrollquote von 40 Prozent im niederrangigen Straßennetz würden Zusatzkosten im Bereich der Lkw-Verkehre von etwa 3,2 Millionen Euro pro Werktag entstehen. 

Im Rahmen einer Veranstaltung der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer wurde eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) präsentiert, die zeigt, dass durch die umfassende Einführung von Grenzkontrollen von und zu Österreich ein Schaden von bis vier Milliarden Euro pro Jahr für die Betriebe entstehen würde. Laut den Autoren der Studie müssten allein pro Tag mit zusätzlichen Gesamtkosten in Höhe von mehr als 12 Millionen Euro gerechnet werden. 

Ein immenser Schaden für die Import- und Exportwirtschaft, insbesondere aber für kleinere und mittlere Unternehmen, die in grenznahen Regionen angesiedelt sind, oftmals über die Grenze transportieren müssen und durch die Wartezeiten einen großen Wettbewerbsnachteil erleben, betont Studienleiter Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik.

Der Kritik an weiteren Grenzkontrollen schließt sich Bundesspartenobmann Alexander Klacska an, der sich vehement gegen Grenzkontrollen ausspricht: „Güter müssen sich innerhalb Europas frei bewegen dürfen.“ Viele Transporte in Österreich seien ohnehin nur kurze Touren über die Grenze und wieder zurück, so Klacska. Diese wären besonders hart getroffen.

Nachteile für Just-in-Time-Konzepte

Durch Wartezeiten an weiteren Grenzübergängen ergebe sich laut Kummer noch ein zusätzliches Problem. „Just-in-Time-Strategien wären bei flächendeckenden Grenzkontrollen nicht mehr möglich“, warnt Kummer. Stattdessen käme es vielmehr zu steigenden Lagerhaltungskosten, da durch den gehemmten Warenaustausch die Bestände anwachsen würden.

Die Studie geht davon aus, dass für Unternehmen, die auf JIT-Konzepte setzen und Abholungen sowie Anlieferungen zwischen Österreich und Deutschland abwickeln, die Transportzeit um 75 Prozent steigen würde, falls Bayern ernst macht und die Kontrollen an der österreichischen Staatsgrenze signifikant ausweitet. Betroffen wäre vor allem die Automobilindustrie.

Doch selbst die Verlagerung auf Schiene sei nicht immer die beste Alternative, um Grenzwartezeiten zu umgehen. „Die Transportweiten sind oft zu gering, dass es Sinn machen würde, Güter auf die Schiene zu verladen.“ Außerdem müsste die „Rollende Landstraße“ ebenfalls kontrolliert werden - und das kostet nicht nur, sondern nimmt auch Zeit in Anspruch. Die Studie malt das Schreckensszenario weiter: Schlussendlich bleiben die Kosten nicht nur bei Handel, Gewerbe und Industrie, sondern auch beim Kunden hängen, der das zu bezahlen hat. 

WKO gibt Handlungsempfehlungen  

Im Falle einer Ausweitung der Grenzkontrollen müsse die Infrastruktur entsprechend angepasst werden, rät Klacska, sodass zumindest eine Auffächerung des Verkehrs möglich wäre. Demnach müssten Güterverkehrskorridore geschaffen werden, die eine ungehinderte Durchfahrtsmöglichkeit für den Wirtschaftsverkehr vorsehen. Gegebenenfalls könnten auch bilaterale Abkommen zwischen Deutschland und Österreich geschlossen werden.

Diese könnten deutsche Organe dazu befähigen, Kontrollen auf österreichischem Staatsgebiet durchzuführen, falls die vorhandene Infrastruktur zweckdienlicher ist als im eigenen Land. Sollte es dennoch zu besonders langen Grenzwartezeiten für den Transportsektor kommen, dann sollten EU-Sozialvorschriften – etwa Lenk- und Ruhezeiten – vorübergehend ausgesetzt werden, fordert der Bundesspartenobmann als drastische Maßnahme.

Das Studiendesign im Schnellüberblick

Untersucht wurden Grenzpunkte entlang des hoch- und niederrangigen Straßennetzes in ganz Österreich - dazu zählen etwa Autobahn und Schnellstraße. Die Daten für die Studie stammen vom Straßen- und Autobahnbetreiber Asfinag, teils von den Bundesländern und basieren auf Prognose und Zählung. Weiters wurden Daten zu Kosten bereits entstandene Grenzwartezeiten erhoben. In einem nächsten Schritt wurden diese in eine Szenarienanalyse mit anschließenden Kurzfallstudien eingebunden. Darauf basieren nun die genannten Handlungsempfehlungen für die österreichische Verkehrspolitik.

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