Entwicklung & Produktion

13-Liter-Motor für Lkw der Traton-Gruppe kommt aus Schweden

Bis vor einigen Jahren operierten die Nutzfahrzeugmarken der Volkswagengruppe, MAN und Scania, weitgehend unabhängig voneinander. Mit der Bündelung der Nfz-Marken unter dem Dach der Traton-Gruppe erfolgte auch eine verstärkte Integration in der Entwicklung und Produktion. Künftig werden wohl alle Lkw-Motoren der Gruppe auf einer gemeinsamen Plattform basieren. Der neue 13-Liter-Motor kommt dann aus Schweden, leichtere Motoren aus Nürnberg.

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Zu den Marken der TRATON SE gehören Scania, MAN, Volkswagen Caminhões e Ônibus, Navistar und RIO

Es ist eine Strategie, die man bei Volkswagen bereits aus dem Pkw-Segment kennt: In der technischen Entwicklung gibt es eine enge Kooperation aller Marken mit gemeinsamen Plattformen, in der finalen Abstimmung und im Vertrieb treten diese jedoch eigenständig am Markt auf. Eine überaus erfolgreiche Strategie, wenn man bedenkt, dass die Volkswagengruppe beispielsweise in Österreich in Summe mehr als ein Drittel des Pkw-Markts dominiert und global als einer der größten Autobauer gilt.

Nun soll diese Form des Mehrmarkenkonzepts offenbar auch auf das schwere Nutzfahrzeugsegment angewandt werden. Unter dem Dach von Traton wurden inzwischen sämtliche Konzernmarken im schweren Nutzfahrzeugbereich gebündelt und im Juni 2019 an die Börse gebracht. Es folgten eine Reihe personeller und struktureller Umwälzungen. Besonders davon betroffen, war die Marke MAN, deren Organisation innerhalb von Traton als zu wenig profitabel galt. Im Sommer 2020 wurde der Vorstand ausgetauscht, es folgte der Verkauf des Werks Plauen in Deutschland und von Steyr in Österreich. Seitdem kommt MAN nicht zur Ruhe: der Konzernbetriebsrat Saki Stimoniaris trat unlängst unter noch nicht völlig geklärten Umständen zurück, der Personalvorstand Dr. Martin Rabe wurde durch einen Wechsel in Elternteilzeit mutmaßlich elegant abserviert. Nun wird Bernd Osterloh, der erst kürzlich (und nicht unumstritten) vom VW-Betriebsrat zum Personalvorstand der Traton SE berufen wurde, auch die Personalagenden bei MAN übernehmen.

Ein Konzernmotor für alle Marken

Im Hintergrund laufen bei Traton auch massive Umwälzungen im Bereich der Entwicklung und Produktion ab. Erst kürzlich erfolgte bei MAN Truck & Bus in Nürnberg der Spatenstich für die neue Montagehalle des leichten Konzern-Dieselmotors von Traton. Dieser wird künftig nicht nur bei MAN, sondern auch in den Fahrzeugen von Scania und Navistar verbaut werden. 

Unter dem Namen „Common Base Engine" (CBE) werden künftig aber noch weitere, gemeinsame Motorenplattformen entstehen, die künftig in der gesamten Traton-Gruppe zum Einsatz kommen. Als Vorbild dient hier offenbar die Daimler-Trucks-Gruppe, die dieses Modell mit einer globalen Motorenplattform für seine Konzernmarken bereits äußerst erfolgreich umgesetzt hat. Am Stammsitz von Scania in Södertälje wird gerade das neue Werk für die schweren 13-Liter-Motoren des Konzerns fertiggestellt. Das ist insofern wenig überraschend, als Scania in der jüngeren Vergangenheit gerade im Bereich der Effizienz besonders hervorgestochen ist und bei zahlreichen Vergleichstests, wie der European Truck Challenge (ETC), dem Euro Truck Test und auch auf unseren TRAKTUELL-355 Langstreckentests hervorragend abgeschnitten hat.